Mathieu van der Poel hat die letzte Etappe der Tour de France gewonnen und damit den slowenischen Superstar Tadej Pogacar auf den letzten Metern noch besiegt. Pogacar aber feierte seinen fünften Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt und zog damit mit den Legenden Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleich.
Van der Poel triumphiert in Paris
Am letzten Anstieg der Tour, dem Montmartre-Hügel in Paris, forderte van der Poel Pogacar heraus. Bei der dritten Überquerung des Kopfsteinpflaster-Anstiegs, 10,7 Kilometer vor dem Ziel, attackierte der Niederländer mit voller Wucht. Pogacar war der Einzige, der seinem Hinterrad folgen konnte, doch auf den letzten 500 Metern ließ der Slowene nach. Die Sprinter kamen heran, van der Poel rettete sich mit wenigen Zentimetern Vorsprung ins Ziel. „Nicht einen Meter länger hätte diese Etappe dauern dürfen, dann wäre der Sieger ein anderer gewesen“, analysierte ein Kommentator.
Pogacar in der Geschichte der Radsport-Legenden
Mit fünf Toursiegen steht Pogacar nun auf einer Stufe mit den Größten. Er hat die Rundfahrt auf 3245 Kilometern von Barcelona nach Paris dominiert, fünf Etappen gewonnen und seinen Verfolger Remco Evenepoel um sechs Minuten distanziert. Seine herausragende Leistung zeigte er am Anstieg nach Alpe d'Huez, wo er den 31 Jahre alten Rekord von Marco Pantani pulverisierte: 35:26 Minuten für die 13,8 Kilometer bei einem Schnitt von über 23 km/h – 1:24 Minuten schneller als Pantani 1995. „Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg“, sagte Pogacar trocken.
Merckx sieht noch mehr Potenzial
Die Radsport-Legende Eddy Merckx zeigte sich beeindruckt. „Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen“, urteilte Merckx gegenüber der „Gazzetta dello Sport“. Pogacar selbst bleibt bescheiden: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an.“
Doping-Vorwürfe und Kontrollen
Die Dominanz des Slowenen wirft in der Doping-geplagten Sportart Fragen auf. Pogacar unterzieht sich regelmäßig Kontrollen, auch nachts. Eva Bunthoff von der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) sagte zuletzt: „Angesichts der langen Doping-Geschichte ist es eben auch so, dass ich als Sportler, wenn ich mich diesem strengen Kontrollsystem unterwerfe, sagen kann: Schaut her, ich bin sauber. Ich lasse mich jederzeit testen.“ Pogacar selbst äußerte sich dazu nicht direkt, zeigte aber Mitgefühl für seinen Rivalen Jonas Vingegaard, der nach einer nächtlichen Kontrolle schwer stürzte und aufgeben musste.
Die Zukunft der Tour
Mit 26 Tageserfolgen liegt Pogacar hinter Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28). Den 27. Etappensieg verpasste er in Paris knapp. Doch die nächste Generation drängt: Isaac del Toro, dem Pogacar auf der 2. Etappe den Sieg überließ, und Paul Seixas. „Pogacar ist ein Herrscher, aber kein Autokrat“, urteilte ein Experte. Ein Ende seiner Regentschaft scheint nicht in Sicht.



