Guimard verspottet Seixas: Kennt jetzt Pogacars Hintern
Guimard verspottet Seixas: Kennt Pogacars Hintern

Als Paul Seixas am Sonntag in Paris über die Ziellinie rollte, hatte er gerade Geschichte geschrieben: Mit 19 Jahren wurde der Franzose bei seiner ersten Tour de France direkt Vierter der Gesamtwertung und Zweiter der Nachwuchswertung. Doch statt ausschließlich Lob gab es für den Jungstar auch heftige Kritik – ausgerechnet von einem Landsmann.

Ein Frühjahr voller Versprechen

Seixas hatte sich in den Monaten zuvor als das große Versprechen des Radsports präsentiert. Bei Strade Bianche und beim Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich wagte er es, die Angriffe von Dominator Tadej Pogacar zu kontern. Zwar musste er sich beide Male geschlagen geben und wurde jeweils Zweiter, doch die Art und Weise, wie er dem Slowenen auf den letzten Kilometern Paroli bot, beeindruckte die Fachwelt. Der Gesamtsieg bei der schweren Baskenland-Rundfahrt im April war dann der endgültige Durchbruch.

Selbst Pogacar zog den Hut. „Wir werden weiter hart arbeiten und versuchen, so viel wie möglich zu gewinnen – bis er irgendwann alle fertigmacht“, prophezeit der Seriensieger mit Blick auf Seixas. Die Radsport-Welt war sich einig: Hier wächst ein Jahrhunderttalent heran.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Frankreich träumt vom ersten Tour-Sieg seit Hinault

In Frankreich wuchsen die Erwartungen mit jeder Woche. Seit Bernard Hinault 1985 zum letzten Mal die Tour de France gewann, warten die Franzosen auf einen Nachfolger. Seixas, der Teenager aus dem Nachwuchsteam, sollte die vier Jahrzehnte dauernde Durststrecke beenden. Viele sahen in ihm den einzigen Fahrer, der Pogacar ernsthaft fordern könnte.

Doch die Realität sah anders aus. Auf den Anstiegen der Pyrenäen und Alpen hatte Seixas dem übermächtigen Pogacar nichts entgegenzusetzen. Der Slowene dominierte die Rundfahrt nach Belieben und fuhr seinem Verfolgerfeld regelrecht davon. Seixas kämpfte sich immerhin auf Rang vier – mit mehr als 3200 Kilometern in den Beinen.

Guimard: „Er kennt jetzt Pogacars Hintern“

Der frühere Radprofi und heutige TV-Experte Cyrille Guimard sieht in Seixas' Tour-Debüt keinen Lerneffekt. „Man verliert keine Zeit, wenn man geduldig ist“, sagt der 76-Jährige gegenüber „Cyclism’Actu“. Guimard, selbst einst Teamchef von Hinault, fragt offen: „Er fährt eine Tour, von der man weiß, dass es einen Fahrer gibt, der alles dominiert, und zwei oder drei Fahrer, die mindestens auf seinem Niveau oder sogar stärker sind. Was hat er bei dieser Tour gelernt?“

Die Antwort liefert Guimard gleich selbst – mit beißendem Spott: „Er kennt Pogacars Hintern und Del Toros Hintern sehr gut! Er hat seine Tour im Windschatten von Pogacar und Del Toro verbracht. Die kennt er jetzt auswendig, ihren Tritt kennt er auswendig.“ Und weiter: „Und dann? Er hat gelernt, dass es hart ist? Dafür muss man keine Tour fahren, um zu lernen, dass es hart ist.“

Zu früh für das große Abenteuer?

Guimard hätte es lieber gesehen, wenn Seixas sein Debüt verschoben hätte: „Bis er reif ist, die Tour gewinnen zu können. Wie gut der Junge wirklich ist, lässt sich noch nicht sagen. Die Bilanz ziehen wir in zehn Jahren.“ Der Experte zieht einen Vergleich, der in Frankreich schmerzt: „Nehmen Sie Juan Ayuso. Im gleichen Alter wurde er 2022 Dritter der Vuelta. Heute wird er an jedem großen Berg abgehängt.“ Ayuso allerdings beendete die diesjährige Tour als Siebter – auch für ihn gelten offenbar höhere Maßstäbe.

Ob Seixas aus seiner Premiere die richtigen Schlüsse zieht, wird sich zeigen. Der Teenager hat bewiesen, dass er zu den besten Fahrern der Welt gehört – doch der Weg an die Spitze ist lang. Die Tour de France bleibt für ihn vorerst eine Lehrstunde, deren Ergebnis erst in einigen Jahren bewertet werden kann.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration