Erstmals doppelter Supernova-Überrest in der Milchstraße entdeckt
Doppelter Supernova-Überrest in der Milchstraße entdeckt

Rund 6000 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen erstmals die Überreste zweier aufeinanderfolgender Supernova-Explosionen in einem Doppelsystem entdeckt. Ein Forschungsteam aus den USA und Frankreich konnte zeigen, dass die leuchtenden Gaswolken der Objekte IC 443 und G189.6+3.3 von zwei Sternen stammen, die einst ein Doppelsystem bildeten und nacheinander explodierten. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlicht.

Jahrzehntelanger Irrtum korrigiert

Bislang gingen Astronomen davon aus, dass es sich bei den beiden Supernova-Überresten um zufällige Überlagerungen handelt, die in unterschiedlichen Entfernungen zur Erde liegen. Doch die neuen Beobachtungen widerlegen diese Annahme. "IC 443 ist der bislang am intensivsten untersuchte Supernova-Überrest in der Milchstraße", erklären Miltiadis Michailidis von der Stanford University und seine Kollegen. "Doch seine Umgebung birgt immer noch viele Geheimnisse."

Der Röntgensatellit Rosat entdeckte in den 1990er Jahren den zweiten Überrest G189.6+3.3. Über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtete das Team beide Objekte mit dem Weltraumteleskop Fermi. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Gaswolken gegenseitig durchdringen und beeinflussen. "Diese Wechselwirkung zwischen den Wolken positioniert G189.6+3.3 in der gleichen Entfernung wie IC 443", so die Forscher.

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Explosionen im Abstand von Jahrtausenden

Die Analyse der Fermi-Daten ergab, dass G189.6+3.3 zwischen 20.000 und 100.000 Jahre vor IC 443 explodierte. Die räumliche Nähe und die relativ kurze zeitliche Abfolge deuten darauf hin, dass die beiden Sterne ursprünglich ein Doppelsystem bildeten. Um diese Hypothese zu stützen, simulierten die Forscher die Entwicklung von mehreren Millionen Doppelsternen. Die Simulationen zeigen eine gute Übereinstimmung mit einem System, das ursprünglich aus zwei Sternen mit mehr als der 30-fachen Masse der Sonne bestand.

Sterne dieser Größenordnung stoßen bei ihrer Explosion ihre äußeren Hüllen ab, während der Kern zu einem Neutronenstern oder Schwarzen Loch kollabiert. Bereits 2005 entdeckte das Chandra-Observatorium eine helle Röntgenquelle in IC 443, die vermutlich der Neutronenstern der ersten Explosion ist. Bei G189.6+3.3 fehlen bislang Hinweise auf ein solches Objekt, die Suche läuft jedoch weiter.

Einzigartige Forschungsmöglichkeit

Das System aus zwei Supernova-Überresten bietet der Wissenschaft erstmals die Möglichkeit, die frühe Phase nach der Explosion beider Sterne in einem Doppelsystem genau zu untersuchen. Die komplexe Struktur der Gaswolken um IC 443, die aus mehreren Wellenlängenbereichen besteht, liefert wertvolle Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen den Überresten. Die Forscher hoffen, durch weitere Beobachtungen mehr über die Entstehung und Entwicklung solcher Doppelsysteme zu erfahren.

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