Der literarische Herbst 2026 verspricht ein abwechslungsreiches Programm mit Romanen, die gesellschaftliche Debatten aufgreifen oder einfach großes Erzählvergnügen bieten. Von einer prominenten Verlegerin unter Mordverdacht über zwei Brüder auf Odyssee durch West-Berlin bis hin zu einer Liebesgeschichte im Schatten des Gaza-Kriegs – die Neuerscheinungen decken ein breites Spektrum ab. Ein Überblick über die wichtigsten Titel.
Eva Menasse: „Alleinruhelage“ (13. August)
Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Eva Menasse, bekannt für Romane wie „Vienna“ und „Dunkelblum“, schreibt in „Alleinruhelage“ über eine Frau, die nach dem Ende ihrer Ehe allein mit dem gemeinsamen Wochenendhaus dasteht. Sie kämpft mit Renovierungen, schwierigen Nachbarn und vielen Erinnerungen, bis sie schließlich beschließt, das Haus zu verkaufen und noch einmal aufzubrechen. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch beschreibt das Buch als „eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen“.
Stefanie Sargnagel: „Oktoberfest. Ein Spaziergang auf der Wiesn“ (14. August)
Die österreichische Autorin und Cartoonistin Stefanie Sargnagel, bekannt für ironische Prosa zwischen Gesellschaftskritik und Selbstbeobachtung, hat sich nach dem Wiener Opernball nun aufs Münchner Oktoberfest begeben – im Dirndl. Laut Rowohlt Verlag ist das Ergebnis eine „mitreißend komische Höllenfahrt in ein Paradies des Exzesses“.
Isabel Allende: „Unsere Geschichten. Über das Schreiben“ (20. August)
Die chilenische Weltbestsellerautorin Isabel Allende, berühmt seit „Das Geisterhaus“, widmet sich in ihrem neuen Buch dem eigenen Schreiben. Der Suhrkamp Verlag kündigt es als „persönlichstes Buch seit langem“ an. Allende, die im August 83 Jahre alt wird, reflektiert über Fragen wie: „Was ist überhaupt erzählenswert?“ und „Was soll an Sex nochmal so toll sein, dass alle immer darüber schreiben wollen?“
Caroline Wahl: „1999 Meter über dem Meer“ (28. August)
Mit ihren Romanen „22 Bahnen“ und den Nachfolgewerken hat sich Caroline Wahl als eine der meistgelesenen jungen Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur etabliert. Ihr vierter Roman schickt die junge Frau Samara auf einen Selbstfindungstrip, der sie nach St. Moritz führt – mit gefärbten Haaren, einem alten Auto und einem neuen Namen an jedem Ort. Der Rowohlt Verlag deutet eine unterhaltsame Hochstaplerinnen-Geschichte an.
Dana Vowinckel: „Anton und Alma“ (2. September)
Die Berlinerin Dana Vowinckel landete mit ihrem Debütroman „Gewässer im Ziplock“ auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse. Ihr zweiter Roman erzählt laut Suhrkamp von „einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt“. Im Mittelpunkt steht ein junges Paar – er ist jüdisch, sie nicht –, das sich mit den Auswirkungen des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs auseinandersetzt.
Sven Regener: „Frankie und Freddie“ (3. September)
25 Jahre nach „Herr Lehmann“ kehrt Sven Regener mit „Frankie und Freddie“ in die Welt seines legendären Romans zurück. Die Handlung spielt 1980, als der junge Frank Lehmann mit Anfang 20 nach Westberlin kommt, um seinen großen Bruder Freddie zu treffen. Der Verlag Galiani beschreibt den Roman als „einen Roman über Brüder, Aufbrüche und plötzliche Liebe“.
Shida Bazyar: „Die Lücken“ (3. September)
Shida Bazyar, die mit „Nachts ist es leise in Teheran“ für den International Booker Prize nominiert war, legt mit „Die Lücken“ einen neuen Roman vor. Kiepenheuer & Witsch bezeichnet das Werk als „literarische Archäologie“. In einem fiktiven Hunsrücker Dorf spürt Bazyar neunzig Jahren deutscher Geschichte nach – von jüdischen Familien über NS-Profiteure bis zu iranischen Flüchtlingsfamilien.
