Viele Menschen erleben einen kurzen Schock, wenn ihr Smartphone nicht am gewohnten Ort zu finden ist. Häufig löst sich die Sorge schnell auf – irgendwo in der Wohnung oder in der Tasche liegt es dann doch. Im Zweifel hilft ein Anruf an die eigene Nummer. Doch was, wenn nicht? Und was können Nutzerinnen und Nutzer vorher schon tun, um für den Fall eines Verlusts oder sogar Diebstahls des Smartphones gewappnet zu sein?
Die wichtigsten Einstellungen für den Ernstfall
Vor allem schützt eine aktive Bildschirmsperre das Smartphone vor unerlaubtem Zugriff. Es kann per Fingerabdruck, Gesichtserkennung, PIN oder Eingabemuster gesichert sein. Andernfalls können Unbefugte auf sensible Informationen, zum Beispiel aus E-Mails oder der Banking-App, potenziell ungehindert zugreifen.
Zudem empfiehlt Joachim Wagner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Dokumente, Kontakte oder E-Mails mit einer Cloud zu synchronisieren, um auf die eigenen Daten beim Verlust des Smartphones weiter zugreifen zu können. Verzichtet der Besitzer auf die Verwendung einer Cloud, kann er das Smartphone auch regelmäßig mit einer externen Festplatte synchronisieren.
Außerdem lohne es sich, eine SOS-Handykarte anzulegen, wie sie auch die Verbraucherzentralen empfehlen. Dieses Dokument enthält alle wichtigen Nummern und Angaben, die bei Verlust oder Diebstahl gegenüber Mobilfunkanbieter und Polizei nötig sind. Dazu zählen: die eigene Handynummer, die SIM-Kartennummer, die IMEI-Nummer, der Smartphone-Typ, der Mobilfunkanbieter selbst und dessen Sperrhotline. Die IMEI-Nummer ist die 15-stellige Seriennummer des Smartphones. Sie findet sich auf der Produktverpackung oder in den Einstellungen, lässt sich aber auch über den Tastencode *#06# aufrufen. Die SIM-Kartennummer findet sich auf der SIM-Karte selbst.
Das Handy über Android oder iOS orten
Mittlerweile finden sich auf den meisten Handys vorinstallierte Funktionen, um den Standort zu orten. Diese heißen in den Einstellungen „Wo ist“ auf iPhones und „Gerät finden“ auf Android-Smartphones. Um die Funktion im Ernstfall verwenden zu können, müssen Android-Nutzer die Standortermittlung und die Option „Mein Gerät finden“ in den Einstellungen aktivieren. Dann zeigt der gleichnamige Web-Dienst oder die gleichlautende Google-App den aktuellen Standort des Gerätes an. Auf iPhones muss ebenfalls die Ortung des Geräts aktiviert sein. Dann können Besitzer den Standort des iPhones über iCloud ermitteln.
Wenn das Handy offline und der Akku leer ist oder es im Falle eines Diebstahls ausgeschaltet wurde, lässt es sich nicht mehr zuverlässig orten. Höchstens der letzte bekannte Standort wird dann noch angezeigt. Daher gilt es, schnell zu sein.
Das Handy sperren und Daten löschen
Zudem können Smartphones über die Funktionen „Gerät finden“ oder „Wo ist“ einen lauten Ton abspielen, um entdeckt zu werden. Das Gerät lässt sich damit auch aus der Ferne sperren. Zudem kann die Besitzerin oder der Besitzer dem potenziellen Finder eine Nachricht auf dem Sperrbildschirm hinterlassen. Bei Diebstahl kann es auch sinnvoll sein, über die Funktion „Gerät finden“ oder „Wo ist“ alle Daten zu löschen und das Smartphone auf den Werkszustand zurückzusetzen. Denn hat ein Täter erst einmal Zugriff auf das Smartphone, könnte er Apps missbrauchen und wirtschaftlicher Schaden entstehen, sagt Joachim Wagner vom BSI.
Auch teilweise kostenpflichtige Drittanbieter-Apps können beim Smartphone-Verlust helfen. Die Apps „Wheres my Droid“ und „Powerlock Diebstahlschutz“ können ebenfalls Geräte orten und Daten löschen, aber auch ein Foto des möglichen Diebes mit der Frontkamera machen.
