Ein vermeintlicher Facharzt, großzügige Praxisräume und ein Kostenvoranschlag über 4700 Euro – für Alexander Wolkers klang alles nach einer seriösen Haartransplantation. Doch die Ärztin, die ihn behandelte, existierte nicht. Der Fall aus Berlin zeigt, wie illegale Kliniken in Deutschland Tausende Patienten täuschen.
Der Fall Alexander Wolkers: Eine scheinbar seriöse Praxis
Im Juni 2024 vereinbarte Wolkers einen Beratungstermin in einer Berliner Praxis, die ihm ein Bekannter empfohlen hatte. Auf der Website der Praxis war von „erfahrenen Fachärzten“ die Rede. Bei dem Termin präsentierte sich das Umfeld als professionell: großzügige Räume, eine angenehme Atmosphäre, ein Arzt, der den Eingriff erklärte, den Kopf untersuchte und Fotos machte. „Ich erinnere mich an großzügige Praxisräume und eine angenehme Atmosphäre“, sagt Wolkers. Sein Gegenüber schien ein Arzt zu sein, er fragte nicht nach.
Wenige Tage später erhielt er den Kostenvoranschlag: 4700 Euro für „bis zu 3100 Haarfollikel“ zur Eigenhaartransplantation, abgerechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte, Ziffer 744. Wolkers hielt das für ein vernünftiges Angebot und vereinbarte einen Termin. Am 13. September 2024, zwei Tage nach der Transplantation, stellte er Anzeige bei der Polizei Berlin – obwohl die Behandlung zufriedenstellend verlaufen war. Sein Vorwurf: Betrug.
Der Schwarzmarkt für Haartransplantationen in Deutschland
Der Fall Wolkers ist kein Einzelfall. In Deutschland hat sich ein undurchsichtiger Schwarzmarkt für Haartransplantationen entwickelt, auf dem unseriöse Anbieter mit gefälschten Qualifikationen und Scheinpraxen agieren. Laut Schätzungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft werden jährlich mehrere Tausend Eingriffe durchgeführt, ein wachsender Teil davon in nicht lizenzierten Einrichtungen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Die Täter nutzen oft moderne Websites und gut ausgestattete Praxisräume, um Vertrauen zu erwecken. Sie geben sich als erfahrene Fachärzte aus, obwohl sie oft keine medizinische Ausbildung haben. In vielen Fällen werden sogar Namen von echten Ärzten verwendet, die mit der Praxis nichts zu tun haben – oder es werden fiktive Identitäten erfunden, wie im Fall der nicht existierenden Ärztin, die Wolkers behandelt haben soll.
Wie Patienten geschützt werden können
Verbraucherschützer raten, vor einer Haartransplantation die Zulassung der Praxis und die Qualifikation der Ärzte sorgfältig zu prüfen. „Patienten sollten sich nicht nur auf die Website verlassen, sondern die Ärztekammer kontaktieren und die Approbation des Arztes überprüfen lassen“, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale Berlin. Auch die Prüfung von Bewertungen und Referenzen kann helfen, unseriöse Anbieter zu erkennen.
Die Polizei ermittelt in dem Fall Wolkers wegen Betrugs. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte auf Anfrage, dass ein Verfahren eingeleitet wurde. Weitere Geschädigte werden gebeten, sich zu melden. Wolkers selbst hofft, dass sein Fall dazu beiträgt, andere vor ähnlichen Erfahrungen zu bewahren: „Ich will nicht, dass andere Menschen so getäuscht werden wie ich.“



