Die Menschheit bereitet sich darauf vor, potenziell gefährliche Asteroiden abzuwehren. Im September 2022 schlug die NASA-Sonde „Dart“ (Double Asteroid Redirection Test) mit voller Absicht in den kleineren Brocken des Doppelasteroiden Didymos ein – mit einer Geschwindigkeit von rund 6,6 Kilometern pro Sekunde. Der Einschlag veränderte messbar die Umlaufbahn von Dimorphos, dem Mond des größeren Asteroiden. Die NASA kommentierte damals: „Wir brechen jetzt in eine neue Ära der Menschheit auf, in der wir die Möglichkeit haben könnten, uns gegen den Einschlag eines Asteroiden zu schützen.“
Die Hera-Mission: Daten vom Doppelasteroiden
Die europäische Raumfahrtagentur ESA steuert die Mission „Hera“, die im November 2024 an dem Doppelasteroiden ankommen soll. Hera soll Daten zur Beschaffenheit, Dichte, Größe und Form liefern. Richard Moissl, Chefkoordinator der Asteroidenabwehr der ESA in Darmstadt, erklärte, dass die Größe der Staubwolke nach dem Dart-Einschlag überraschte. „Klassisch würde man erwarten, dass da jetzt ein Krater ist. Könnte aber auch sein, dass er aussieht wie angeknabbert“, sagte Moissl.
Detlef Koschny, Professor für Lunare und Planetare Exploration an der Technischen Universität München, betonte die Unsicherheit: „Es könnte sein, dass sich der ganze Asteroid verformt hat. Wenn ich einen Asteroiden ablenken will, ist das eine ganz kritische Sache. Es kann passieren, dass zu viel Kraft aufgewendet wird und er dann auseinanderbricht und gar nicht abgelenkt wird. Die Teile würden trotzdem auf die Erde zufliegen.“
Ramses-Mission: Apophis im Visier
Die Mission „Ramses“ (Rapid Apophis Mission for Space Safety) soll 2029 den fast 400 Meter großen Asteroiden Apophis erkunden. Dieser Brocken fliegt am Freitag, den 13. April 2029, in nur 32.000 Kilometern an der Erde vorbei – vergleichsweise nah, denn der Mond ist durchschnittlich 384.400 Kilometer entfernt. „Bei der Ramses-Mission haben wir jetzt sehr wichtige Meilensteine genommen. Die Industrieverträge sind alle unterschrieben“, sagte Moissl. „Man will sehen, wie er aussieht, bevor er von den Gezeitenkräften der Erde mal richtig durchgeschüttelt wird.“ Eine Ablenkung sei nicht geplant. Apophis kreuzt die Erdumlaufbahn und galt bei seiner Entdeckung zunächst als Einschlagskandidat.
Koschny ergänzte: „Wir erhoffen uns, dass wir während des Vorbeiflugs Veränderungen auf dem Asteroiden sehen können. Der fliegt so nah vorbei, dass es durch die Erdkräfte Veränderungen geben könnte.“ Der Brocken sei mit bloßem Auge sichtbar. Ein Einschlag sei für die nächsten 100 Jahre ausgeschlossen.
Weitere Pläne: Infrarot-Teleskop und Ionentriebwerk
Asteroiden, die aus Richtung der Sonne kommen, sind derzeit schwer zu erkennen. Koschny zufolge plant die ESA ein Infrarot-Teleskop, um Asteroiden nahe der Sonne beobachten zu können. Zudem werde die Methode mit einem Ionentriebwerk zur Ablenkung von Asteroiden untersucht. „Das ist ein Gerät, das Ionen aussendet und dadurch die Bewegung des Asteroiden verändern kann“, erklärte Koschny.
Asteroiden: Fluch und Segen
Asteroiden können verheerende Schäden anrichten. Ein 10 bis 15 Kilometer großer Brocken könnte für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich sein. Am 30. Juni 1908 ging ein etwa 40 bis 50 Meter großer Asteroid über Sibirien nieder und knickte in der Tunguska-Region Millionen Bäume auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Die Vereinten Nationen riefen später den Internationalen Asteroidentag aus, um auf die Gefahren und Chancen hinzuweisen.
Im Februar 2013 explodierte ein 20 Meter großer Himmelskörper über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle und splitterndes Glas wurden rund 1.500 Menschen verletzt. Moissl zufolge sind derzeit knapp 42.000 erdnahe Asteroiden in allen Größen bekannt. „Ab zehn Metern nehmen wir die Sachen ernst und warnen. Bei 50 Metern ist genug Energie da, um eine ganze Stadt zu zerstören. Zurzeit ist alles ruhig.“
Koschny wies auf die positive Seite hin: Asteroiden und Kometen könnten organisches Material auf die Erde gebracht haben. „Wir gehen nicht davon aus, dass Mikroorganismen direkt auf die Erde gebracht wurden. Aber es sind die Moleküle, die man braucht, um Leben zu erzeugen. 90 Prozent dessen, was man auf der Erde findet, ist wo da draußen entstanden. Man vermutet lange Kohlenstoffketten, die man braucht, um Leben zu bauen.“



