Lorena Wiebes hat erneut zugeschlagen: Die niederländische Sprinterin gewann auch die zweite Massensprint-Etappe der Tour de France Femmes und feierte damit ihren bereits zweiten Tagessieg in dieser Austragung. Nach ihrem Auftaktsieg war dies die nächste Machtdemonstration. Die 25-Jährige vom Team SD Worx-Protime ließ der Konkurrenz im Ausgang einer perfekt eingefädelten Mannschaftsleistung keine Chance. Es war ein Triumph des Kollektivs.
Schon am Morgen hatten sich die Zuschauer entlang der Strecke versammelt, um die schnellsten Frauen der Welt zu sehen. Die Stimmung war fantastisch, und die Fahrerinnen zeigten von Beginn an, dass sie bereit waren für ein Rennen mit hohem Tempo. Zwar bildete sich eine Ausreißergruppe, doch die Anwesenheit von SD Worx-Protime an der Spitze des Feldes machte schnell klar, dass dieser Fluchtversuch nicht von Dauer sein würde.
Die perfekte Vorbereitung durch SD Worx-Protime
Die Mannschaft um Kapitänin Wiebes übernahm schon früh die Verantwortung. Kilometer um Kilometer wurde das Tempo hochgehalten, die Zeitabstände der Ausreißerinnen schmolzen dahin. Auf den letzten Kilometern war die Gruppe eingeholt, und das Team formierte sich zum Sprintzug. Mehrere Helferinnen reihten sich vor ihrer Anführerin ein und erhöhten das Tempo kontinuierlich. Eine wirklich beeindruckende Demonstration der Stärke.
Die letzten Meter waren dann ein einziges Spektakel: Die Helferinnen wechselten sich blitzschnell ab, hielten das Tempo hoch und positionierten Wiebes perfekt. Am Ende musste nur ein Rad aus dem Windschatten herausfahren – und das tat die Niederländerin mit einer enormen Explosivität. Keine ihrer Rivalinnen hatte dem etwas entgegenzusetzen. Wiebes fuhr förmlich davon und überquerte die Ziellinie mit einem komfortablen Vorsprung. Es war ein Abschluss mit Anspruch.
Punktwertung: Wiebes baut ihr Polster aus
Mit ihrem zweiten Etappensieg sammelte Wiebes erneut wichtige Zähler im Kampf um das Grüne Trikot. Die Punktewertung führt sie nun unangefochten an – vor allem, weil sie in den Zwischensprints ebenfalls regelmäßig punktet. Auch wenn die Konkurrenz sich dagegenstemmt, wirkt die Niederländerin derzeit unantastbar. Ihre Sprints sind von einer Klarheit geprägt, die nur wenige aufbringen.
Im Gesamtklassement blieb nach dem Tagessieg alles beim Alten. Die Favoritinnen auf den Gesamtsieg erreichten das Ziel im geschlossenen Feld, sodass das Gelbe Trikot keine Anfechtung erlebte. Die Unterschiede werden erst in den Bergen gemacht werden. Aber genau darauf sind die Teams der Klassementfahrerinnen vorbereitet.
Wiebes: Die Sprinterin mit besonderem Instinkt
Die Erfolge der 25-Jährigen sind kein Zufall. Wiebes hat über die Jahre hinweg einen herausragenden Sprint entwickelt, der auf einer perfekten Mischung aus Kraft, Timing und Übersicht beruht. Sie weiß genau, wann sie das Hinterrad ihrer Anfahrerin verlassen muss, und ihr Tritt ist auch unter höchstem Druck sauber. Mit ihrem Rennverstand hat sie sich in die Elite des Frauenradsports gespielt und ist mittlerweile das Maß aller Dinge.
Das Team SD Worx-Protime, das sie zu dieser Rolle geformt hat, profitiert enorm von ihrer Klasse. Die Mannschaft hat auf der Rundfahrt erneut ihre Vormachtstellung unter Beweis gestellt und mehrere Etappensiege eingefahren. Dieses Selbstverständnis überträgt sich auf die ganze Mannschaft. Die Gegnerinnen wissen oft nicht, wie sie diese Übermacht brechen sollen.
Ausblick: Jetzt kommen die Berge
Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. In den nächsten Tagen warten im Programm der Tour de France Femmes anspruchsvolle Bergfestungen, die für die Sprinterinnen zur Nagelprobe werden. Wiebes wird sich dort bestmöglich über die Runden bringen müssen, anstatt auf den nächsten Massensprint zu hoffen. Damit liegt die Führung im Grünen Trikot traditionell auf der Kippe, denn in den Gebirgsetappen gibt es ebenfalls Punkte.
Dennoch hat die Niederländerin gezeigt, dass sie nicht nur sprinten kann. Ihre Ausdauerwerte sind verbessert, und sie ist mental stark. Die kommenden Bergetappen werden zeigen, ob sie ihr Trikot verteidigen kann oder ob es eine Wachablösung im Sprintklassement geben wird. Experten wagen die Prognose, dass es ein enges Rennen bleibt, denn die Tour ist noch lange nicht entschieden.
Im Zielbereich ließ sich die Siegerin ausgiebig feiern. Ihre Teamkolleginnen fielen sich in die Arme – der Sieg war eine kollektive Bestätigung der eigenen Stärke.



