U6-Baustelle in Berlin-Tegel: BVG nennt neuen Fertigstellungstermin
U6-Baustelle in Tegel: BVG nennt neuen Termin

Der Nordabschnitt der Berliner U-Bahn-Linie U6 bleibt länger gesperrt als geplant. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben einen neuen Fertigstellungstermin für die Sanierungsarbeiten zwischen den Stationen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel genannt. Demnach soll die Strecke nun im Sommer 2027 wieder in Betrieb gehen – statt wie ursprünglich vorgesehen im Frühjahr 2026. Die Verzögerung beträgt damit rund 15 Monate.

Seit November 2022: Schienenersatzverkehr auf der U6

Seit dem 7. November 2022 fahren auf dem betroffenen Abschnitt keine Züge mehr. Die BVG erneuert dort Gleise, Weichen und Signaltechnik. Ursprünglich war die Wiedereröffnung für Ende 2025 angepeilt, später dann für Frühjahr 2026. Nun verschiebt sich der Termin erneut. Die Bauarbeiten sind komplexer als erwartet, zudem gab es Engpässe bei Materiallieferungen und Fachpersonal.

„Wir haben die Bauzeit noch einmal kritisch überprüft und müssen leider mit einer weiteren Verzögerung rechnen. Die Sicherheit der Fahrgäste hat für uns oberste Priorität“, erklärte ein Sprecher der BVG. „Die neuen Termine sind ambitioniert, aber realistisch.“

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Mehrkosten in Millionenhöhe

Die Verlängerung der Bauzeit wird auch finanziell spürbar. Nach BVG-Angaben steigen die Kosten für das Projekt um rund 20 Prozent auf voraussichtlich 180 Millionen Euro. Ursprünglich waren 150 Millionen Euro veranschlagt. Die zusätzlichen Mittel stammen aus dem Landeshaushalt und EU-Fördertöpfen.

Für Pendler bedeutet die Verlängerung eine weitere Geduldsprobe. Täglich nutzen rund 40.000 Fahrgäste den nördlichen U6-Abschnitt. Während der Bauphase müssen sie auf Busse umsteigen, die die Haltestellen im 5-Minuten-Takt anfahren. „Die Umsteigesituation ist für viele Fahrgäste belastend, das ist uns bewusst. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Einschränkungen so kurz wie möglich zu halten“, so der BVG-Sprecher.

Hintergrund: Warum die Sanierung nötig ist

Die U6 ist eine der ältesten U-Bahn-Linien Berlins, der Nordabschnitt stammt aus den 1950er Jahren. Die Gleise und die Signaltechnik waren stark verschlissen. Eine Grundsanierung sei unumgänglich, um den Betrieb langfristig sicherzustellen, betont die BVG. „Die Strecke ist ein Nadelöhr für den öffentlichen Nahverkehr im Berliner Norden.“

Die Arbeiten umfassen den Austausch von rund 4,5 Kilometern Gleis, die Erneuerung von 12 Weichen sowie die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik. Zudem werden die Bahnsteige der Stationen alt-Tegel und Kurt-Schumacher-Platz barrierefrei ausgebaut.

Reaktionen aus der Politik

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, kritisierte die erneute Verzögerung scharf: „Die BVG hat wiederholt falsche Versprechungen gemacht. Das Vertrauen der Fahrgäste wird schwer beschädigt. Der Senat muss endlich für verlässliche Zeitpläne sorgen.“ Die Grünen forderten eine transparente Aufklärung der Verzögerungsgründe.

Der Bezirksbürgermeister von Reinickendorf, Frank Balzer (CDU), zeigte sich verärgert: „Die Anwohner und Pendler in Tegel werden seit Jahren hingehalten. Die Baustelle ist eine Zumutung für den Stadtteil.“ Er forderte eine Kompensation für die betroffenen Fahrgäste, etwa durch günstigere Tickets während der Bauzeit.

Die BVG wies die Kritik zurück und verwies auf unvorhersehbare Herausforderungen: „Wir verstehen den Unmut, aber bei so einer komplexen Baustelle lassen sich Verzögerungen nie ganz ausschließen. Unser Fokus liegt darauf, die Arbeiten nun zügig und nachhaltig abzuschließen.“

Ausblick: Fahrgäste müssen sich bis 2027 gedulden

Wenn der neue Zeitplan hält, sollen die U-Bahnen im Sommer 2027 wieder auf der gesamten Strecke rollen. Die BVG kündigte an, rechtzeitig vor der Wiedereröffnung einen genauen Termin zu nennen. Bis dahin bleibt der Schienenersatzverkehr bestehen. Die Busse verkehren zwischen den Stationen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel sowie als Expressverbindung zum Flughafen Tegel, der allerdings seit 2020 geschlossen ist.

Für die rund 40.000 täglichen Nutzer der U6 bedeutet das: noch mindestens ein weiteres Jahr mit Umsteigen und längeren Fahrzeiten. Die BVG appelliert an das Verständnis der Fahrgäste und verspricht, die Baustelle so effizient wie möglich zu bewältigen.

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