Nach einer schweren Lungenentzündung und einem künstlichen Koma hat der Schlagerkomponist Ralph Siegel die Intensivstation verlassen. Der 80-Jährige wurde auf eine normale Station verlegt und gab der „Bild“-Zeitung ein Interview. „Verhältnismäßig geht es mir gut“, wird er zitiert.
Die Warnung des Arztes: „Einen Tag später und ich wäre tot gewesen“
In dem Gespräch machte Siegel deutlich, wie dramatisch seine Lage tatsächlich war. Sein behandelnder Arzt habe ihm gesagt, dass er nicht überlebt hätte, wäre er noch einen Tag länger in Spanien geblieben oder dort in ein Krankenhaus eingeliefert worden. „Einen Tag später und ich wäre tot gewesen“, sagte der Komponist wörtlich. Die Aussage verdeutlicht, wie kritisch der Zustand des Musikers bei seiner Rückkehr nach Deutschland gewesen sein muss.
Ralph Siegel war Anfang Juli aufgrund einer schweren Lungenentzündung in ein künstliches Koma versetzt worden. Erst vor rund zwei Wochen wurde bekannt, dass der Komponist wieder erwacht ist. Die Zeit auf der Intensivstation und die anschließende Wachphase haben den 80-Jährigen geschwächt, doch nun zeigt er sich kämpferisch.
Selbstkritik: „Ich habe unterschätzt, was fehlende Bewegung mit dem Körper macht“
Der Musiker sprach in dem Interview offen über seine gesundheitlichen Fehler der vergangenen Jahre. „Ich habe die letzten drei Jahre, bis auf ein paar Termine und meinen Geburtstag, eigentlich nur im Bett oder auf dem Sofa gelegen“, erklärte er. Er habe unterschätzt, wie wenig er sich bewegt habe und welche Folgen das für den Körper habe. Diese Einsicht ist Teil seines Weges zurück ins Leben – und zugleich eine Warnung an alle, die einen ähnlichen Lebensstil führen.
Der 80-Jährige will nun gezielt zu Kräften kommen. Wie lange er noch im Krankenhaus bleiben muss, ist unklar. Die behandelnden Ärzte dürften nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen vorsichtig sein, bevor sie eine Prognose abgeben.
Über 3000 Lieder und ein legendärer ESC-Sieg
Ralph Siegel zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Schlagerkomponisten und -produzenten. In seiner langen Karriere hat er rund 3.000 Lieder veröffentlicht. Sein bekanntester Hit ist „Ein bisschen Frieden“ – der Titel, mit dem die Sängerin Nicole 1982 den Eurovision Song Contest gewann. Der Sieg war ein Meilenstein für die deutsche Schlagergeschichte und machte Siegel über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.
Seine Kompositionen prägten Generationen von Schlagerfans. Die Tatsache, dass seine Lieder bis heute gespielt werden, zeigt, welchen Einfluss der gebürtige Münchner auf die deutsche Musikszene hat. Auch nach seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr arbeitete er weiter an neuen Projekten – bis seine Gesundheit ihn ausbremste.
Lungenentzündung im Alter: Ein unterschätztes Risiko
Die Erkrankung von Ralph Siegel macht auf ein Thema aufmerksam, das gerade für ältere Menschen eine große Rolle spielt: Lungenentzündungen können in hohem Alter lebensbedrohlich verlaufen. In Deutschland erkranken jedes Jahr Hunderttausende Menschen daran. Besonders gefährlich ist die Kombination aus Vorerkrankungen, geschwächtem Immunsystem und fehlender körperlicher Aktivität.
Im Fall von Siegel kam erschwerend hinzu, dass er sich während eines Aufenthalts in Spanien vermutlich nicht so schnell behandeln lassen konnte oder wollte. Nach Angaben des Komponisten hätte ein weiterer Tag ohne medizinische Versorgung fatale Folgen gehabt. Die Ärzte in Deutschland konnten den 80-Jährigen nach seiner Rückkehr rechtzeitig behandeln – und ihm das Leben retten.
Hoffnung für die Schlagerwelt
Die Nachricht von Siegels Besserung ist ein positives Signal für seine Fans und die Musikbranche. Ralph Siegel hat in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Künstler gefördert und Lieder geschrieben, die ein breites Publikum erreichten. Sein Comeback nach diesem schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag wäre eine bemerkenswerte Geschichte – und ein Zeichen, dass Schlager auch in schwierigen Zeiten verbindet.
Zunächst aber steht die vollständige Genesung im Vordergrund. Ralph Siegel selbst zeigt sich zuversichtlich. „Verhältnismäßig geht es mir gut“, sagte er der „Bild“. Diese Worte dürften alle beruhigen, die in den vergangenen Wochen um den Komponisten gebangt haben.



