Abwahl mit knappster Mehrheit
Johan Eliasch, eine der umstrittensten Figuren im Wintersport, ist als Präsident des Ski- und Snowboard-Weltverbands Fis abgewählt worden. Die Entscheidung fiel beim Fis-Kongress in Belgrad mit nur einer Stimme Unterschied: 64 Stimmen für Eliasch, 65 für seinen Herausforderer Alexander Ospelt aus Liechtenstein. Der Milliardär Eliasch hatte sich für eine mögliche weitere Amtszeit sogar kurzfristig die georgische Staatsbürgerschaft beschafft, nachdem ihn seine Heimatverbände Schweden und Großbritannien nicht mehr unterstützten.
DSV zeigt sich erleichtert
Der Deutsche Skiverband (DSV) reagierte mit großer Erleichterung auf das Ergebnis. „Dieser jahrelange Alptraum ist vorbei. Mit nur einer Stimme Vorsprung – knapper hätte es kaum sein können“, sagte Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation beim DSV, der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte, dass der knappe Ausgang zeige, „wie viel auf dem Spiel stand und wie hart in den vergangenen Wochen und Monaten für diesen Wechsel gearbeitet wurde“. Der DSV hoffe nun, dass die Fis „wieder zu dem wird, was sie einmal war: ein Vorzeigeverband, der seinen Mitgliedern dient, ihre Interessen ernst nimmt und den Sport in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt“.
Kritik an Eliaschs Führungsstil
Eliasch, ein schwedisch-britischer Multimilliardär und Chef des Sportartikelherstellers Head, war 2021 mit dem Versprechen von Reformen angetreten. Doch schnell geriet er in die Kritik: Sein Führungsstil wurde als autokratisch bezeichnet, Athleten wie Mikaela Shiffrin, Marco Odermatt und Lucas Pinheiro Braathen warfen ihm mangelnde Transparenz und Egoismus vor. Auch die mutmaßlich schlechte Finanzlage des Verbandes wurde ihm angelastet. 2022 war Eliasch noch ohne Gegenkandidaten wiedergewählt worden, doch der Widerstand wuchs.
Eliasch wehrt sich und attackiert IOC
Nach der Niederlage zeigte sich Eliasch kämpferisch: „Ich habe immer gesagt, dass dies für mich eine Win-win-Situation sein würde, denn entweder bekomme ich mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl.“ Gleichzeitig erhob er schwere Vorwürfe gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC). Er habe von vielen gehört, dass das IOC versucht habe, das Ergebnis der Wahl zu beeinflussen. „Dagegen müssen wir standhaft bleiben, denn wir sind eine unabhängige Organisation“, erklärte Eliasch.
Hoffnung auf schnelle Entscheidung bei WM-Vergabe
Der DSV erwartet nun auch Fortschritte in der Causa Oberstdorf. Die Entscheidung, ob der Ort 2031 die Weltmeisterschaften im Skispringen, Langlauf und in der Nordischen Kombination ausrichten darf, war überraschend vertagt worden, was für Unmut sorgte. „Wir hoffen, dass nun auch möglichst schnell Klarheit geschaffen wird“, sagte Schwarzbach. Die Art und Weise, wie versucht wurde, Einfluss auf den Entscheidungsprozess zu nehmen, habe viele irritiert und könnte am Ende dazu beigetragen haben, dass der Wunsch nach einem Wechsel eine Mehrheit fand.
Neuanfang für die Fis
Für den DSV ist die Abwahl Eliaschs „kein Tag des Triumphs über andere“, sondern „ein Tag der Erleichterung und ein Tag der Zuversicht“. Die vergangenen Jahre seien „Jahre des Stillstands, in manchen Bereichen sogar des Rückschritts“ gewesen. „Und wir werden die Folgen dieser Zeit sicherlich noch eine Weile spüren“, so Schwarzbach. Mit dem neuen Präsidenten Alexander Ospelt setzt der Verband nun auf einen echten Neuanfang.



