Zeidler gewinnt EM-Gold mit Europarekord – DRV holt zwölf Medaillen
Zeidler glänzt mit Europarekord – DRV mit zwölf EM-Medaillen

Eigentlich sollte die Siegerehrung erst am Abend stattfinden, doch das Unwetter hatte den Zeitplan der Ruder-Europameisterschaften in Italien durcheinandergewirbelt. So bekam Oliver Zeidler seine Goldmedaille direkt am Steg des Lago di Varese überreicht – ein würdiger Rahmen für einen Auftritt, den selbst der Olympiasieger als außergewöhnlich einstufte.

Der 30-Jährige gewann am Sonntag das Einer-Finale überlegen und sicherte sich nach 2019, 2021 und 2024 seinen vierten EM-Titel. In 6:36,39 Minuten stellte er dabei eine neue europäische Bestzeit auf – nur einen Tag, nachdem er den Rekord bereits im Halbfinale verbessert hatte. „Heute bin ich wirklich auf Sieg gefahren und nicht auf Zeit“, sagte Zeidler, der die Konkurrenz deutlich distanzierte. Hinter ihm platzierten sich der unter neutraler Flagge startende Titelverteidiger Yauheni Zalaty und der griechische Weltmeister Stefanos Ntouskos.

Deutschland-Achter kehrt aufs Podest zurück

Nach zwei enttäuschenden vierten Plätzen bei den Weltcups meldete sich auch der Deutschland-Achter eindrucksvoll zurück. Das einstige Paradeboot lieferte sich in einem packenden Finale ein enges Rennen mit Rumänien und gewann am Ende Silber vor Gastgeber Italien. „Das Anfangstempo war vielleicht ein bisschen über unseren Verhältnissen. Aber wir können auf dem Ergebnis aufbauen und freuen uns über den Erfolg“, sagte der neue Schlagmann Frederik Breuer, der in Italien seine Premiere auf dieser Position feierte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Bei aller Freude über den Podestplatz ordnete Breuer das Ergebnis allerdings auch richtig ein: Mit Großbritannien und den Niederlanden hatten zwei europäische Top-Nationen auf einen EM-Start verzichtet, um sich gezielt auf die Weltmeisterschaften vorzubereiten, die vom 24. bis 30. August in Amsterdam ausgetragen werden. Der Silbermedaille-Wert sei daher nicht überzubewerten, doch sie gebe dem Team Selbstvertrauen für die entscheidende Phase der Saison.

Zwölf Medaillen und Platz zwei für den DRV

Mit insgesamt zwölf Medaillen hat der Deutsche Ruderverband (DRV) ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. In der Medaillenwertung der EM in Varese belegte Deutschland Rang zwei. Cheftrainer Marcus Schwarzrock zeigte sich entsprechend zufrieden: „Wir haben insgesamt zwölf Medaillen geholt und sind Zweiter in der Medaillenwertung. Das war sicherlich ein großer Schritt nach vorn“, resümierte der Coach. Er nahm dabei nicht nur die Leistung von Zeidler, den er als „überragend“ bezeichnete, positiv auf.

Zeidler selbst blickt bereits voller Vorfreude auf die WM in den Niederlanden. „Jetzt geht es mit breiter Brust nach Amsterdam“, betonte der Einer-Olympiasieger, der im vergangenen Jahr wegen seines Studiums auf die EM verzichtet hatte. In Varese sicherte er sich zum Abschluss der Titelkämpfe auch Silber bei der Premiere des Mixed-Achters und im Mixed-Doppelzweier – beide Disziplinen könnten künftig olympisch werden und bieten dem DRV zusätzliche Medaillenchancen.

Goldgarbe am Samstag und kleine Makel

Bereits am Samstag hatte Deutschland sechs Medaillen eingefahren. Für besonderen Jubel sorgte der Männer-Doppelvierer, der nach 13 Jahren wieder ganz oben stand. Dazu kamen Gold im Para-Mixed-Doppelzweier (PR2) und im Leichtgewichts-Männer-Zweier. Silber ging an den Frauen-Vierer und den Frauen-Doppelvierer, Bronze an den Männer-Vierer. Am Sonntag legte der DRV weitere Edelmetalle nach: Gold im Para-Mixed-Doppelzweier (PR3) und Silber im nicht-olympischen Leichtgewichts-Männer-Einer.

Doch die EM offenbarte auch Defizite, die drei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt nicht ignoriert werden können. Der Frauen-Zweier, der Frauen-Doppelzweier und der Frauen-Achter blieben hinter den Erwartungen zurück. Alexandra Föster schied im Frauen-Einer bereits im Halbfinale aus. „Es klappt noch nicht alles, aber wir sind auf einem guten Weg. Es wird immer wieder kleine Rückschritte geben, aber die Gesamtstimmung ist gut und die Gesamtrichtung stimmt“, sagte Schwarzrock und zeigte sich trotz der Baustellen optimistisch für die Titelkämpfe in Amsterdam.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration