Klimaanlage im E-Auto: So gering ist der Reichweitenverlust wirklich
Klimaanlage im E-Auto: Geringer Reichweitenverlust

Die Klimaanlage eines Elektroautos reduziert die Reichweite weit weniger, als viele Fahrer annehmen. Selbst bei extremer Hitze ist es kaum sinnvoll, aus Stromspargründen auf Kühlung zu verzichten. Der Komfortgewinn durch die Klimatisierung ist hoch, die Einbuße bei der Reichweite jedoch in der Regel gering.

Verbrauchswerte im Detail

Genaue Verbrauchszahlen lassen sich nicht pauschal angeben, da sie von mehreren Faktoren abhängen: Außentemperatur, gewünschte Innenraumtemperatur, Fahrzeuggröße, Verglasung sowie Zustand und Technik der Klimaanlage. Als grober Richtwert gilt: Bei 25 Grad Celsius Außentemperatur und 20 Grad Innenraumtemperatur benötigt die Kühlung etwa 0,5 bis 1 Kilowattstunde (kWh) zusätzlich pro 100 Kilometer. Steigt die Außentemperatur auf über 30 Grad, sind es rund 1 bis 2 kWh pro 100 Kilometer.

Praxisbeispiel: Hyundai Ioniq 5

Der Energieversorger EnBW hat die Auswirkungen am Beispiel eines Hyundai Ioniq 5 mit einem Normverbrauch von 16 kWh/100 km untersucht. Bei moderatem Kühlbedarf beträgt die Reichweiten-Einbuße demnach rund drei Kilometer pro 100 Kilometer Fahrstrecke. Bei starker Hitze sind es etwa elf Kilometer. Die maximale Reichweite des Crossovers sinkt dann von 570 Kilometern (Normwert) auf rund 507 Kilometer.

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Tipps zum Energiesparen

Wer trotzdem beim Kühlen Energie sparen möchte, kann im Stadtverkehr die ersten Minuten mit geöffneten Fenstern fahren. Der zusätzliche Luftwiderstand ist dabei gering. Mit steigender Geschwindigkeit sollten die Fenster jedoch geschlossen werden. Spätestens ab etwa 70 km/h ist die Klimaanlage effizienter, da offene Seitenscheiben den Luftwiderstand deutlich erhöhen. Gleiches gilt für ein geöffnetes Schiebedach.

ADAC-Versuch: Sommerstau ohne Sorgen

Der ADAC führte bereits 2024 einen Versuch durch, um die Auswirkungen eines Sommerstaus auf ein Elektroauto zu testen. Dino Silvestro, Leiter des Fahrzeugversuchs im ADAC Technikzentrum Landsberg, stellte ein Tesla Model Y für acht Stunden bei 35 Grad Celsius und steigender Sonnenintensität in eine Hitzekammer. Ein Proband saß im Fahrzeug, die Klimaanlage lief bei 21 Grad, und das Infotainment war eingeschaltet.

„Dabei hat das Auto im Stand 1,5 Kilowattstunden pro Stunde verbraucht und der Akku so über den gesamten Versuch um 12 kWh oder 16 Prozentpunkte verloren“, so Silvestro. „Wir haben den Tesla mit 60 Prozent abgestellt und nach dem simulierten Stau mit 44 wieder herausgeholt, sodass die Weiterfahrt problemlos möglich war.“ Er könne sich keinen Sommerstau vorstellen, der ein Elektroauto tatsächlich in die Knie zwingen würde.

Vergleich mit Verbrennern

Zum Vergleich: Ein Verbrenner hätte im selben Szenario pro Stunde 0,8 bis 1,5 Liter Kraftstoff verbraucht, insgesamt also 6,4 bis 12 Liter. Dies entspricht einem Energieäquivalent von bis zu über 100 kWh, wie Silvestro anmerkt. Elektroautos erweisen sich damit auch im Stau als effizienter.

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