Das Brücke-Museum in Berlin-Dahlem wagt ein Experiment: In der neuen Ausstellung „Die Natur als Kuratorin“ wird die Natur selbst zur Gestalterin der Kunstpräsentation. Statt streng kuratierter Hängung überlässt das Museum die Anordnung und Inszenierung von Werken des Expressionismus den Elementen – Wind, Regen, Sonne und Pflanzen.
Ein radikaler Bruch mit der Museumstradition
Kuratorin Dr. Lisa Schmidt erklärt: „Wir wollen die starre Trennung zwischen Kunst und Natur aufheben. Die Werke von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel werden nicht in klimatisierten Räumen gezeigt, sondern in einem offenen Pavillon, der den Einflüssen der Umgebung ausgesetzt ist.“ Die Ausstellung ist Teil eines Experiments, das die Vergänglichkeit und die Interaktion von Kunst mit ihrer Umwelt betont.
Die Besucher erleben, wie sich die Kunstwerke im Tageslicht verändern, wie Regentropfen auf den Leinwänden Spuren hinterlassen und wie Pflanzen um die Rahmen wachsen. „Das ist kein Vandalismus, sondern eine künstlerische Kollaboration mit der Natur“, betont Schmidt.
Kritik und Begeisterung
Die Ausstellung stößt auf gemischte Reaktionen. Während Kunstliebhaber die Innovation loben, warnen Konservatoren vor möglichen Schäden an den unersetzlichen Originalen. „Wir haben spezielle Schutzschichten aufgetragen, die die Werke vor Feuchtigkeit schützen, aber dennoch ihre Interaktion mit der Umwelt zulassen“, so Restauratorin Anna Müller. „Es ist ein Risiko, aber ein kalkuliertes.“
Die Ausstellung läuft vom 1. April bis 30. September 2024 und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Weitere Informationen unter www.bruecke-museum.de/natur-als-kuratorin.



