Die iranische Fotografin Forough Alaei hat in einer neuen Serie den Kriegsalltag junger Menschen im Iran festgehalten. Ihre Bilder zeigen Künstlerinnen und Unternehmer, die unter Bomben, Unterdrückung und wachsender Not ums Überleben kämpfen. Die Aufnahmen dokumentieren, wie die Jugendlichen mit der allgegenwärtigen Angst umgehen – oft auf Pappe lebend, in improvisierten Behausungen.
Bomben und Unterdrückung prägen den Alltag
Alaei begleitete mehrere junge Iranerinnen und Iraner über Wochen. Die Bilder zeigen zerstörte Stadtviertel, provisorische Unterkünfte aus Wellpappe und Menschen, die trotz der widrigen Umstände ihrer Kreativität Ausdruck verleihen. Eine junge Künstlerin malt auf Kartons, weil Leinwände unerschwinglich sind. Ein Unternehmer verkauft selbstgebackenes Brot von einem Papptisch aus.
„Die Jugendlichen versuchen, sich einen Alltag zu schaffen, obwohl jeden Moment Bomben fallen können“, erklärte Alaei. „Sie nutzen Pappe als Baumaterial, als Malgrund, als Verkaufstheke – es ist das Symbol ihres Überlebens.“ Die Fotografin betonte, dass die wirtschaftliche Not die Menschen zwinge, extrem kreativ zu sein.
Wachsende Armut trifft die junge Generation
Die wirtschaftliche Lage im Iran hat sich laut offiziellen Angaben in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Die Inflation liegt bei über 40 Prozent, die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen bei etwa 25 Prozent. Viele Familien können sich keine Miete mehr leisten und ziehen in selbstgebaute Hütten aus Pappe und Plastik.
Alaei dokumentierte auch die Auswirkungen der internationalen Sanktionen. Medikamente sind knapp, Lebensmittel werden immer teurer. „Eine junge Frau erzählte mir, dass sie sich nur noch Brot und Tee leisten kann“, berichtete Alaei. „Trotzdem malt sie jeden Tag – um nicht zu verzweifeln.“
Kunst als Widerstand gegen die Angst
Die Fotografin zeigt, dass Kunst und Unternehmertum für viele Jugendliche ein Ventil sind. In Teheran gibt es heimliche Ausstellungen in Kellern, bei denen Werke auf Pappe gezeigt werden. Ein junger Programmierer entwickelte eine App, um Lebensmittelspenden zu koordinieren – ohne offizielle Genehmigung.
„Sie riskieren viel“, sagte Alaei. „Aber sie sagen, dass die Alternative – einfach abzuwarten – noch schlimmer ist.“ Die Bilder sind ein Zeugnis von Resilienz und Verzweiflung zugleich. Alaei hofft, dass ihre Arbeit die Aufmerksamkeit auf die Lage der jungen Iraner lenkt.
Internationale Reaktionen und Ausblick
Die Serie wurde bereits in mehreren internationalen Medien veröffentlicht. Menschenrechtsorganisationen fordern mehr Unterstützung für die Zivilbevölkerung im Iran. Die Fotografin plant, die Arbeit fortzusetzen und weitere Schicksale zu dokumentieren.
„Ich will zeigen, dass hinter den Zahlen echte Menschen stecken“, sagte Alaei. „Junge Menschen mit Träumen, die um ihr Überleben kämpfen – auf Pappe, aber mit ungebrochenem Willen.“



