Evenepoel schreibt Geschichte: Vierter Sieg in San Sebastián
Evenepoel gewinnt Klasikoa zum vierten Mal

Am letzten Anstieg des Tages, der Murgil-Rampe, zeigte Remco Evenepoel einmal mehr seine Klasse. Der Belgier riss das Rennen an sich, nur Richard Carapaz konnte an der bis zu 19 Prozent steilen Steigung folgen. Im Sprint des Spitzenduos behielt der Red-Bull-Profi knapp die Oberhand und heimste den vierten Sieg bei der Klasikoa von San Sebastián ein.

Dieser Triumph hat historische Dimension: Noch nie zuvor hat ein Fahrer den baskischen Klassiker viermal gewonnen. Evenepoel verdrängte damit den bisherigen Rekordhalter Marino Lejarreta, der als Baske 1981, 1982 und 1987 dreimal erfolgreich war.

Die Entscheidung am Murgil

Die Bedingungen im Baskenland waren herausfordernd. Auf den 221,2 Kilometern der 45. Auflage mussten 4284 Höhenmeter bewältigt werden. Die Vorentscheidung fiel am Murgil, dem letzten großen Anstieg des Rennens, acht Kilometer vor dem Ziel. Als Evenepoel dort attackierte, war nur Carapaz, der diesjährige Gewinner des Bergtrikots bei der Tour de France, dazu in der Lage, dem Tempo zu folgen.

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Hinter dem Führungsduo entwickelte sich ein spannender Kampf um Rang drei. Der italienische Vorjahressieger Giulio Ciccone (Lidl-Trek) verlor am Murgil den Anschluss, kämpfte sich aber auf der Zielgeraden wieder heran. Letztlich wurde der Italiener von der Verfolgergruppe gestellt und belegte mit 29 Sekunden Rückstand den sechsten Platz. Der Brite Ben Tulett (Visma-Lease a Bike) sicherte sich das Podium als Dritter.

Evenepoels Rekord in San Sebastián

Bereits 2019, als 19-Jähriger, hatte Evenepoel in Donostia seinen ersten großen Profisieg gefeiert. Weitere Erfolge in den Jahren 2022 und 2023 folgten. Die Ausgabe 2020 fiel der Corona-Pandemie zum Opfer, in den übrigen Jahren stand der Doppel-Olympiasieger nicht am Start. Damit ist Evenepoels Bilanz an diesem Ort makellos: Bei jeder Teilnahme hat er gewonnen.

Der Sieg kommt nur sechs Tage nach dem Ende der Frankreich-Rundfahrt. Bei der Tour de France hatte Evenepoel als Gesamtzweiter hinter dem überragenden Tadej Pogacar abgeschnitten. Auch Carapaz hatte in den Alpen und Pyrenäen überzeugt und das Bergtrikot geholt. Die beiden Fahrer, die in San Sebastián um den Sieg kämpften, gehörten zu den herausragenden Akteuren der diesjährigen Tour.

Roglic fehlt dem Team

Nicht mit dabei war Primoz Roglic, der erfahrene Teamkollege von Evenepoel beim deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe. Der Slowene musste seinen Start kurzfristig absagen, nachdem er wenige Tage zuvor von einem Auto angefahren worden war. Details zu seinen Verletzungen wurden nicht bekannt. Ob Roglic rechtzeitig zur Vuelta a España, die in den kommenden Wochen beginnt, wieder fit sein wird, bleibt abzuwarten.

Für das deutsche Team war der Sieg von Evenepoel dennoch ein Grund zum Feiern. Die Mannschaft zeigte sich nach dem Tour-Erfolg in starker Form. Evenepoel bewies, dass er nicht nur über drei Wochen gehen kann, sondern auch in Eintagesrennen die entscheidenden Attacken setzen kann.

Der Klassiker und seine Geschichte

Die Klasikoa von San Sebastián blickt auf eine lange Tradition zurück. Sie zählt zu den anspruchsvollsten Eintagesrennen der Saison und ist fester Bestandteil der UCI WorldTour. Mit seiner vierten Trophäe hat Evenepoel ein Stück Radsportgeschichte geschrieben. Der Baske Marino Lejarreta, der lange Zeit die Bestmarke innehatte, wird nun von einem Belgier abgelöst, der in dieser Form noch viele Jahre glänzen dürfte.

Die Bedeutung des Sieges reicht über den reinen Titel hinaus. Evenepoel festigt damit seine Position als einer der vielseitigsten Fahrer seiner Generation. Ob es ihn als nächstes zur Vuelta zieht, ist offen. Die Konkurrenz weiß jedoch bereits jetzt: In seiner Topform ist Evenepoel nahezu unschlagbar.

Ausblick auf den weiteren Saisonverlauf

Nach dem Tour-de-France-Hoch und dem Klassikersieg stehen die Zeichen für den belgischen Topstar auf Erfolg. Die Spanien-Rundfahrt wird zeigen, ob er auch im Kampf um die große Rundfahrt eine Rolle spielen kann. In San Sebastián genoss er derweil den Jubel der baskischen Fans und schrieb mit dem vierten Streich ein weiteres Kapitel seiner bereits jetzt bemerkenswerten Karriere.

Die „Klasikoa“ bleibt damit auch 2026 eine Veranstaltung, die Sportgeschichte schreibt – und ein Rennen, das mit dem Namen Remco Evenepoel untrennbar verbunden sein wird.

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