Mit einer kurzfristig angesetzten beispiellosen Rettungsmission will die US-Raumfahrtbehörde NASA den Forschungssatelliten Swift vor dem Absturz bewahren. Der Start des Schleppraumschiffs „Link“ ist für Samstag, den 27. Juni, von einem Atoll der Marshallinseln im Südpazifik aus geplant. Dabei soll eine „Stargazer“-Flugzeug-Trägerplattform eine „Pegasus“-Rakete absetzen, die „Link“ in den Orbit bringt. Der Starttermin könnte sich jedoch kurzfristig verschieben.
Swift-Observatorium: 20 Jahre erfolgreiche Forschung
Der Swift-Satellit wurde 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ins All gebracht. Seitdem untersucht das mit drei Teleskopen ausgestattete Observatorium, das nach dem 2017 verstorbenen Chefwissenschaftler der Mission auch „Neil Gehrels Swift Observatory“ heißt, gewaltige Energieausbrüche im Universum – sogenannte Gammablitze. Die Mission war ursprünglich auf etwa zwei Jahre ausgelegt, wurde aber aufgrund des großen Erfolgs immer wieder verlängert. An dem Projekt sind auch Italien und Großbritannien beteiligt.
Geomagnetische Stürme bedrohen Satelliten
Der Satellit ist generell in gutem Zustand, doch starke geomagnetische Stürme, die durch Sonnenausbrüche ausgelöst wurden, lassen seine Umlaufbahn schrumpfen. Berechnungen zufolge droht Swift gegen Ende des Sommers abzustürzen. „Für ein generisches Raumschiff wäre es schon in Ordnung, aus der Umlaufbahn herauszukommen. Aber das ist nicht irgendein Raumschiff. Es ist ein Observatorium mit einzigartigen Fähigkeiten für die Astrophysik“, sagte NASA-Manager Shawn Domagal-Goldman bei einer Pressekonferenz. „Also haben wir entschieden: Ja, wir wollen das hier diesmal retten, weil es so besonders ist.“
Rettungsraumschiff „Link“ in Rekordzeit entwickelt
Im September vergab die NASA den Auftrag für die Rettungsmission an die Firma Katalyst Space mit einem Budget von rund 30 Millionen Dollar (etwa 26 Millionen Euro). Das Unternehmen entwickelte, baute und lieferte das rund 400 Kilogramm schwere „Link“-Raumschiff innerhalb von nur neun Monaten. Es ist mit drei Roboterarmen, drei Hauptantriebswerken und zahlreichen weiteren Instrumenten ausgestattet. Nach erfolgreichem Start soll „Link“ im All zunächst Tests durchführen, sich dann Swift annähern und es über mehrere Monate hinweg in seine ursprüngliche Umlaufbahn zurückheben.
Wissenschaftliche Daten ab Herbst erwartet
Wenn alles nach Plan läuft, könnte der derzeit im Energiesparmodus laufende Swift-Satellit ab Herbst wieder wissenschaftliche Daten liefern. Die Wissenschaftler erwarten, dass er dann möglicherweise noch fünf Jahre oder länger betrieben werden kann. „Link“ würde nach erfolgreicher Mission kontrolliert zum Absturz gebracht werden und in der Erdatmosphäre verglühen.
Mission gilt als herausfordernd und riskant
Der Erfolg der Rettungsmission ist jedoch nicht garantiert. „Das ist alles herausfordernd und riskant“, sagte Kieran Wilson von Katalyst Space bei einer Pressekonferenz. „Selbst viele Raumfahrzeuge, die viel länger und mit viel mehr Geld entwickelt wurden, sind aus banalen Gründen gescheitert.“ Die NASA und Katalyst Space hoffen dennoch auf einen erfolgreichen Verlauf der beispiellosen Mission.



