„Braunschlag 1986“: David Schalkos irres Zeitreise-Sequel der Kultserie
„Braunschlag 1986“: David Schalkos irres Sequel

Mit dem Fünfteiler „Braunschlag 1986“ gelingt David Schalko eine aberwitzige Fortsetzung seiner Kultserie. Der Regisseur und Autor, der zuletzt mit den ARD-Filmen „Warum ich?“ und der Kafka-Serie auffiel, entführt erneut ins bizarre Niederösterreich – in die Marktgemeinde Braunschlag im nördlichen Waldviertel, die er 2012 erfand. Die Originalserie überzeugte damals durch ihre schräge Erzählweise, ein grandioses Ensemble und die Verquickung von Lokalkolorit mit Themen wie Touristennepp, Dorfdumpfheit, Katholizismus-Kritik und UFO-Gläubigkeit. Sogar in den USA plante man Remakes, die jedoch nie realisiert wurden – wohl ein Glück, denn der schwarze Humor und das kraftvolle Idiom wie „Geh‘ scheißen“ sind typisch österreichisch.

Handlung: Rückkehr ins Jahr 1986

14 Jahre nach einer atomaren Verstrahlung harren Bürgermeister Gerri (Robert Palfrader) und Dorfdisco-Betreiber Richard (Nicholas Ofczarek) als einzige im Flecken Braunschlag aus. Plötzlich klingelt das Telefon: „St. Pölten“ meldet sich. In der Landeshauptstadt sitzt der konservative Politiker Rainer Katzlbrunner (Simon Schwarz) und verkündet, dass der Ort wieder betretbar sei – wegen der Halbwertszeit. Doch kaum einer der einstigen Strahlenflüchtlinge kehrt zurück. Also heckt das Duo einen Plan aus: Per Deklaration soll in Braunschlag wieder das Jahr 1986 herrschen. Kein Corona, keine Globalisierung, kein Handy und kein Kaffee mit Schaum – stattdessen Nostalgie pur. Dass sich 1986 auch der Atomunfall von Tschernobyl ereignete, fällt Gerri erst viel später ein.

Neue und alte Figuren

Alsbald fährt ein Laster mit Achtziger-Requisiten vor, und Braunschlag beherrscht mit seiner Idee die Schlagzeilen. Nach und nach kehren die alten Bekannten zurück: Richards Frau Elfi (Nina Proll), Priester Riccardo (David Wurawa), Dr. Feist (Thomas Stipsits), Polizistin Gerti (Stefanie Reinsperger), Ufologe Reinhard (Raimund Wallisch) und der vatikanische Kommissar Banyardi (Manuel Rubey). Hinzu kommen zwei neue Figuren: der neurechte Politiker Sigmund (Stefan Gorski), der eine uniformierte Privatmiliz aufstellt und die Ausweisung des schwarzen Priesters fordert, sowie der obercoole Entrepreneur B.B. (Arthur Vischer) mit unendlich scheinenden Finanzen und hippen Marketingideen.

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Gesellschaftskritik und Humor

„Braunschlag 1986“ nimmt überkandidelt und knochentrocken die Flucht in die Nostalgie, wieder salonfähig werdende Rechtsextreme, popkulturellen Nerd-Kult um Musik, Filme und Amiga-Rechner sowie Russlandgeschäfte von Banken aufs Korn. Der Humor arbeitet mit Pausen, Understatement und Verdichtungen statt mit Komödienlärm. David Schalko, einst Werbetexter, liefert geschliffene Dialoge: „Die Kirche hat doch sonst nie was dagegen, die Uhr zurückzudrehen“, sagt der Bürgermeister zum vatikanischen Gesandten. Als Elfi ihren Teenager-Sohn Winie im Darth-Vader-Kostüm nicht aus dem Auto bekommt, erklärt sie: „Er hat Angst vor der Landschaft.“ Abgründig ist die Konversation zwischen Gerri beim Angeln und seiner Ex Herta (Maria Hofstätter): „Hast du eigentlich jemals was gefangen? – Schon. Gedanken. – Und? – Die meisten waren so klein, dass ich sie gleich wieder reingehaut hab‘.“

Inszenierung und Vergleich

Was Arne Feldhusen mit der ZDF-Serie „Das Manko“ für den intelligenten Humor in Deutschland leistet, das erreicht David Schalko in Österreich. „Braunschlag 1986“ wurde zuerst im ORF ausgestrahlt und ist nun bei HBO Max als Stream verfügbar. Die Serie besticht durch ihr Timing und schauspielerische Leistungen, die mehr mit Pausen und Understatement arbeiten als mit lauter Komik. Ein Fest für Fans schwarzhumoriger Satire.

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