Airbus bereitet sich auf den spektakulärsten Testflug des Jahres vor: Am 24. Juli soll ein Airbus A350-1000ULR nonstop von Toulouse in Frankreich nach Melbourne in Australien fliegen. Die Strecke beträgt fast 17.000 Kilometer, die Flugzeit rund 22 Stunden. Dies bestätigte Airbus dem Portal „Executive Traveller“. Der Flug ist ein zentraler Härtetest für das milliardenschwere Qantas-Projekt „Sunrise“, das ab Oktober 2027 Nonstop-Flüge von Australien nach Europa und Nordamerika ermöglichen soll.
Qantas-Projekt Sunrise: Nonstop von Sydney nach London
Seit 2017 verfolgt die australische Fluggesellschaft Qantas das Ziel, Direktflüge von Australien nach Europa und Nordamerika ohne Zwischenstopp anzubieten. Der Testflug soll beweisen, ob ein Verkehrsflugzeug tatsächlich fast einen gesamten Tag in der Luft bleiben kann. Wenn alles nach Plan läuft, sollen ab Oktober 2027 Passagiere erstmals nonstop von Sydney nach London oder New York fliegen können. Qantas hat bereits zwölf Maschinen des Typs A350-1000ULR bestellt.
Technische Modifikationen für die Ultralangstrecke
Der A350-1000ULR (ULR steht für Ultra Long Range) erhält entscheidende Umbauten: einen zusätzlichen 20.000-Liter-Tank im Heck, ein modifiziertes Treibstoffsystem und eine neue Kühlung für die Bordküche. Dadurch steigt die maximale Reichweite auf rund 18.000 Kilometer. Der Testflug nach Melbourne soll etwa 17.000 Kilometer dieser Reichweite ausschöpfen. Zum Vergleich: Die Strecke Frankfurt–New York beträgt rund 6.200 Kilometer, Frankfurt–Singapur rund 10.300 Kilometer. Die EU-Agentur für Flugsicherheit EASA muss die neue Variante erst zertifizieren, bevor sie abheben darf.
Testflug mit Forschungslabor an Bord
Für den Testflug wird der Airbus zu einem fliegenden Forschungslabor umgerüstet. Rund fünf Tonnen Messausrüstung sind an Bord, darunter mehr als 1.000 Sensoren, kilometerlange Messkabel und spezielle Überwachungsstationen. Gemessen werden unter anderem Treibstoffverbrauch, Druckverhältnisse, Temperatur, Belüftung und die Belastung der Flugzeugstruktur in allen Flugphasen. Besonders wichtig sind die Daten des neuen Zusatztanks, dessen Treibstofffluss, Temperatur und Sauerstoffkonzentration permanent überwacht werden.
Anstelle von Passagieren sind sogenannte „Heat Dummies“ an Bord – künstliche Passagiere, die dieselbe Wärme abgeben wie echte Menschen. So können Ingenieure prüfen, ob Klimaanlage und Belüftung auch nach vielen Stunden Flugzeit zuverlässig funktionieren. Die Testmaschine mit der Kennung MSN707 wird später bei Qantas in den Liniendienst gehen. Sie wird mit sechs First-Class-Suiten, 52 Business-Class-Suiten, 40 Premium-Economy- und 140 Economy-Sitzen ausgestattet. Für die extrem langen Flüge ist zudem eine sogenannte Wellbeing-Zone vorgesehen, in der Passagiere aufstehen, sich dehnen und bewegen können.



