Kunstpalast Düsseldorf: Yoga-Führung verbindet Achtsamkeit mit Kunst
Kunstpalast: Visual Arts Yoga verbindet Kunst und Achtsamkeit

Die Anweisung kommt unerwartet: „Augen schließen, tief einatmen, Füße erden, Schultern entspannen und wieder ausatmen.“ Doch die Teilnehmer sitzen nicht auf der Yogamatte, sondern vor Gemälden im Düsseldorfer Kunstpalast. Seit Kurzem bietet das Museum das Format Visual Arts Yoga an. Es verbindet klassische Yoga-Elemente wie Körperhaltungen und Atemübungen mit ausgewählten Kunstwerken. An diesem Abend will eine Gruppe von 16 Teilnehmenden in der kulturellen Umgebung zur Ruhe kommen.

Der Altersdurchschnitt ist bunt gemischt, an diesem Abend sind mit vier Männern ungewöhnlich viele Vertreter dabei. Sportkleidung ist nicht nötig – der Dresscode lautet: jeder, wie er möchte. Rund 90 Minuten dauert die Tour, die vor allem den Kopf und die Augen fordert.

Ein neues Format: Yoga und Kunst im Museum

Der Kunstpalast ist für ungewöhnliche Ideen bekannt. Erst im vergangenen Jahr feierte das Haus mit dem „Grumpy Guide“ Erfolge. Nun entstand das Visual Arts Yoga in Zusammenarbeit mit Valeara, einem bundesweit tätigen Anbieter für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie. Die Idee stammt von Simone Hoffmann. Sie praktiziert seit rund 15 Jahren Yoga und ist inzwischen selbst Yogalehrerin.

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Hoffmann betont, dass Yoga mehr ist als die auf Instagram gezeigten Positionen. „Ich habe Freude daran, mit diesem Yoga-Bild etwas aufzuräumen“, sagt sie. Neben den Körperübungen seien auch Atmung und Meditation gleichwertige Bestandteile der Praxis. Für das Visual Arts Yoga entwickelte Hoffmann zuerst das Konzept und wählte dann passende Kunstwerke aus.

Achtsamkeit vor Rubens und Kneffel

Das Projekt ist in die Dauerausstellung eingebunden und damit langfristig angelegt. Die Nachfrage ist groß: Viele Termine, die von verschiedenen Guides durchgeführt werden, sind bereits ausgebucht. Bei weiter steigendem Interesse sollen zusätzliche Termine ergänzt werden, wie der Kunstpalast mitteilte.

Beim Rundgang gibt es auch eine bekannte Yoga-Position: den Baum. Die Teilnehmer balancieren auf einem Bein und stellen den anderen Fuß an den Oberschenkel. Die Übung zeigt, wie Sehen und Stabilität zusammenhängen – mal steht der Baum fester, mal wackliger. Der Blick geht dabei auf Rubens’ großes Gemälde „Himmelfahrt Mariens“ aus der Barockzeit, eines der bekanntesten Werke des Hauses.

Ältere Bilder sind in der Auswahl aber selten. Hoffmann erklärt, dass viele nicht zeitgenössische Werke konkrete Figuren zeigen, die von der Meditation ablenken. „Da ist man vielleicht zu sehr abgelenkt“, sagt sie.

Vor einem unbenannten Werk der zeitgenössischen Künstlerin Karin Kneffel geht es um das Hier und Jetzt. Das Gemälde zeigt eine sich spiegelnde Stehlampe und Vorhänge mit Schatten; Innen- und Außenraum verschwimmen. Die Teilnehmer schließen die Augen und bewegen den Kopf sanft von rechts nach links. Hinter den geschlossenen Lidern sollen die Augen mitwandern. „Es geht ausschließlich um das Wahrnehmen dessen, was jetzt ist“, leitet Hoffmann an.

Es wird ruhig im Museum. Man hört nur noch das Rauschen der Lüftungsanlage und den Ton einer Kunstinstallation. Eigentlich hat das Haus längst geschlossen – die Führungen finden zu Randzeiten oder nach Öffnungsschluss statt.

Entspannung mit Nachhall

Nach dem Öffnen der Augen nehmen viele das Kunstwerk anders wahr: leuchtender, wärmer, tiefer. „Als ich meine Augen aufgemacht habe, hat es so geflimmert“, erzählt ein Teilnehmer. „Das ist so krass“, stimmt seine Begleitung zu. Insgesamt umfasst der Rundgang acht Stationen, an denen Achtsamkeit und die Philosophie des Yoga erfahrbar werden.

Am Ende sind die Teilnehmer spürbar entspannt. „Die Idee finde ich einfach super. Die Räume hier sind ja auch so sakral, das ist wie ein heiliger Ort“, sagt Katja Hübbers, die mit ihrer Tochter Leonie dabei war. Leonie ergänzt: „Da hat man echt gemerkt, dass man entspannter ist nach so einer Zeit.“ Yoga-Erfahrung ist keine Voraussetzung – laut Hoffmann eignet sich das Visual Arts Yoga sowohl für Yogafans als auch für Neulinge.

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