Die SIM-Karte sperren und Diebstahl melden
Um die SIM-Karte eines Smartphones zu sperren, müssen Besitzer ihren Mobilfunkanbieter kontaktieren. Andernfalls könne ein Täter durch Rufnummermissbrauch Kosten verursachen, warnt Joachim Wagner. In kürzester Zeit könnten Kriminelle sonst online Verträge abschließen oder Waren bestellen. Daher sei es auch hier wichtig, schnell zu handeln. In der Regel haben Mobilfunkanbieter eine Sperrhotline eingerichtet. Bei Anruf müssen sich Vertragsinhaber über die Rufnummer, die SIM-Kartennummer sowie Kundennummer und Kennwort identifizieren.
Im Falle eines Diebstahls empfiehlt die Bundespolizei, Anzeige zu erstatten. Auch Joachim Wagner vom BSI rät, immer Strafanzeige zu stellen. Neben Kaufvertrag und einer Beschreibung des Geräts benötigen Besitzer dafür auch die IMEI-Nummer.
Was tun, wenn das Handy ausgeschaltet oder der Akku leer ist?
Im schlimmsten Fall ist das Handy weg und es ist nicht mehr möglich, es zu orten oder Daten zu löschen. In diesem Falle helfe nur noch, zu überlegen, welche Apps und Accounts missbraucht werden können, erklärt Joachim Wagner. „Dann sollte ich mir die Mühe machen, bei unterschiedlichen Accounts die Passwörter zu ändern und damit den Zugriff zu sperren.“
Lohnt sich eine Handy-Versicherung?
Eine Handy-Versicherung lohnt sich den Verbraucherzentralen zufolge in der Regel nicht. Die Kosten lägen bei durchschnittlich zehn Prozent des Kaufpreises im Jahr. Bei einem Tausend-Euro-Handy sind das bereits 100 Euro. Eine Handy-Versicherung deckt meist Schäden am Gerät ab, wie Brüche, Wasserschäden und Ähnliches. Diebstähle müssten für einen erneuten Aufpreis mitversichert werden. Und selbst dann greife die Versicherung nur eingeschränkt. Wurde das Smartphone in einem Moment der Unachtsamkeit vom Tisch im Restaurant gestohlen, gilt die Sorgfaltspflicht als verletzt. Laut den Verbraucherzentralen werte die Versicherung das als Fahrlässigkeit – und zahle nicht.
Besserer Diebstahlschutz – neue Funktionen von Google und Apple
Google und Apple wollen Smartphones künftig besser vor Diebstahl schützen. So hat Google bereits im Oktober 2024 in Android eine KI-Funktion eingebaut, die einen Diebstahl an ungewöhnlichen Bewegungen erkennen soll und das Gerät automatisch sperrt. Nutzer können außerdem sogenannte „vertraute Orte“ festlegen. Außerhalb dieser Bereiche verlangt das Smartphone bei Änderung der PIN oder Sicherheitseinstellungen eine biometrische Authentifizierung. Diese Funktion lässt sich mittlerweile auch speziell für den Passwort-Manager und Banking-Apps nutzen.
Apple hat ebenfalls „vertraute Orte“ eingeführt. Außerhalb jener müssen sich Nutzer mit Face ID oder Touch ID authentifizieren, wenn sie auf Passwörter oder Kreditkarten zugreifen wollen. Möchte ein Dieb das iPhone beispielsweise zurücksetzen, muss er dafür außerhalb vertrauter Orte eine Stunde warten. Das gibt der Besitzerin oder dem Besitzer Zeit, den Verlust zu melden und den Apple-Account zu sichern. Seit der iOS-Version 26.4 ist außerdem der Schutz für gestohlene Geräte aktiviert. Dieser Modus erschwert es fremden Personen bei Diebstahl, auf die Apple-Account-Daten zuzugreifen. Sensible Aktivitäten erfordern dann zusätzlich zur PIN-Abfrage weitere biometrische Daten. Zuvor war die „Stolen Device Protection“ nur optional auf iPhones aktivierbar.
Mehr: So schützen Sie sich vor Fake-SMS



