Die EU-Kommission hat der Videoplattform TikTok vorgeworfen, nicht ausreichend für den Schutz minderjähriger Nutzer zu sorgen. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung forderte die Brüsseler Behörde das Unternehmen auf, die Standardeinstellungen für Minderjährige grundlegend zu ändern. Andernfalls drohe eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Kritik an öffentlichen Konten und Auffindbarkeit
Nach Ansicht der EU-Kommission setzen die derzeitigen Kontoeinstellungen für Minderjährige diese weiterhin Risiken wie „unerwünschte Kontaktaufnahmen, Cybermobbing oder ausbeuterisches Verhalten“ aus. Die Behörde kritisiert insbesondere, dass Minderjährige bei TikTok die Wahl haben, ihre Nutzerkonten „öffentlich“ zu schalten. Dadurch können auch Internetnutzer ohne TikTok-Konto auf die Inhalte zugreifen. Dies könne zu ungewollten Kontaktaufnahmen durch potenzielle Täter führen oder dazu, dass Inhalte für Cybermobbing genutzt würden, so die Argumentation der Kommission.
Selbst wenn die „Privat“-Einstellung gewählt werde, könnten Minderjährige leicht über die „Folge ich“-Listen anderer Nutzer gefunden werden. Auch die Profilfotos blieben für alle Welt sichtbar, heißt es in der Erklärung.
Forderungen der EU-Kommission
Brüssel fordert TikTok auf, die Standardeinstellungen der „öffentlichen“ Konten von Minderjährigen so anzupassen, dass die Inhalte standardmäßig nur für TikTok-Nutzer sichtbar sind, die von den Minderjährigen als Follower akzeptiert wurden. Ältere Minderjährige könnten zwar die Möglichkeit haben, ihre Inhalte mit einem größeren Publikum auf der Plattform zu teilen, doch dürften diese Inhalte „unter keinen Umständen“ für ein Publikum außerhalb der Plattform zugänglich sein. Darüber hinaus sollte TikTok davon absehen, Inhalte von Minderjährigen anderen Nutzern zu empfehlen.
Hintergrund der Untersuchung
Bei dem Statement handelt es sich um vorläufige Ergebnisse einer im Februar 2024 begonnenen Untersuchung unter dem EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA). Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dies eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes von TikTok zur Folge haben. TikTok ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Laut Unternehmensangaben hatte TikTok Ende 2025 rund 178 Millionen aktive Nutzer innerhalb der EU.
Reaktion von TikTok
Ein TikTok-Sprecher erklärte, dass Konten von Jugendlichen über mehr als 50 voreingestellte Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen verfügten. „Wir werden diese vorläufigen Ergebnisse prüfen, während wir weiterhin konstruktiv mit der EU zusammenarbeiten“, fügte er hinzu. Bereits im Februar kritisierte die EU-Kommission das Suchtpotenzial von TikTok und forderte das Unternehmen auf, „das grundlegende Design seines Dienstes“ zu ändern.



