Sandra, die mit Hits wie „Maria Magdalena“ weltberühmt wurde, ist einer der Stars der Konzertreihe „Die 80er live“. Im Interview mit ntv.de spricht die Sängerin über ihre Heilung vom Krebs, die anhaltende Faszination des Jahrzehnts und ihre Abneigung gegen Reality-TV.
Die 80er: Eine besondere Zeit
„Die 80er-Jahre waren einfach eine ganz besondere Zeit“, sagt Sandra. „An sie erinnert sich jeder gern zurück. Auch politisch war das in meiner Erinnerung eine coole Zeit. Und für die Leute hier auf dem Festival war es halt ihre Jugend.“ Dass viele jüngere Menschen das Festival besuchen, führt sie auf die starken Songs und die Anfänge der Musikvideos zurück: „In den 80ern gab es halt auch wahnsinnig gute Songs. Und es war die Zeit, in der man damit angefangen hat, tolle Videos für die Künstler zu machen. TV-Shows und Sender wie MTV haben diese Videos gezeigt. So konnte man sich mit den Künstlern identifizieren.“
Auch wenn Sandra oft als 80er-Ikone bezeichnet wird, hatte sie bereits in den 70ern als Teil von Arabesque großen Erfolg: „Mit ihr haben wir schon sieben Millionen Platten verkauft.“ Dennoch identifiziert sie sich mit dem Begriff: „Auf jeden Fall! Da ging es erst richtig los – weltweit und mit mir als Solokünstlerin.“
Keine Nostalgie, keine neuen Songs
Anders als viele Fans empfindet Sandra keine Nostalgie: „Ach, ich bin ja immer in Kontakt mit den Songs. Da habe ich kein Nostalgiegefühl. Das sind halt meine Songs, die ich auf der Bühne präsentiere und die immer gut ankommen.“ Neue Musik zu machen, lehnt sie ab: „Ich habe 13 Alben gemacht und habe so viele Hits, dass ich damit ein Programm von zweieinhalb Stunden live mit Band füllen kann. Weshalb sollte ich da jetzt noch neue Songs machen, wenn alle eh die Hits hören wollen und beleidigt wären, wenn ich ihren Favoriten nicht singen würde?“
Auf dem Festival tritt sie unter anderem mit Boy George und Holly Johnson auf. „Kennt man sich da eigentlich untereinander?“, fragt der Interviewer. Sandra antwortet: „Ja, schon, zumindest vom Sehen. Boy George habe ich schon damals bei MTV getroffen, Nik Kershaw war immer bei Peter Illmann. Ihn kenne ich ganz gut, mit ihm habe ich mich auch immer gut unterhalten.“
„Maria Magdalena“: Der Signature Song
„Maria Magdalena“ ist ihr bekanntester Song. Auf die Frage, ob sie ihn nicht leid sei, antwortet sie: „Mir geht das genauso wie Marian Gold. Ich spiele das Lied auch immer als Erstes, denn es hat natürlich sofort einen Wiedererkennungswert. So wissen auch die Letzten, die es noch nicht ganz mitbekommen haben, wer da jetzt oben steht. (lacht) Und dann geht es ab.“ Live präsentiert sie den Song modernisiert: „Wir haben ihn vom Sound her natürlich modernisiert und ein bisschen Rockpop daraus gemacht. Meine Band spielt ja fantastisch. Ich finde, ich habe zum Beispiel den besten Drummer aller Zeiten. Darauf bin ich natürlich auch stolz.“
Der Song wurde von Hubert Kah mitgeschrieben, der sich jedoch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat: „Nein, gar nicht. Keiner weiß, wo er steckt. Keiner weiß, was mit ihm los ist. Er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ich weiß nicht, wo er wohnt und auch sonst nichts über ihn.“
Kein Reality-TV, keine Castingshows
Andere Stars aus den 80ern waren im Reality-TV zu sehen, aber Sandra lehnt das strikt ab: „Nein! Das halte ich auch überhaupt nicht für relevant für mich. Was soll ich da? Alles bin ich, aber so was nicht. Never ever würde ich in eine Show wie das Dschungelcamp oder dergleichen gehen.“ Auch als Jurorin in Castingshows oder bei „Sing meinen Song“ war sie nie zu sehen: „Ja. Ich hatte genügend Anfragen, habe aber immer gesagt: ‚Mache ich nicht.‘ Es ist nicht mein Ding. Ich mache das, worin ich gut bin und mich wohlfühle. Bei so etwas fühle ich mich nicht wohl.“
Sie kritisiert die heutige Leichtigkeit des Erfolgs: „Ich habe in meinem Leben wirklich hart gearbeitet. Damals gab es noch kein Internet. Ich musste für meine Bekanntheit hart kämpfen. Ich habe alles mitgemacht, in allen Ländern, eine TV-Show nach der anderen. Heute machst du einen Klick, setzt irgendwas ins Internet und hast einen Hit. Da bin ich sauer. (lacht) Ich möchte mit diesen Leuten, die keine Lebenserfahrung haben, eigentlich nichts zu tun haben. Sie sollen ruhig ihr Ding machen, aber mein Ding war etwas anderes. Ich gehöre noch zu der Generation, die für ihren Erfolg gefightet hat.“
Rückzug aus Ibiza wegen Hitze
Nach 35 Jahren auf Ibiza lebt Sandra seit einem Jahr wieder in München: „Auf Ibiza war es mir zu heiß. Ich habe es nicht mehr ausgehalten und mir gedacht: ‚Wenn ich mich hier nur noch in Räume mit Aircondition zurückziehe, kann ich auch nach Deutschland gehen.‘ Und jetzt haben wir auch hier schon wochenlang 40 Grad Hitze. Ich habe in meiner Dachwohnung 43 Grad im Schlafzimmer gemessen. Ich bin fast umgefallen. Auch da muss ich mir jetzt erst mal eine Aircondition einbauen lassen. Wahnsinn!“
Ihr Geld gibt sie gern für Bühnenoutfits aus: „Für schöne Bühnenoutfits. Dafür habe ich immer noch eine Schwäche.“
Krebs: Geheilt und glücklich
Vor knapp zehn Jahren erhielt Sandra eine Brustkrebs-Diagnose. Heute geht es ihr gut: „Super. Alles bestens. Ich bin geheilt und habe es hinter mir. Ich habe es geschafft und bin glücklich.“ Die Krankheit habe ihre Sicht auf das Leben nicht verändert: „Überhaupt nicht. Ich habe das gar nicht zu nah an mich ran gelassen, weil man sonst verzweifelt. Ich habe mich abgelenkt über meine Musik und meine Konzerte, als das wieder ging. Ich hatte ja auch die Haare verloren, mir aber geschworen: ‚Ich werde nie mit einer Perücke auf die Bühne gehen.‘ Es waren schon ein paar harte Jahre. Aber da musst du durch. Es bleibt dir ja nichts anderes übrig: durchgehen oder aufgeben. Und Aufgeben ist nicht mein Ding.“
Nach dem Festival geht sie mit ihrem Sohn essen: „Mein Sohn ist heute mit ein paar Kumpels da. Das ist ganz selten der Fall. Er lebt in Den Haag, der andere lebt in Lissabon. Wir gehen heute Abend zusammen essen.“
Das Festival „Die 80er live“ findet am 25. Juli in Gelsenkirchen und am 8. August in Frankfurt statt. Auch 2027 wird es in mehreren Städten Station machen, darunter Hamburg und Köln. Zudem ist eine Kreuzfahrt nach Norwegen mit vielen 80er-Jahre-Stars geplant.



