Nibelungen-Festspiele: Briten inszenieren Kriemhild als düstere Heldin mit Alice Merton
Nibelungen-Festspiele: Briten bringen Kriemhild mit Alice Merton

Die Nibelungen-Festspiele in Worms beginnen am 17. Juli mit der Premiere des Stücks „Die Hunnenkönigin“, inszeniert von der britischen Theatertruppe Les Enfants Terribles. Die Aufführungen laufen bis zum 2. August. Im Mittelpunkt steht die Burgunderprinzessin Kriemhild, die nach dem Tod von Drachentöter Siegfried zur mächtigsten Frau des Kontinents aufsteigt. Die Truppe aus London, bekannt für bildstarke Inszenierungen zwischen Maskenspiel, Zirkus und Performancekunst, bringt einen neuen Blick auf den deutschen Nationalmythos.

Britische Perspektive auf deutschen Mythos

Intendant Nico Hofmann betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Wir wollten einen anderen Blick.“ Die Briten brächten „diesen schwarzen Humor, diesen Sinn für Tragikomödie“ mit. Er verspreche sich „eine echte Befruchtung – ästhetisch, emotional, theatralisch“. Die Inszenierung wird von Oliver Lansley und James Seager geleitet, deren Arbeiten oft poetisch, grotesk und verspielt wirken. Die Veranstalter beschreiben das Stück als „theatrale Achterbahnfahrt“, in der eine Figur zeigt, wie weit sie zu gehen bereit ist, um Gerechtigkeit wiederherzustellen – selbst wenn sie dafür die Welt in Flammen setzen muss.

Musik von Alice Merton

Erstmals setzen die Festspiele stark auf Musik. Die international erfolgreiche Sängerin Alice Merton, bekannt durch den Welthit „No Roots“, wird jeden Abend live auf der Bühne stehen. „Ich habe noch nie Musik für Theater gemacht“, sagt Merton. Sie schrieb auf Probe einige Songs, die zusammen mit Musiker Alexander Wolfe die Festspiele überzeugten. Die Lieder sollen das Geschehen begleiten und das Publikum unmittelbar beeinflussen. Merton betont die Balance bei einem Stoff voller Gewalt, Verrat und Rache: „Es soll eine emotionale Reise sein, aber es soll nicht überfordern.“ Erstmals hat sie für das Stück auch deutsche Texte geschrieben.

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Schauspielerin Maria Dragus gibt Theaterdebüt

Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Maria Dragus („Das weiße Band“) steht in Worms erstmals auf der Bühne. „Ich habe noch nie Theater gemacht“, gesteht sie, empfinde aber „ein sehr durchwachsenes Gefühlsbad in einem sehr positiven Grundton“. Die Arbeit mit den britischen Regisseuren entspreche ihrer Arbeitsweise: „Wir sprechen ein bisschen dieselbe Sprache.“ Ihre Kriemhild werde keine eindimensionale Rächerin sein; hinter jeder Vergeltung stehe ein menschlicher Schmerz. „Langweilig wird es auf keinen Fall“, verspricht Dragus. Zum Ensemble gehören auch Aram Tafreshian und Jeanette Hain.

Neue Tribünen und ausverkaufte Haupttribüne

In diesem Jahr entstehen seitlich der Hauptspielfläche zwei zusätzliche Tribünen, eine Anlehnung an die Bühnenanordnung William Shakespeares. Nur für diese Ränge sind noch Karten erhältlich (Preis 60 bis 71 Euro). Die Haupttribüne mit rund 1.400 Plätzen ist für alle Vorstellungen ausverkauft. Intendant Hofmann zeigt sich erfreut: „Dieser herausragende Vorverkauf ist für uns eine wunderbare Bestätigung der Arbeit der vergangenen Jahre. Es zeigt sich, dass sich die Nibelungen-Festspiele als fester kultureller Höhepunkt etabliert haben.“

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