Shakira dominiert die WM-Bühne – aber sind ihre Songs die besten?
Das Finale der WM 2026 in East Rutherford bei New York wird eine Halbzeitshow erhalten, die an den Super Bowl erinnert. Neben Justin Bieber, Coldplay, Madonna und einem New Yorker Grundschulchor wird auch Shakira auftreten. Gemeinsam mit dem nigerianischen Rapper Burna Boy wird sie den Song „Dai dai“ performen – ihren vierten WM-Song nach „Hips Don’t Lie“ (2006), „Waka Waka“ (2010) und „La La La“ (2014). Damit ist Shakira unangefochten die Stimme der WM-Geschichte. Doch gehören ihre Songs auch zu den besten? Seit der WM 1962 in Chile bestimmt die Fifa offizielle WM-Songs. Ab 1998 kamen offizielle WM-Hymnen hinzu, und seit den 2000ern werden von Werbeunternehmen und Plattenfirmen gezielt Songs in Auftrag gegeben. Der Tagesspiegel präsentiert die offizielle Top Ten der besten WM-Songs aller Zeiten. Spoiler: „Three Lions“ („Football’s Coming Home“) ist nicht dabei – dieser Song wurde für die EM 1996 komponiert.
Platz 10: „The Cup of Life“ (WM 1998 in Frankreich)
Besser bekannt als „La Copa de la Vida“. Der Puerto Ricaner Ricky Martin wurde mit dem Song weltweit bekannt. Es ist der Sündenfall der modernen WM-Song-Geschichte – oder die Blaupause. Seit „Cup of Life“ folgen fast alle offiziellen Fifa-WM-Songs demselben Rezept: Latin-Pop, Kirmesansagen und ein Refrain mit sinnlosen Lauten wie „Here we go! Allez, allez, allez, go, go, go …“ Der Song eignet sich hervorragend für Großraumdiskotheken und als Gewinnersong für den Eurovision Song Contest.
Platz 9: „Live it Up“ (WM 2018 in Russland)
Klingt wie „The Cup of Life“ – nur statt Ricky Martin singt der Puerto Ricaner Nicky Jam, und Will Smith ist auch dabei. Das gibt einen Bonuspunkt.
Platz 8: „Fußball ist unser Leben“ (WM 1974 in Deutschland)
„Wir, meine Damen und Herren, hören jetzt eines der bedeutendsten Chorwerke der modernen profanen Chorliteratur. Das Schicksalslied der Profis: Fußball ist unser Leben.“ Mit diesen Worten kündigte Fernsehmoderator Wim Thoelke die deutsche Nationalmannschaft im ZDF an, etwa ein Jahr vor der Heim-WM. Der Song stammt von Schlagerproduzent und Ex-Fußballprofi Jack White, der etwas „Volkstümliches“ schreiben wollte. Die BRD wurde Weltmeister, und der Song schaffte es in die Charts. Vier Jahre später durfte die Mannschaft erneut im Fernsehen auftreten und „Buenos Días Argentina“ von Udo Jürgens singen. 1982 folgte „Olé España“, und 1994 hatte die „singende Nationalmannschaft“ ihren finalen Auftritt mit der US-amerikanischen Disco-Band Village People und dem Song „Far Away in America“.
Platz 7: „Wavin’ Flag“ (WM 2010 in Südafrika)
„Wavin’ Flag“ von K’naan wurde nicht als WM-Song komponiert. Es ist ein Anti-Kriegs-Lied eines Geflüchteten aus Somalia, der in Kanada aufwuchs. 2009 stellte K’naan das Lied im kanadischen Radio vor. Er sagte, es handle von der Gewalt in Somalia und seinem Wunsch nach Freiheit. In dem Lied heißt es: „So we struggling, fighting to eat / And we wondering when we’ll be free.“ Dann rief Coca-Cola an, einer der Hauptsponsoren der WM 2010, und wollte das Lied zur offiziellen Coca-Cola-Hymne machen. Das Ergebnis: ein komplett unpolitischer Gute-Laune-Song – aber ein echt guter.
Platz 6: „El Rock del Mundial“ (WM 1962 in Chile)
Es ist der allererste Fifa-WM-Song der Geschichte, gespielt von der chilenischen Rockband The Ramblers. „El mundial de 62 es una fiesta universal“, singen sie. Musikalisch ist der Song relativ originell, groovig und eingängig. Man merkt ihm an, dass er nicht primär zum millionenfachen Streamen komponiert wurde. Trotzdem wurden zwei Millionen Tonträger verkauft – das machte ihn zum erfolgreichsten Song der chilenischen Musikgeschichte.
