Pottwale schlafen senkrecht – aber wie bleiben sie unten?
Pottwale (Physeter macrocephalus) sind bekannt für ihre bizarre Ruheposition: Sie stehen senkrecht im Wasser, den Kopf nach oben, und dösen vor sich hin. Doch warum treiben sie dabei nicht wie ein Korken an die Oberfläche? Ein Forschungsteam um Noémie Freymond von der Universität Neuenburg hat die Antwort gefunden: Die Tiere lassen während des Schlafens gezielt Gasblasen aus ihrer Lunge entweichen, um den Auftrieb zu reduzieren.
„Man nimmt an, dass diese Position einen effektiven Schlaf ermöglicht, da sie vor dem Wellengang an der Oberfläche schützt und gleichzeitig den Energieaufwand für das Abtauchen in größere Tiefen vermeidet“, erklärt Freymond. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Experimental Biology“ veröffentlicht.
Der Kopf als Auftriebskörper
Der Kopf eines Pottwals macht fast ein Drittel seines Körpers aus und ist mit Öl, Wachs und Luft gefüllt – alles Materialien, die für Auftrieb sorgen. Ohne aktive Bewegung müssten die Tiere daher nach oben treiben. Bislang war bekannt, dass Pottwale auf drei Arten dösen können: mit dem Kopf nach unten tauchend, mit dem Schwanz voran etwa acht Meter in die Tiefe sinkend oder während des Aufstiegs aus Tauchgängen über 200 Metern Tiefe.
Die Analyse zeigte nun, dass Pottwale, die kopfabwärts tauchten und sich dann in die aufrechte Ruheposition nahe der Oberfläche drehten, deutlich mehr Blasen ausstießen – etwa elf Mal pro Power-Nickerchen. Tiere, die aus der Tiefe auftauchten, stießen während des Schlummerns nur drei oder vier Mal Blasen aus.
Wasserdruck als natürlicher Auftriebsminderer
Der Grund für diesen Unterschied liegt im Wasserdruck. Beim Tieftauchen wird die Luft in der Lunge durch den hohen Druck stark komprimiert. In 200 Metern Tiefe trägt sie kaum noch zum Auftrieb bei. „Das bedeutet, dass die Tiere weniger Blasen ausstoßen müssen, um nicht nach oben zu treiben“, so die Forscher. Beim Ruhen nahe der Oberfläche hingegen muss mehr Luft aus der Lunge abgelassen werden, um den Auftrieb zu mindern.
Die Forscher statteten von 2005 bis 2019 insgesamt 42 Pottwale vor der norwegischen Küste mit Messgeräten aus, die in der Nähe des Blaslochs mit Saugnäpfen befestigt wurden. Die Geräte zeichneten Geräusche, Druck, Temperatur und Beschleunigung auf. Die Gasblasen wurden anhand der Geräusche identifiziert, die ihr Freisetzen im Wasser verursacht.
Nickerchen von 6 bis 31 Minuten
Bei 17 der 42 Pottwale konnten die Wissenschaftler ein Ruhen im Wasser feststellen. Diese zeigten das Verhalten immer wieder, wobei das Schlummern zwischen 6 und 31 Minuten dauerte. Nickerchen beim Auftauchen aus großer Tiefe wurden bei drei der 17 Tiere erfasst. Unklar bleibe, ob das Blubbern bewusst oder unbewusst geschieht, so die Forscher.
Über Simulationen schätzten sie auch ab, wie viel Luft die Wale vor Tauchgängen einsogen. Vor dem Ruhen waren es meist weniger als 250 Liter, während es für ein Jagdtauchen über 1000 Liter sein konnten. Offenbar passen die Tiere das Gasvolumen je nach Art des Tauchgangs an.



