Apple hat die App des Messaging-Dienstes Telegram für wenige Stunden aus seinem App Store entfernt. Grund war ein einzelner Nutzer, der auf Telegram „Material über sexuellen Kindesmissbrauch“ geteilt haben soll. Nachdem Telegram die Inhalte gelöscht und den Nutzer gesperrt hatte, ließ Apple die App wieder zu. Bestehende Nutzer waren von dem Vorfall nicht betroffen.
Apples Schritt und die Begründung
Ein Apple-Sprecher bestätigte die kurzzeitige Entfernung und erklärte, bei der Überprüfung seien Inhalte gefunden worden, die gegen die Richtlinien zum Verbot von Material über Kindesmissbrauch verstießen. „Die App wurde anschließend wieder freigeschaltet, nachdem der Entwickler die Inhalte umgehend entfernt und den Nutzer, der sie gepostet hatte, gesperrt hatte“, sagte der Sprecher. Apple äußert sich normalerweise nicht detailliert zu App-Entfernungen, was diesen Fall besonders macht.
Telegram reagiert mit Spott
Telegram reagierte auf der Plattform X mit mehreren sarkastischen Beiträgen. Zunächst postete das Unternehmen: „Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben“ mit einem Apfel-Emoji. In einem weiteren Beitrag hieß es: „Ich bin mir sicher, dass diese Haltung in Zukunft auch auf alle anderen Apps im Store gleichermaßen angewendet wird, oder, Apple?“ Dies spielt auf Kritik an, dass Apple seine Regeln nicht konsequent durchsetzt.
Hintergrund: Kritik an Telegram
Telegram wird immer wieder vorgeworfen, nicht genug gegen kriminelle und extremistische Inhalte zu unternehmen. 2024 warf die Pariser Staatsanwaltschaft dem Gründer Pawel Durow Beihilfe zur organisierten Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen und Drogenhandel vor. Durow wurde in Frankreich festgenommen und durfte das Land erst nach über einem Jahr verlassen. Im April 2026 leitete die britische Regulierungsbehörde Ofcom eine Untersuchung gegen Telegram ein. Telegram wies die Vorwürfe „kategorisch“ zurück und verwies auf Erkennungsalgorithmen, die seit 2018 die Verbreitung solcher Inhalte „praktisch unterbunden“ hätten.
Telegrams eigene Zahlen
Telegram betont, dass allein in diesem Jahr fast 338.000 Gruppen und Kanäle wegen Kindesmissbrauchs gesperrt wurden. Eine Anfrage des SPIEGEL zur temporären Sperrung ließ Telegram zunächst unbeantwortet.



