Rick Astley: „Never Gonna Give You Up“ ist mein alter Mantel
Rick Astley: „Never Gonna Give You Up“ ist mein alter Mantel

Rick Astley: Vom 80er-Jahre-Star zum Kultphänomen

Mit seinem Hit „Never Gonna Give You Up“ startete Rick Astley 1987 seine Karriere. 40 Jahre später ist der Ohrwurm Kult, doch der heute 60-jährige Sänger ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Im Interview mit ntv.de spricht Astley über seinen überraschenden späten Charterfolg, junge Fans und seine Punkrock-Midlife-Crisis-Rockband.

Warum ihn jeder mag

„Und ich dachte, alle sagen dann: 'Was, der lebt noch!?'“, scherzt Astley auf die Frage, warum ihn offenbar jeder mag. Er glaubt, dass Abstand die Gefühle zu Musik verändert: „Man kann plötzlich eine neue Verbindung dazu finden. Wenn solche Songs heute im Radio oder auf Youtube laufen, denkt man plötzlich: 'Ich mochte das Lied wirklich nie, aber jetzt finde ich es irgendwie okay.'“

Besonders überrascht ist Astley über die vielen jungen Menschen bei seinen Konzerten, die in den 80er-Jahren noch nicht geboren waren. „Gestern war ich in London, habe ein Interview gegeben und draußen mit einem Freund einen Kaffee getrunken. Und da kam dieser etwa achtjährige Junge auf uns zu. Seine Mama und sein Papa waren dabei. Er bat mich um ein Foto! Das ist der pure Wahnsinn.“

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Die Faszination der 80er-Jahre

Astley erklärt sich den anhaltenden 80er-Jahre-Trend mit der musikalischen Innovation dieser Zeit: „Die Technologie hat einen Sprung gemacht. Die Leute nutzten zunächst Drum-Computer und Synthesizer, dann begannen sie, Samples zu verwenden. Das hat massiven Einfluss darauf gehabt, wie Musik im Studio produziert wurde – und damit auch die Art, wie Songs geschrieben wurden.“ Er nennt „Blue Monday“ von New Order als Beispiel: „Das ist alles, was man für einen Hit braucht.“

Die 80er-Jahre zu mögen, zeuge von echter Liebe zur Musik, so Astley. Auch heutige Stars wie Taylor Swift oder Harry Styles griffen auf 80er-Einflüsse zurück. „Wenn sie heute einen Song schreiben, sind sie eher von alten Platten beeinflusst als von der aktuellen Musik.“

Neue Musik und der späte Erfolg

Astley schreibt weiterhin neue Musik. Vor zehn Jahren begann er, in seiner umgebauten Garage Songs zu schreiben: „Ich dachte mir, es wäre toll, ein Album nur für mich selbst aufzunehmen – einfach, um zu sagen: 'Ich bin 50 Jahre alt. Dazu bin ich fähig.'“ Das Ergebnis war das Album „50“, das er komplett selbst produzierte. „Und dann passierte das Verrückte. Wir gingen doch zu einem Plattenlabel, meine Frau wurde meine Managerin und plötzlich hatte ich ein Nummer-Eins-Album in Großbritannien.“

Auf die Frage, ob es ihn nerve, dass Fans vor allem seine alten Hits hören wollen, antwortet Astley: „Ich liebe es, 'Never Gonna Give You Up' zu singen, der Song ist wie ein alter Mantel, den ich seit 40 Jahren trage und der immer noch kuschelig ist.“ Er sei dem Lied dankbar für viele unglaubliche Erlebnisse. „'Never Gonna Give You Up' ist der einzige Grund, warum ich auch heute noch Konzerte in Deutschland oder Japan spielen darf. Das vergesse ich nie.“

Kreative Freiheit und Experimente

Astley genießt die Freiheit, heute seine eigenen Songs zu schreiben, macht aber Stock Aitken Waterman keine Vorwürfe: „Ich war damals 19, als ich bei ihnen unterschrieben habe. Sie waren der Grund dafür, dass ich damals Hits hatte. Die Zusammenarbeit mit ihnen war für mich wie eine Art Lehre.“

Auf seinem Album „The Best Of Me“ interpretierte er seine alten Hits neu, etwa „Together Forever“ als Piano-Version. „Das hat Spaß gemacht. Dadurch ist mir aber auch klar geworden, wie gut Stock Aitken Waterman waren. Ihr Trick war es, die Songs simpel wirken zu lassen. Dabei waren sie das aber gar nicht.“

Astley liebt es, Songs anderer Künstler zu covern. „Manchmal muss man auf der Bühne ein bisschen Angst haben. Es darf sich nicht zu gemütlich anfühlen.“ Er hat bereits Swing-Konzerte mit Orchester gegeben und spielt mit einer Punkrock-Midlife-Crisis-Rockband. „Ich bin insgeheim halt auch ein begeisterter Schlagzeuger. Deshalb höre ich viel Musik von Bands mit großartigen Drummern.“

Einflüsse und Ratschläge

Privat hört Astley gerne Bill Withers, Al Green, The Smiths, Roxy Music, die Beatles, Bowie und Harry Styles. „Ich bin wirklich immer sehr gespannt darauf, was er als Nächstes macht.“

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Jungen Musikern rät er: „Sucht euch einen guten Anwalt!“ Im Ernst: „Triff deine Entscheidungen basierend darauf, was du liebst und was du wirklich tun willst. Anerkennung für meine Arbeit, Ruhm oder Geld habe ich nie bekommen, wenn ich ihnen nachgejagt bin.“

Rick Astley tritt am 4. August im Rahmen seiner „Summer Shows 2026“-Tour im Tanzbrunnen in Köln auf.