Fotograf Abdulhamid Kircher: Annäherung an den kriminellen Vater
Fotograf Kircher: Annäherung an den kriminellen Vater

Der Fotograf Abdulhamid Kircher hat zwei Wochen lang in den Hamburger Deichtorhallen Familienbilder sortiert, neu ausgedruckt und Hunderte an einer neun Meter langen Fotowand arrangiert. Seine Intuition sagt ihm, wo was hingehört. Die Mutter, der Vater, die Großeltern, die Tanten und Cousins.

Ein Projekt über vererbte Gewalt und Annäherung

Das Projekt ist der Versuch, eine Beziehung zu seinem kriminellen Vater in Berlin aufzubauen. Sein Zugang ist die Fotografie. „Ich bin manchmal genauso scheiße wie er“, zitiert der Künstler sich selbst in dem Werk. Die Ausstellung zeigt die Ambivalenz zwischen Ablehnung und Sehnsucht nach Nähe.

Kircher, der in Berlin lebt, hat die Bilder aus dem Familienarchiv zusammengetragen. Viele Aufnahmen stammen aus der Kindheit des Vaters, der lange im Gefängnis war. Die Fotowand wird zum emotionalen Porträt einer zerrütteten Familie.

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Die Deichtorhallen als Ort der Reflexion

In den Deichtorhallen, einem der bedeutendsten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Fotografie, findet das Projekt nun seinen öffentlichen Raum. Die neun Meter lange Wand ist das Herzstück der Schau. Sie zeigt die Entwicklung der Familie über Generationen hinweg.

Kirchers Methode ist intuitiv: Er ordnet die Bilder nicht chronologisch, sondern nach emotionalen Bezügen. So entstehen neue Narrative, die den Betrachter in die komplexe Vater-Sohn-Beziehung hineinziehen.

Ein Blick auf vererbte Gewalt

Der Titel der Arbeit verweist auf die Erkenntnis des Künstlers, dass er selbst Muster des Vaters reproduziert. „Ich bin manchmal genauso scheiße wie er“ – dieser Satz steht als ehrliches Eingeständnis über der gesamten Ausstellung. Kircher macht damit vererbte Gewalt sichtbar, ohne sie zu verurteilen.

Die Ausstellung in Hamburg ist nicht die erste Auseinandersetzung mit dem Thema. Bereits frühere Arbeiten Kirchers beschäftigten sich mit Identität und Herkunft. Doch hier geht es um die konkrete Begegnung mit dem Vater, der in Berlin lebt.

Fotografie als Brücke

Für Kircher ist die Kamera ein Medium, um Nähe herzustellen, die im Alltag nicht möglich scheint. Die Fotografien ersetzen Gespräche, sie werden zu einer eigenen Sprache. In den Deichtorhallen werden diese Bilder nun Teil eines größeren Dialogs.

Die Schau läuft noch bis zum Sommer und ist Teil eines Programms, das sich mit familiären Beziehungen und Trauma beschäftigt. Kircher hofft, dass seine Arbeit auch andere dazu ermutigt, sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

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