Hacker stehlen Daten aus Anti-Geldwäsche-Register in Liechtenstein
Hacker stehlen Daten aus Liechtensteins Geldwäsche-Register

In der Nacht auf den 30. Juli haben sich Unbekannte widerrechtlich Zugriff auf das digitale Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen in Liechtenstein verschafft. Das gab die Regierung des Fürstentums am Sonntagabend bekannt. Nach vorläufigen Erkenntnissen wurden dabei persönliche Daten von rund 31.000 Unternehmen und Organisationen abgerufen.

Register zur Bekämpfung von Geldwäsche

Das Verzeichnis wird von der Regierung seit 2021 geführt, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Es enthält Namen und Details von Personen, die hinter Firmen, Stiftungen oder Treuhänderschaften stehen. Diese sogenannten wirtschaftlich Berechtigten sind diejenigen, die letztlich die Kontrolle über die jeweilige Konstruktion ausüben – auch wenn sie formell nicht als Eigentümer auftreten.

Genau diese Informationen gelten als besonders sensibel. Sie könnten offenlegen, wer hinter den großen Vermögen steckt, die in Liechtenstein über Jahrzehnte geparkt wurden. Das Fürstentum steht seit Jahren in dem Ruf, dass Reiche und Mächtige dort Stiftungen oder Treuhandkonstruktionen nutzen, um ihre Vermögen zu verschleiern oder Besitzverhältnisse privat zu halten.

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Reformbemühungen und internationaler Druck

Die Regierung verweist angesichts der Kritik auf zahlreiche Reformen im Kampf gegen das Image als Steueroase. Erst 2017 wurde das Bankgeheimnis in Steuerangelegenheiten aufgehoben. Mit der Einführung des Registers im Jahr 2021 wollte sich Liechtenstein internationalen Transparenzstandards annähern und den Finanzplatz legitimieren.

Der Finanz- und Bankensektor gehört zu den erfolgreichsten Wirtschaftszweigen des Landes. Liechtenstein ist mit rund 41.000 Einwohnern und einer Fläche von 160 Quadratkilometern einer der kleinsten Staaten der Welt, liegt zwischen der Schweiz und Österreich und zählt gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den vermögendsten Ländern.

Erpressungspotential und ungeklärte Täterschaft

Für die Angreifer könnten die gestohlenen Daten erhebliches Erpressungspotential bieten. Informationen über wirtschaftliche Eigentümer sind nicht nur für Ermittlungsbehörden wertvoll, sondern auch für Personen, die finanzielle oder politische Vorteile erlangen möchten. Wer hinter der Attacke steckt und mit welchem Ziel sie durchgeführt wurde, ist bislang vollkommen unklar.

Die Regierung erklärte, der Schutz personenbezogener Daten sei durch den Angriff verletzt worden. Es lägen derzeit keine Hinweise darauf vor, dass Daten im System verändert oder gelöscht wurden, hieß es aus Vaduz. Offenbar handelt es sich also um eine reine Datenausleitung, nicht um eine Manipulation des Registers.

Krisenstab unter Leitung der Regierungschefin

Als Reaktion auf den Vorfall hat die Regierung einen Krisenstab einberufen. Geleitet wird dieser von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler. Die beiden sollen die Aufklärung koordinieren und die Kommunikation mit den Betroffenen sicherstellen.

Betroffene Personen sollen so schnell wie möglich informiert werden. Nach Angaben der Regierung wird außerdem eine zentrale Informationsstelle eingerichtet, bei der sich Betroffene mit Fragen melden können. Die Regierung kündigte an, über weitere Entwicklungen zu informieren.

Sensible Daten am Finanzplatz Vaduz

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheit staatlicher IT-Systeme in Liechtenstein. Das Land hat sich in den vergangenen Jahren intensiv bemüht, seinen Ruf als seriöser Finanzplatz zu festigen. Der Angriff auf das Anti-Geldwäsche-Register trifft ausgerechnet eine Einrichtung, die genau zu diesem Zweck geschaffen wurde.

Wer hinter der Attacke steckt, bleibt zunächst unklar. Die Ermittlungen laufen. Für die rund 31.000 betroffenen Unternehmen und Organisationen bedeutet der Vorfall zunächst einmal Ungewissheit – und die Notwendigkeit, die eigenen Daten zu überprüfen.

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