Wie ntv.de und der Sport-Informations-Dienst (SID) melden, hat der deutsche Amateur-Radfahrer Frederik Nießen den Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar bei dessen eigenem Bergrennen in Slowenien geschlagen. Pogacar, der erst kürzlich seinen fünften Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt gefeiert hatte, musste sich bei der „Pogi Challenge“ auf dem Krvavec mit dem achten Platz begnügen. Nießen, ein Arzt aus Deutschland, entschied das Rennen für sich.
Der Mann des Tages: Frederik Nießen
Der Sieger ist in der deutschen Hobby-Szene kein Unbekannter. Nießen hat in diesem Jahr bereits das anspruchsvolle Bergrennen am Großglockner in Österreich gewonnen und präsentiert sich damit als ausgewiesener Spezialist für lange Anstiege. Auf zwölf Kilometern mit durchschnittlich acht Prozent Steigung wusste der Mediziner die Gunst der Stunde zu nutzen. Er sei ein „sehr leistungsstarker Hobbyfahrer“, heißt es in dem Bericht – eine Beschreibung, die er mit seinem Auftritt gegen den Weltklasse-Mann aus Slowenien eindrucksvoll untermauerte.
Die Konkurrenz war beachtlich: Rund 1200 Amateure stellten sich dem Berg, darunter auch einige der besten Hobbyfahrer Europas. Pogacar hatte ihnen sieben Minuten Vorsprung gewährt. Diese Vorgabe erwies sich als zu groß, wie sich zeigen sollte. Während der Slowene sich durch einen Stau im unteren Teil quälen musste, setzten sich die schnelleren Amateure früh ab. Am Ende kamen sieben Fahrer vor dem fünffachen Tour-Champion ins Ziel – nach mehr als tausend Höhenmetern.
Die ungewöhnlichen Regeln der Pogi Challenge
Die „Pogi Challenge“ ist kein normales Rennen, sondern ein Volksfest mit sportlichem Rahmen. Pogacar wollte es seinen Fans ermöglichen, sich mit ihm zu messen – und gab dafür ganz bewusst einen großen Vorsprung. Abwechselnd jagte er auf einer eigenen abgesperrten Spur die Hobbyfahrer. Im Vorjahr hatte nur ein Brite den Slowenen hinter sich gelassen, diesmal war die Überraschung perfekt.
Der Gastgeber selbst nahm die Niederlage mit Humor, aber auch mit einer Portion Frust. „Unten gab es einen riesigen Stau und auch einen Crash. Da habe ich die ersten zwei Kilometer genutzt, um mich mit den anderen Fahrern zu unterhalten“, erklärte Pogacar nach dem Rennen. „Ich hatte die vergangenen Tage schlecht geschlafen und dann eben auch noch Pech.“ Damit spielte er auf ein turbulentes Rahmenprogramm an.
Ein Wochenende voller Ehrungen und Aktionen
Bereits am Freitag stand in Pogacars Heimatstadt Komenda ein Kriterium auf dem Programm, das er gewann. Anschließend ließ sich der Ausnahmefahrer von vielen Tausend Fans feiern. Dabei sorgte er mit einer Einrad-Einlage und Trickfahrten zu Eminem-Klängen für Unterhaltung. Am Samstag folgte ein Familientag mit Kinderrennen – und dann direkt am Sonntag der nächste Krafteinsatz.
Dass ein derart vollgepacktes Wochenende Spuren hinterlässt, ist keine Überraschung. Pogacar, der für seine lockere Art bekannt ist, scheint die Niederlage dennoch nicht überzubewerten. Schließlich wartet mit der Spanien-Rundfahrt das nächste große Saisonziel.
Blick voraus: Vuelta als nächster Prestige-Triumph
Am 22. August startet die Vuelta a España in Monaco – Pogacars neuer Wahlheimat. Die Spanien-Rundfahrt ist das einzige große Etappenrennen, das in seiner Siegessammlung noch fehlt. Ein Sieg dort würde seine Ausnahmestellung weiter untermauern. Bis dahin bleibt ihm etwas Zeit, um die Strapazen der Pogi Challenge zu verdauen.
Die Radsport-Welt hat an diesem Sonntag gesehen, dass selbst die größten Champions nicht unfehlbar sind – auch wenn die Bedingungen am Krvavec alles andere als alltäglich waren. Für Frederik Nießen bleibt dieser Tag wohl für immer etwas Besonderes: Er schlug den besten Rundfahrer der Welt in einem fairen Wettkampf.