Edgar Selge: „Juras letzter Winter“ (4. September)
Der Schauspieler Edgar Selge, bekannt als langjähriger „Polizeiruf 110“-Kommissar, überzeugte mit seinem Debütroman „Hast du uns endlich gefunden“. Sein zweiter Roman, erscheinend bei Rowohlt, dreht sich um Jura Rjabinkin, einen 16-Jährigen, der während der Leningrader Blockade verhungerte und ein Tagebuch hinterließ. Der Erzähler liest es immer wieder, bis er glaubt, den Jungen zu kennen.
Dörte Hansen: „Broder“ (9. September)
Dörte Hansen, bekannt für ruhige, präzise Geschichten über das Landleben und Brüche in deutschen Familiengeschichten („Altes Land“, „Mittagsstunde“, „Zur See“), widmet sich in ihrem neuen Roman Zwillingsbrüdern. Broder wollte Bauer werden, aber der Hof geht an den wenige Minuten älteren Henning. Broder wird Tierarzt, hält Abstand – und kehrt zurück, als Hennings Betrieb ins Wanken gerät. Der Penguin Verlag schreibt: „Dörte Hansen schreibt mit großer Klarsicht über eine Welt, in der unser Wachstumsglaube an seine Grenzen stößt.“
Wolf Biermann: „Ihr löscht das Feuer mit Benzin. Tagebücher“ (7. Oktober)
Der Penguin Verlag veröffentlicht erstmals Auszüge aus dem Tagebuchwerk Wolf Biermanns, editiert vom Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Das Buch trägt den Titel „Ihr löscht das Feuer mit Benzin. Tagebücher. Über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall“ und gilt als außergewöhnliche zeithistorische Quelle. Biermann, der im November 90 Jahre alt wird, veröffentlicht zudem einen neuen Gedichtband („Mit uralten Kinderaugen“) und eine Neuedition seines Kinderbuchs „Der kleine Herr Moritz“.
Lutz Seiler: „Das tickende Herz“ (13. Oktober)
Lutz Seiler, Autor von „Kruso“ und „Stern 111“, gehört zu den wenigen Literaten, die sowohl den Deutschen Buchpreis, den Preis der Leipziger Buchmesse als auch den Georg-Büchner-Preis gewonnen haben. In „Das tickende Herz“ kehrt er zu seinem Helden Carl Bischoff zurück, der von Berlin aus einer geheimnisvollen Frau von Amsterdam bis in die Steppe Kasachstans folgt. Laut Suhrkamp überschneiden sich in Seilers Roman „Weltgeschichte und persönliches Schicksal“.
Juli Zeh: „Pony Show“ (14. Oktober)
Juli Zeh, bekannt für Romane über menschliches Zusammenleben und moralische Verwerfungen, veröffentlicht im Oktober ihren neuen Roman „Pony Show“ bei Luchterhand. Darin landet eine bekannte Verlegerin auf der Anklagebank: Ihr junger Mitarbeiter ist verschwunden, sie wird mit Pistole und Falschgeld an der ungarischen Grenze aufgegriffen. Der anschließende Schwurgerichtsprozess spaltet die Öffentlichkeit. Der Verlag Luchterhand beschreibt die verhandelten Fragen: „Wer verfolgt hier welche Agenda? Wer manipuliert wen? Und was glauben wir nur deshalb, weil wir es glauben wollen?“
Sebastian Fitzek: „Der Nachtzug“ (21. Oktober)
Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor Sebastian Fitzek bringt seinen Jubiläums-Thriller heraus – 20 Jahre nach seinem Debüt „Die Therapie“. In „Der Nachtzug“ sitzt Strafverteidiger Adrian Corvin in einem Luxuszug fest. Seine Frau wurde ermordet, sein Sohn entführt. Die geständige Mörderin macht ihm ein Angebot, das laut Droemer Verlag „völlig unerfüllbar“ sei.



