Ein unter russischer Flagge fahrender Frachter ist am Montagabend kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen Noworossijsk im Schwarzen Meer von einer Drohne angegriffen worden. Das Schiff mit dem Namen Nadezhda war auf dem Weg zur türkischen Hafenstadt Samsun, als der Angriff erfolgte. Dies berichten übereinstimmend das türkische Außenministerium und die Schifffahrtsdatenplattform MarineTraffic.
Angriff kurz nach dem Auslaufen
Die Nadezhda verließ Noworossijsk am Montagabend gegen 20 Uhr Ortszeit. Nur wenige Seemeilen vor der Küste näherte sich eine unbemannte Drohne dem Frachter und schlug im Bereich des Hecks ein. Die genaue Schadenshöhe ist noch unklar, jedoch konnte das Schiff seine Fahrt zunächst fortsetzen. Die Besatzung blieb nach ersten Erkenntnissen unverletzt.
Das türkische Außenministerium bestätigte den Vorfall auf der Plattform X (ehemals Twitter) und verurteilte den Angriff als Verstoß gegen das internationale Seerecht. Gleichzeitig wurde eine Untersuchung eingeleitet. Die Türkei hat als Anrainerstaat des Schwarzen Meeres ein besonderes Interesse an der Sicherheit der Schifffahrtsrouten.
Hintergrund: Spannungen im Schwarzen Meer
Der Angriff ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender militärischer Auseinandersetzungen in der Region. Seit Beginn des Ukraine-Konflikts kommt es immer wieder zu Drohnenangriffen auf Schiffe, die russische Häfen anlaufen oder verlassen. Die Ukraine hatte wiederholt angekündigt, die russische Schattenflotte zu bekämpfen, die für den Transport von Öl und anderen Gütern genutzt wird.
Erst in der vergangenen Woche meldete die ukrainische Marine die Zerstörung von 20 russischen Schiffen durch Drohnenangriffe. Die Angriffe zielen darauf ab, die wirtschaftliche Basis Russlands zu schwächen und die Exportfähigkeit einzuschränken. Die Route von Noworossijsk nach Samsun ist eine der wichtigsten Verbindungen für russische Exporte in die Türkei und weiter in den Nahen Osten.
Reaktionen und Folgen
Die russische Seite hat den Angriff bislang nicht offiziell kommentiert. Allerdings meldete das russische Verteidigungsministerium am Dienstag, dass Luftabwehrsysteme im Raum Noworossijsk eine Drohne abgefangen hätten. Ob es sich um dieselbe Drohne handelt, ist unklar.
Schifffahrtsexperten warnen vor einer weiteren Eskalation. Die Versicherungsprämien für Schiffe, die das Schwarze Meer befahren, sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Einige Reedereien meiden die Route bereits vollständig und weichen auf längere Wege aus. Dies könnte die Energiepreise in der Region weiter beeinflussen.
Der Vorfall zeigt erneut die Verwundbarkeit der zivilen Schifffahrt in Kriegsgebieten. Internationale Organisationen fordern eine sichere Korridorlösung, um die Lebensmittel- und Güterversorgung zu gewährleisten. Bislang scheitern solche Initiativen jedoch am Widerstand Russlands.



