Die Norwegerin Ingvild Haugset hat die vierte Etappe der Frauen-Tour mit einer beeindruckenden Solo-Flucht gewonnen. Die 24-Jährige setzte sich nach 124 Kilometern von Würzburg nach Veitshöchheim mit 23 Sekunden Vorsprung auf das Feld durch. Die deutsche Nachwuchsfahrerin Antonia Niedermaier zeigte erneut eine starke Leistung und verteidigte ihr Gelbes Trikot in der Gesamtwertung.
Haugsets mutige Attacke
Haugset, die für das norwegische Team Coop-Hitec Products fährt, attackierte rund 40 Kilometer vor dem Ziel aus einer Ausreißergruppe heraus. Auf dem hügeligen Terrain rund um die Weinberge Frankens konnte sie ihren Vorsprung kontinuierlich ausbauen. "Ich habe einfach mein Tempo durchgezogen und gehofft, dass es reicht. Dass es so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht", sagte Haugset nach ihrem ersten Saisonsieg.
Die Konkurrenz im Feld unterschätzte die Fluchtgruppe zunächst, sodass Haugset bis zu 50 Sekunden Vorsprung herausfahren konnte. Zwar forcierte das Peloton in der Schlussphase das Tempo, doch die Norwegerin rettete ihren Vorsprung souverän ins Ziel. Hinter ihr entschied die Italienerin Sofia Bertizzolo den Sprint des Feldes für sich, gefolgt von der Niederländerin Charlotte Kool.
Niedermaier verteidigt Führung
Die 20-jährige Antonia Niedermaier vom Team Canyon-SRAM Racing kam im Hauptfeld ins Ziel und verteidigte damit ihr Gelbes Trikot. Die Deutsche, die bereits die erste Etappe gewonnen hatte, führt die Gesamtwertung nun mit 15 Sekunden Vorsprung auf die Niederländerin Riejanne Markus an. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Form. Die Mannschaft hat wieder einen starken Job gemacht, um mich vorne zu halten", sagte Niedermaier.
Die gebürtige Oberbayerin, die 2023 Junioren-Weltmeisterin im Zeitfahren wurde, gilt als eines der größten Talente im deutschen Frauenradsport. Bei der diesjährigen Tour de France Femmes belegte sie den achten Platz in der Gesamtwertung. Nun peilt sie bei der Frauen-Tour ihren ersten Gesamtsieg in einem internationalen Etappenrennen an.
Spannung vor der Königsetappe
Vor der morgigen Königsetappe mit Bergankunft in Willingen bleibt das Klassement also eng. Neben Niedermaier und Markus haben auch die Schweizerin Elise Chabbey und die Französin Juliette Labous noch Chancen auf den Gesamtsieg. Die Etappe führt über 135 Kilometer und beinhaltet mehrere schwere Anstiege im Sauerland.
Die Frauen-Tour wird in diesem Jahr zum ersten Mal als Teil der UCI Women's WorldTour ausgetragen und lockt damit die besten Fahrerinnen der Welt an. Insgesamt sind 16 Teams am Start, darunter neun WorldTour-Teams. Die Rundfahrt endet am Sonntag mit einem Einzelzeitfahren in Stuttgart.
Haugset hingegen kann nach ihrem Etappensieg nun auf den Sprintklassement führen, wo sie nun mit 25 Punkten gleichauf mit der Deutschen Liane Lippert liegt. "Ich habe heute bewiesen, dass ich nicht nur sprinten kann. Das gibt mir viel Selbstvertrauen für die kommenden Rennen", so Haugset.



