Mit dem Galaxy Z Fold8 wagt Samsung einen Kurswechsel: Statt auf ein hochformatiges Faltdisplay zu setzen, wird das neue Smartphone breiter und kompakter. Im Test zeigt sich, dass diese Strategie aufgehen könnte – auch wenn der Preis weiterhin hoch ist. Die günstigste Version mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher kostet 1999 Euro, das Topmodell mit 16 GB RAM und 1 TB Speicher liegt bei 2599 Euro.
Ein neues Format gegen das Klobigkeitsproblem
Samsung hält seit sieben Jahren an der Überzeugung fest, dass Foldables die Zukunft mobiler Kommunikation sind. Doch laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint liegt ihr Marktanteil in Europa gerade einmal bei 1,5 Prozent. Das ist wenig, wenn man bedenkt, wie lange Samsung das Konzept vorantreibt.
Die Gründe für die Zurückhaltung sind bekannt: Frühe Modelle wie das Galaxy Fold 5G waren mit 17,1 Millimetern Dicke und 263 Gramm Gewicht echte Klobige. Das aktuelle Ultra-Modell, das Fold8 Ultra, ist mit 8,9 Millimetern deutlich schlanker, bleibt aber sehr lang – und mit einem Startpreis von 2199 Euro auch teuer.
Das Galaxy Z Fold8 wählt einen anderen Weg: Es ist 9,7 Millimeter dick, also etwas dicker als das Ultra, aber insgesamt deutlich kompakter. Das Außendisplay misst 5,5 Zoll im 16:10-Format und ähnelt damit einem normalen Smartphone. Es passt in Hosen- und Jackentaschen, in die frühere Foldables nicht hineinpassten.
Alltagstauglichkeit: Einhändig bedienbar
Im Test hat sich das äußere Display als erstaunlich praxistauglich erwiesen. Mit dem kleinen Format erreicht man – je nach Handhaltung – den gesamten Bildschirm mit einer Hand. Nachrichten und E-Mails lassen sich bequem lesen, der Browser ist gut bedienbar, und auch Fotos und Videos gelingen problemlos.
Multitasking ist möglich, wenn man sich auf zwei Apps nebeneinander beschränkt. Auf dem Außendisplay ist das allerdings nicht unbedingt sinnvoll, auf dem Innenbildschirm bietet es sich eher an.
Innendisplay: Fast ein Mini-Tablet
Der Innenbildschirm ist mit 7,6 Zoll fast so groß wie ein iPad mini. Das Seitenverhältnis von 4:3 erinnert an klassische Fernseher und eignet sich hervorragend zum Surfen sowie zum Schreiben von E-Mails. Apps wie Gmail oder Outlook zeigen links die Liste und rechts die ausgewählte Nachricht an – ähnlich wie am PC.
Fotos können je nach Aufnahmeformat bildfüllend dargestellt werden; bei Hochformataufnahmen dreht man das Gerät einfach um 90 Grad. Filme laufen mit schwarzen Balken oben und unten, was aber niemanden überraschen dürfte. Zum Lesen von Comics oder Texten ist das Format ebenfalls bestens geeignet.
Unabhängig von der Bildqualität gibt es einen Kritikpunkt: Der Kamera-aufbau sorgt dafür, dass das Fold8 auf dem Tisch wackelt, wenn man es antippt. Auch die Bildschirme ziehen Fingerabdrücke an, eine schmutzabweisende Beschichtung sucht man vergebens. Ein Mikrofasertuch gehört daher zur Grundausstattung.
Display und Akku: Die Vorzüge des Fold8
Beide Displays überzeugen mit einer Spitzenhelligkeit von 3000 Nits und sind auch in der Sonne gut ablesbar. Der Falz, also die Stelle, an der sich der Bildschirm faltet, ist kaum noch wahrnehmbar – bei hellen Inhalten sogar gar nicht. Möglich macht das eine Titanfolie, die das biegsame Display stützt.
Die Bildschirmwiederholrate variiert zwischen 1 und 120 Hertz, was den Energieverbrauch senkt. Zusammen mit den Akkus auf Silizium-Kohlenstoff-Basis ergibt sich eine sehr gute Laufzeit. Samsung verspricht 26 Stunden Videowiedergabe; im Praxistest waren nach einem typischen Arbeitstag mit Hunderten E-Mails und ständig ausprobierten Funktionen abends noch 60 Prozent Akku übrig.
Auch das Laden hat Samsung überarbeitet: Die beiden Akkuzellen werden parallel statt seriell befüllt, wodurch der Verschleiß sinken soll. Die maximale Ladeleistung bleibt mit 45 Watt per Kabel und 20 Watt kabellos aber eher bescheiden.
Kamera: Solide, aber ohne Tele
Beim Kamerasystem zeigt sich eine Schwäche: Das Fold8 besitzt zwei 50-Megapixel-Sensoren für Weitwinkel und Ultraweitwinkel sowie zwei 10-Megapixel-Selfiekameras innen und außen. An der Qualität der Aufnahmen gibt es kaum etwas auszusetzen – für Alltagsfotos reicht das völlig aus.
Doch bei einem Preis von mehr als 2000 Euro erwartet man mehr. Eine Telekamera fehlt, obwohl das dünnere Fold8 Ultra eine besitzt und das günstigere Galaxy S26 ebenfalls. Zudem ist das Fold8 rund 250 Euro teurer als ein Galaxy S26 Ultra – ohne zumindest eine vergleichbare Ausstattung zu bieten. Für ambitionierte Fotografen gibt es immerhin die Modi „Expert Raw“ und „Pro Video“, die auf automatische Nachbearbeitung verzichten und 8K-Videos erlauben.
Mechanik und Sound: Details mit Luft nach oben
Die überarbeiteten Scharniere arbeiten mit einer Vielzahl von Zahnrädern und Achsen. Das Auf- und Zuklappen gelingt leichtgängig und geschmeidig. Samsung verzichtet bewusst darauf, das Gerät im geschlossenen Zustand komplett zu schließen: Ein schmaler Schlitz bleibt, sodass man es mit kurzen Fingernägeln öffnen kann.
Einen Wermutstropfen gibt es: Sobald man das Fold8 aufklappt, rastet es vollständig ein. Eine Arretierung in einem angewinkelten Zustand, um etwa den unteren Bildschirmteil als Tastatur zu nutzen, ist nicht möglich. Das kennt man vom Pixel Fold, und es ist schade, dass Samsung diese Option streicht.
Die Lautsprecher sind der größte Schwachpunkt: Sie heben die Höhen stark an, Bässe und untere Mitten bleiben auf der Strecke. Musik klingt dünn, bei Pop und Jazz werden Becken unnatürlich betont. Wer Filme oder Musik genießen möchte, sollte zu Kopfhörern greifen – etwa zu Samsungs Galaxy Buds.
Fazit: Ein wichtiger Schritt für Falthandys
Mit dem Galaxy Z Fold8 ist Samsung ein großer Wurf gelungen. Das Format ist endlich alltagstauglich, die Displays sind exzellent, die Akkulaufzeit stimmt, und der Falz ist praktisch verschwunden. Der hohe Preis und das Fehlen einer Telekamera verhindern die Spitzenbewertung. Würden die Designer noch die Kanten abrunden und die Ingenieure das Kamerapaket des Ultra einbauen, stünde einem Durchbruch der Foldables zu Massenprodukten nichts mehr im Weg.



