Warum Läufer beim 10-Kilometer-Lauf so viel Spaß am Leiden haben
Warum Läufer so viel Spaß am Leiden haben

Mehr als 14.000 Läuferinnen und Läufer gingen bei der Adidas Runners City Night 2026 in Berlin an den Start. Viele nutzten das Event, um persönliche Bestzeiten zu attackieren. Doch ohne Leidensfähigkeit bleibt der Erfolg aus. Ein Kommentar.

Der versteckte Anstieg auf dem Kudamm

Wer über den Kurfürstendamm spaziert, vom Abzweig Lewishamstraße in Richtung S-Bahnhof Halensee, der merkt sie wahrscheinlich kaum: die leichte Steigung, die sich hier versteckt. Das ändert sich, wenn man das Tempo erhöht. Dann spürt man plötzlich, dass es schwerer wird, die Beine hochzuheben und die Geschwindigkeit zu halten. Genau in diesem Moment dachte ich am vergangenen Wochenende: Die nächste knappe halbe Stunde wird hart.

Am Samstagabend fand auf dem Kudamm die jährliche Adidas Runners City Night statt, bei der Läufer über fünf und zehn Kilometer starten können. Die Strecke verläuft, von drei U-Turns abgesehen, fast nur geradeaus. Die Stimmung am Rand ist, besonders auf den ersten und letzten Kilometern, so wie man es von Berlin kennt. Sobald ich Musik, Trommeln und Jubel höre, fällt es mir leichter, die Anstrengung länger auszuhalten.

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Warum zehn Kilometer härter sind als ein Marathon

Weg ist die Anstrengung dadurch nicht. Das gilt gerade für kürzere Distanzen. Beim Marathon fühlen sich die ersten 20 bis 25 Kilometer relativ angenehm an, Gespräche sind nebenbei möglich. Danach wird es für Beine und Kopf schwerer, wegen der langen Dauer. Der Puls bleibt jedoch bis zu den letzten Kilometern in einem erträglichen Bereich. Beim Zehn-Kilometer-Lauf ist das anders: Schon ab Kilometer 4 stoße ich in Pulswerte vor, die ich beim Marathon vielleicht nach Kilometer 41 erreiche.

Der Tempo-Unterschied zwischen den beiden Distanzen – bei mir im Schnitt rund eine Minute pro Kilometer – macht sich nicht nur in Zahlen, sondern auch im Gefühl bemerkbar. Ich muss mich deutlich mehr quälen, um das Tempo zu halten. Und ich muss mich während des Rennens öfter an mein Ziel erinnern, um der Versuchung zu widerstehen, langsamer zu laufen.

Die wachsende Schwierigkeit, sich selbst zu unterbieten

Dabei spielt eine normale Entwicklung eine Rolle. Wer mit dem Laufen anfängt, wird relativ schnell besser, ohne viel dafür tun zu müssen. Allein kontinuierliches Joggen bringt etwas. Vor ein paar Jahren bemerkte ich einen ähnlichen Effekt, als ich mit regelmäßigem Intervalltraining begann. Die Leistungen verbesserten sich, ohne dass ich mich im Wettkampf übermäßig verausgaben musste. Doch auf kürzeren Distanzen, die ich schon öfter gelaufen bin, merke ich: Es wird schwieriger, sich immer weiter zu unterbieten. Es erfordert mehr Qual.

Natürlich spielt auch der Tagesform eine Rolle. Bei der Adidas Runners City Night merkte ich spätestens während des „Anstiegs“ auf dem Kudamm, dass dieser Tag nicht meiner war. Der gesamte Lauf fühlte sich nach Arbeit an, ich kam nie in einen richtigen Fluss. Experten raten in solchen Situationen, abzuwägen, ob sich das Leiden lohnt oder ob man Tempo herausnimmt und die Bestzeit aufs nächste Mal verschiebt.

„You paid for this!“ – Der Spaß an der Qual

Ich entschied mich, auf dem letzten Kilometer noch mal alles zu versuchen. Nicht mehr auf die Uhr schauen, nicht nachdenken, einfach laufen. Am Ende war ich exakt 19 Sekunden schneller als im Vorjahr. Ich hätte gern mehr herausgeholt, aber das Quälen hat sich gelohnt. Dabei musste ich an einen Spruch denken, den ich bei Läufen oft auf Plakaten lese: „You paid for this!“ Tatsächlich erscheint es abwegig, zu bezahlen, um sich selbst zu quälen. Aber nur so findet man heraus, wozu man in der Lage ist – und das ist oft mehr, als man denkt. Selbst oder gerade dann, wenn man keinen guten Tag erwischt.

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