Viele Menschen in Deutschland fürchten, dass Künstliche Intelligenz (KI) ihnen bald den Arbeitsplatz nimmt. Doch der Experte für Automatisierungstechnik und KI, Ralf Otte, zeigt in einem Gastkommentar auf, dass es neun Tätigkeitsbereiche gibt, in denen dies garantiert nicht passieren wird. Otte, Professor an der Technischen Hochschule Ulm und seit über 30 Jahren in der KI-Forschung tätig, prognostiziert zudem, dass die Hälfte der aktuellen KI-Projekte in Unternehmen scheitern wird.
Analoge Tätigkeiten: Nicht digitalisierbar
Der erste Bereich umfasst analoge Tätigkeiten, die sich nicht digitalisieren lassen. „Kein Handwerker muss sich vor KI fürchten“, betont Otte. Ein humanoider Elektriker werde in absehbarer Zukunft nicht vor der Tür stehen. Die physische Arbeit in Handwerk und Industrie bleibt demnach fest in menschlicher Hand.
Analoge Tätigkeiten mit Digitalisierungspotenzial
Im zweiten Bereich nennt Otte analoge Tätigkeiten, die zwar digitalisierbar wären, aber weiterhin auf zwischenmenschlichen Kontakt angewiesen sind. Beispielsweise der Verkauf erklärungsbedürftiger Dienstleistungen: „Hier kommt es auf persönliche Beratung an, die KI nicht leisten kann.“ Auch der Einkauf bestimmter Produkte könne zwar digitalisiert werden, doch der menschliche Faktor bleibe entscheidend.
Mangel an Lerndaten für KI
Der dritte Bereich betrifft Tätigkeiten mit einem Mangel an Lerndaten. KI lernt auf Basis von Daten – fehlen diese, ist sie nicht einsetzbar. „Menschen, die Ursachen für seltene Vorfälle wie Explosionen untersuchen, können durch KI nicht ersetzt werden“, erklärt Otte. Die Analyse von Einzelfällen bleibe menschliche Domäne.
KI versteht Bedeutung nicht
Im vierten Bereich weist Otte darauf hin, dass KI die Bedeutung von Wörtern nicht wirklich versteht. „KI arbeitet mit statistischen Mustern, nicht mit semantischem Verständnis“, so der Experte. Tätigkeiten, die tiefes Sprachverständnis erfordern, wie etwa literarische Übersetzungen oder juristische Auslegungen, sind daher sicher.
Weitere Bereiche: Extrapolation und Kreativität
Die weiteren fünf Bereiche umfassen unter anderem Tätigkeiten im Extrapolationsraum, wo KI aufgrund fehlender Daten oder Kontextes versagt. Auch kreative Prozesse, die echte Innovation erfordern, ethische Entscheidungen, komplexe Problemlösungen in dynamischen Umgebungen und Führungsaufgaben mit emotionaler Intelligenz bleiben laut Otte menschliche Stärken.
Otte abschließend: „KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber es gibt Grenzen. Unternehmen, die dies ignorieren, werden mit ihren Projekten scheitern. Die Hälfte aller KI-Vorhaben wird aus diesem Grund nicht den gewünschten Erfolg bringen.“