Platz 5: „Ramenez la Coupe à la Maison“ (WM 2018 in Russland)
Dieser Song ist nicht vor, sondern während der WM entstanden. Der französische Rapper Vegedream schrieb ihn nach dem Halbfinalsieg Frankreichs gegen Belgien und präsentierte ihn erstmals, nachdem Frankreich das Finale gewonnen hatte. Gemeinsam spazierten die Spieler im Moskauer Olympiastadion Luschniki und sangen die persönliche Würdigung für jeden Weltmeister. Ein rührender Moment. Vegedream fragt: „Qui contrôle le terrain?“ – „Blaise Matudi, yeah“, antworten „Les Bleus“. Oder: „Passement de jambe, crochet à gauche, à droite. Kylian Mbappé.“
Platz 4: „La cour des grands“ (WM 1998 in Frankreich)
Der ungewöhnlichste Song, den die Fifa je zur WM-Hymne erwählt hat. Er klingt eher wie Filmmusik – das Gegenteil eines Ohrwurms. Das Interpretenduo ist ungewöhnlich: Youssou N’dour, der „bekannteste Sänger Senegals“, und Axelle Red, eine belgische Soulsängerin. Der Text ist mau, bis auf den schönen Appell im Refrain: „A toi de faire rêver“ – jetzt liegt es an dir, andere zum Träumen zu bringen. Das ist vielleicht die schönste Arbeitsbeschreibung von Fußballstars bei einer WM.
Platz 3: „Zeit, dass sich was dreht“ (WM 2006 in Deutschland)
Der Soundtrack des „Sommermärchens“. Und die einzige offizielle Fifa-WM-Hymne, die ihren Namen verdient. Herbert Grönemeyer und das blinde malische Duo Amadou & Mariam schufen eine Ode an den Sieg und ein Lob des Fußballsports. Ein riesiger Kassenerfolg war es nicht – vermutlich, weil nur rund 150 Millionen Menschen auf der Welt Deutsch verstehen.
Platz 2: „Waka Waka“ (WM 2010 in Südafrika)
Der Song heißt eigentlich „Zangaléwa“ und stammt von der kamerunischen Militärband Golden Sounds aus dem Jahr 1986. Shakiras Version ist in Melodie, Rhythmus und Lyrics identisch mit dem Original. Öffentlich bekannte sich die Kolumbianerin nie zu dem Sample. Frontmann Jean-Paul Zé Bella sah das entspannt – sein Name taucht in den Credits auf, was ihm Tantiemen sicherte. „Waka Waka“ ist der erfolgreichste und meistgehörte WM-Song aller Zeiten: Mehr als die halbe Weltbevölkerung hat ihn auf YouTube angehört (4,6 Milliarden Aufrufe). Ein Ohrwurm, größer als der Fußball, und tanzbar. Die Marschrhythmen schieben noch heute verlässlich jede Hüfte auf deutschen Firmenfeiern an. Und: Hips Don’t Lie.
Platz 1: „Un’estate italiana“ (WM 1990 in Italien)
Ein Lied wie ein Sommerurlaub in Caorle. Gianna Nannini, die italienische Nina Hagen, und Rockmusiker Edoardo Bennato singen von „notti magiche“ – magischen Nächten unter dem Himmel eines italienischen Sommers. Der Song wurde zum Hit, verbrachte den Sommer auf Platz eins der italienischen Charts und schaffte es in Deutschland auf Platz zwei. Er transportiert das Lebensgefühl des Ausrichterlands, kitschige Fußballromantik („Dieser Traum, der als Kind beginnt“) und ein Gefühl des Miteinanders. Heute wirkt die Pop-Rock-Schlager-Ballade wie eine musikalische Postkarte aus einer anderen Zeit – einer, in der Deutschland wie selbstverständlich Weltmeister wurde und ein WM-Sommer eine Auszeit vom Leben war.
WM-Song-Flaute zwischen 1970 und 1986
Falls Sie sich fragen, warum in dieser Liste kein offizieller Fifa-WM-Song aus den 1970er oder 1980er Jahren auftaucht: Hören Sie probeweise in „Fútbol México 70“ oder „Futbol“ (1974), „El Mundial“ (1978), „Mundial ‘82“ (1982) hinein – sechzehn Jahre Einfallslosigkeit, und genau so klingen auch die Songs.



