Singapur verhängt Einreiseverbot gegen Massive Attack
Singapur verhängt Einreiseverbot gegen Massive Attack

Es war ein Auftritt mit Folgen: Bei ihrem Konzert am vergangenen Mittwoch im Star Theatre in Singapur zeigte die britische Band Massive Attack eine palästinensische Flagge. Ein Musiker rief zudem „Free Palestine“. Die Behörden reagierten hart. Noch nach dem Auftritt wurden die Musiker von der Polizei festgehalten, voneinander getrennt und einzeln befragt. Auch Durchsuchungen der Hotelzimmer und eine vorübergehende Beschlagnahmung der Reisepässe gehörten zu den Maßnahmen.

Auf Instagram meldete sich die Band wenig später zu Wort. „Wir sind überrascht und enttäuscht darüber, dass unsere gesamte Band von der Polizei festgehalten, voneinander getrennt und einzeln befragt wurde“, hieß es in dem Statement. Die Musiker zeigten sich auch über die Durchsuchungen und die Beschlagnahmung ihrer Reisepässe befremdet. Massive Attack bezeichnete die Ereignisse nach dem Konzert als „surreale Erfahrung“.

Ermittlungen und Einreiseverbot

Die Polizei von Singapur leitete Ermittlungen gegen Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall ein. Die beiden Musiker erhielten eine „ernste Verwarnung“ wegen möglicher Verstöße gegen Gesetze zur Kontrolle ausländischer Symbole und zur öffentlichen Ordnung. In einer offiziellen Mitteilung der Singapore Police Force heißt es: „Beiden Männern wird zudem die Wiedereinreise nach Singapur verboten.“ Damit ist ein erneutes Konzert der Band in dem Stadtstaat vorerst ausgeschlossen – und das Einreiseverbot wirkt faktisch wie ein Auftrittsverbot.

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Strenge Regeln für ausländische Symbole

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die restriktive Rechtslage in Singapur. In dem südostasiatischen Stadtstaat ist das öffentliche Zeigen ausländischer Flaggen, Symbole oder Banner ohne Genehmigung verboten. Die Polizei begründete ihr Vorgehen nicht nur mit der Flagge, sondern auch damit, dass es sich um die Unterstützung einer politischen Sache gehandelt habe. „Die Polizei nimmt Handlungen, die den ethnischen und religiösen Frieden in Singapur gefährden könnten, sehr ernst und appelliert an die Öffentlichkeit, insbesondere an Ausländer, sich von der Einfuhr ausländischer Politik fernzuhalten“, erklärten die Sicherheitskräfte. Solche Handlungen könnten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Rechtsstaatlichkeit untergraben.

Die strikte Auslegung dieser Regeln dürfte auch andere Künstler abschrecken, politische Symbole auf die Bühne zu bringen. Singapur zeigt mit dem Fall Massive Attack, dass es bei Verstößen keine Kompromisse macht. Ausländische Gäste müssen mit drastischen Konsequenzen rechnen – bis hin zur Einreisesperre. Auch für künftige Tourneen in der Region hat das Vorgehen Bedeutung, da Singapur als Konzertstandort in Südostasien eine wichtige Rolle spielt.

Band zeigt sich unbeirrt

Die Musiker von Massive Attack zeigen sich derweil stolz auf ihre Geste. Sie hätten gemeinsam mit ihren Fans in Singapur ein Zeichen der Solidarität mit den Palästinensern gesetzt, ließ die Band verlauten. In einer Stellungnahme betonte sie: „Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass das bloße Hochhalten einer Flagge eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt wird, einen Gesetzesbruch darstellen könnte.“ Massive Attack ist seit Langem für ihre Unterstützung der Palästinenser und ihre Kritik an Israel bekannt. Politische Symbolik gehört für die Trip-Hop-Band, die als Pionier des atmosphärischen Elektronik-Sounds aus Bristol gilt, zum Selbstverständnis.

Hintergrund: Politische Tradition der Band

Massive Attack haben sich immer wieder zu politischen Themen geäußert. Solidarität mit den Palästinensern und Kritik an Israels Politik sind wiederkehrende Motive bei der Band. Auf Konzerten nutzen die Musiker häufig Symbole, Banner oder Projektionen, um Aufmerksamkeit für politische Anliegen zu erzeugen. Dass ausgerechnet die palästinensische Flagge in Singapur zu einem Einreiseverbot führt, sehen die Musiker als unverhältnismäßig an. Sie argumentieren, dass es sich um die Flagge eines souveränen Staates handelt, der von 157 Ländern anerkannt wird.

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Ob Massive Attack rechtliche Schritte gegen das Einreiseverbot einleiten wird, ist unklar. Die Episode zeigt jedoch, wie schnell eine symbolische Geste in einem streng regulierten Stadtstaat zu einer diplomatischen Frage werden kann. Für die Band bleibt der Auftritt in Singapur damit eine bleibende Erinnerung – und eine Lehre darüber, wie unterschiedlich politische Symbole weltweit bewertet werden.