Deutschland und Europa verfügen 2026 über mehr Wissen über die Welt, ihre Dynamiken und mögliche Zukünfte als je zuvor. Doch trotz dieser Informationsfülle überwiegen Skepsis und Verunsicherung. Zukunft erscheint vielen nicht mehr als gestaltbarer Möglichkeitsraum, sondern als Abfolge sich überlagernder Krisen, deren Dynamik kaum noch zu beeinflussen ist. Dieses Ungleichgewicht – reich an Problembeschreibungen, arm an positiven Zielbildern – untergräbt die kollektive Selbstwirksamkeit. Wer davon ausgeht, dass Entwicklungen ohnehin zum Schlechteren führen, ist kaum bereit, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten.
Ein Perspektivwechsel ist notwendig
Was es braucht, ist ein gemeinsamer Perspektivwechsel: weg von der Frage „Was können wir gerade so verhindern?“ hin zu „Was wollen wir wie unter veränderten Bedingungen gemeinsam erreichen?“. Diese Umkehr der Fragestellung könnte den Blick auf Chancen und Lösungen lenken, statt auf Bedrohungen und Risiken. Die Autoren Nadine Schön, geschäftsführende Vorständin bei Govtech Deutschland und Fellow of Practice am TUM Think Tank, sowie Robert Peters, Direktor des Instituts für Innovation und Technik (iit), betonen in ihrem Gastkommentar, dass dieser Wandel dringend erforderlich ist.
Mehr Zukunftskompetenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Um diese Perspektive einzunehmen, braucht es mehr Zukunftskompetenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Kompetenz umfasst die Fähigkeit, mögliche Entwicklungen und Lösungsansätze systematisch durchzudenken, Chancen frühzeitig zu erkennen und gemeinsame Zukunftsbilder zu entwerfen. Nur so können kollektive Anstrengungen gebündelt und positive Veränderungen angestoßen werden. Die Autoren fordern, Zukunft systematisch zu gestalten, statt nur Krisen zu verwalten.
Die Rolle von positiven Zielbildern
Ein zentraler Punkt ist die Schaffung positiver Zielbilder. Diese könnten als Leitplanken für politische Entscheidungen und gesellschaftliches Handeln dienen. Ohne klare Vorstellungen davon, was erreicht werden soll, fehlt die Motivation, sich für Veränderungen einzusetzen. Die Autoren argumentieren, dass eine Überbetonung negativer Zukunftserwartungen lähmend wirkt und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung sinkt.
Konsequenzen für Europa
Für Europa bedeutet dies, dass die Fähigkeit, Zukunft aktiv zu gestalten, entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und den Zusammenhalt ist. Die EU steht vor zahlreichen Herausforderungen, von der digitalen Transformation bis zum Klimawandel. Ohne eine positive Vision, die über Krisenmanagement hinausgeht, riskiert Europa, in einer defensiven Haltung zu verharren. Die Autoren plädieren dafür, die Potenziale der Mitgliedstaaten zu bündeln und gemeinsame Zukunftsstrategien zu entwickeln.
Fazit: Zukunftskompetenz als Schlüssel
Zukunftskompetenz ist der Schlüssel, um die gegenwärtige Verunsicherung zu überwinden und Chancen zu nutzen. Sie ermöglicht es, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und proaktiv zu handeln. Die Autoren sind überzeugt, dass Deutschland und Europa mit mehr Zukunftskompetenz ihre Rolle als Gestalter der Zukunft einnehmen können, statt nur auf Krisen zu reagieren. Der Appell ist klar: Wir müssen Zukunft systematisch gestalten – statt nur Krisen zu verwalten.



