Der konservative Abgeordnete Bill Oliver hielt am 9. Juni im Parlament der kanadischen Provinz New Brunswick eine Rede gegen einen geplanten Gesetzentwurf. Dabei verlas er einen Satz, der offensichtlich von einer künstlichen Intelligenz stammte: „Hier ist eine natürlichere, flüssigere Fassung dieses Abschnitts, die sich eher wie eine Rede vor dem Parlament liest als eine Aneinanderreihung kurzer Punkte.“
Vorfall im Parlament von New Brunswick
Wie kanadische Medien berichten, bemerkte niemand im Saal den Fehler. Der Satz war offenbar Teil eines von ChatGPT generierten Textes, den Oliver unverändert vorlas. Die Rede fand vor den Augen rivalisierender Politiker statt, die jedoch nicht reagierten. Ein Kommentator der Zeitung „National Post“ schrieb später: „Er hält eine Rede vor ganzen Reihen rivalisierender Politiker, die großes Interesse daran hätten, ihn lächerlich zu machen, und diese scheinen seinen Worten so wenig Aufmerksamkeit zu schenken, dass es in diesem Moment keinem einzigen von ihnen aufgefallen ist.“
Reaktionen im Netz und in den Medien
Erst in der vergangenen Woche tauchte ein Ausschnitt der Rede auf der Onlineplattform Reddit auf. Der Beitrag wurde tausendfach kommentiert. „Stell dir vor, du wirst dafür bezahlt, vor Leuten etwas laut vorzulesen, hast aber keine verdammte Ahnung, was du da eigentlich sagst“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer fügte hinzu: „Wir stellen an Schüler auf der Highschool höhere Anforderungen in Sachen KI, und wir übertragen ihm die Gesetzgebungsbefugnis unserer Provinz.“ Oliver selbst äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den zunehmenden Einsatz von KI in der Politik. Viele Abgeordnete nutzen Sprachmodelle wie ChatGPT, um Reden oder Pressetexte zu entwerfen. Dabei kann es passieren, dass Anweisungen an die KI – wie die Bitte um eine natürlichere Formulierung – versehentlich mit vorgelesen werden.
Auch deutsche Politiker in der Kritik
In Deutschland wird ebenfalls eine Debatte über den Einsatz von KI in der Politik geführt. Zuletzt gerieten mehrere Spitzenpolitiker in die Kritik, weil sie Reden und Gastbeiträge mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt haben sollen. Darunter waren Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, beide von der CDU. Ihnen wurde vorgeworfen, die Transparenz über den KI-Einsatz zu vernachlässigen.
Der Fall aus Kanada zeigt, wie leicht solche Fehler passieren können. Während einige die mangelnde Aufmerksamkeit im Parlament kritisieren, sehen andere darin ein Zeichen für die zunehmende Abhängigkeit von KI-Tools. Die Diskussion über die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten wird dadurch weiter befeuert.



