Der Pazifikstaat Nauru heißt ab sofort offiziell Republik Naoero. Das gab Präsident David Adeang am vergangenen Mittwoch bekannt. Die Umbenennung ist Teil einer Verfassungsänderung, die das Parlament bereits im Mai verabschiedet hatte. Ein geplantes Referendum wurde jedoch für unnötig erklärt.
Ein Schritt für den Nationalstolz
Präsident Adeang betonte, die Umbenennung signalisiere „den Beginn eines wiedergewonnenen Nationalstolzes“. Sie ziele darauf ab, die nationale Identität und das kulturelle Erbe zu stärken. Der Inselstaat liegt nordöstlich von Australien und Papua-Neuguinea.
Ursprünglich war ein nationales Referendum geplant. Doch nach „ausführlichen Diskussionen“ entschieden die Abgeordneten, dass eine Volksabstimmung nicht erforderlich sei. „Die Entscheidung, kein Referendum durchzuführen, wurde nach reiflicher Überlegung getroffen, da Naoero kein neuer Name ist, der erst von der Bevölkerung akzeptiert werden muss“, erklärte Adeang. „Er ist bereits Teil der Identität der Bevölkerung, steht im Staatswappen und wird in der Gemeinschaft verwendet.“
Warum der alte Name verschwand
Europäische Kolonisatoren hatten den Namen des Landes in Nauru geändert, weil sie Schwierigkeiten hatten, die einheimische Bezeichnung Naoero auszusprechen. Laut einer früheren Regierungserklärung war dies eher eine Frage der Zweckmäßigkeit als eine bewusste Entscheidung.
Naoero wurde 1888 von Deutschland kolonialisiert, später von Australien verwaltet und 1968 unabhängig. In den Siebzigerjahren brachte der Phosphatabbau enormen Reichtum, bevor die Branche zusammenbrach und den Staat in den Neunzigerjahren in eine Wirtschaftskrise stürzte.
Ein Land im Kampf gegen den Klimawandel
Mit rund 12.000 Einwohnern ist Naoero nach Tuvalu und der Vatikanstadt das drittkleinste Land der Welt. Die Fläche von 21 Quadratkilometern entspricht etwa der norddeutschen Stadt Elmshorn. Das Korallenkalkstein-Atoll gehört zu den am stärksten vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Staaten.
Die Regierung hat ein Programm zur Erwerbung der Staatsbürgerschaft gegen Bezahlung gestartet, um ausländische Investitionen zu gewinnen. Die Einnahmen sollen die Umsiedlung der Bevölkerung und den Ausbau der Infrastruktur finanzieren.
Internationale Anerkennung und neue Codes
Die Regierung hat internationale Organisationen und Staaten offiziell über die Änderung informiert. Der Ländercode wird von NRU in NRO geändert, die Einwohner heißen künftig „dei-Naoero“ statt „Nauruaner“. Auch die Beschriftung staatlicher Flugzeuge und Schiffe wird angepasst.
Der Übergangsprozess läuft bereits, auch beim Auswärtigen Amt in Deutschland. Präsident Adeang betonte, bei der Entscheidung gehe es nicht um Politik, sondern um Identität, Kulturerbe und darum, „das Vermächtnis unserer Vorfahren zu bewahren und die Zukunft unserer Kinder zu stärken“.



