Die Provinz Belluno in den italienischen Dolomiten reagiert auf eine Reihe von Vorfällen mit unangemessenem Verhalten von Touristen und verstärkt ab sofort die Polizeipräsenz in besonders stark frequentierten Gebieten. Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen der Region Venetien, der Provinz Belluno und der Gemeinde Cortina d'Ampezzo. Die Maßnahmen gelten zunächst bis September und umfassen rund zehn zusätzliche Streifendienste pro Monat durch die Provinzpolizei, die die örtliche Gemeindepolizei unterstützt.
Rettungshubschrauber musste Landeanflug abbrechen
Auslöser für die verschärften Kontrollen war ein Vorfall, bei dem ein Rettungshubschrauber seinen Landeanflug abbrechen musste, weil eine Gruppe von etwa einem Dutzend Touristen eine ausgewiesene Notfall-Landezone als Liegefläche zum Sonnen nutzte. Der Hubschrauber war auf dem Weg zu einer Schutzhütte, um einer Person in Not zu helfen, und bereitete sich darauf vor, auf der mit einem großen „H“ markierten Fläche zu landen. Die Touristen bewegten sich jedoch keinen Millimeter, als sich der Helikopter näherte. Der Hubschrauber musste daraufhin seine Route ändern, was wertvolle Minuten kostete. Der Bergrettungsdienst forderte daraufhin die Hüttenbetreiber auf, die Landeflächen zu kontrollieren und Personen zum Freimachen aufzufordern.
Regionalpolitiker fordert hohe Strafen
Der Vorfall löste scharfe Reaktionen in der Regionalpolitik aus. Dario Bond, Regionalrat für die Berge Venetiens, bezeichnete das Verhalten als „unzivilisiert“ und „inakzeptabel“. Er betonte: „Es ist inakzeptabel, dass es Menschen gibt, die nicht verstehen, dass die Landeplätze keine ‚Zementstrände‘ sind. Für diejenigen, die die Gesundheit anderer gefährden und damit auch unsere Berge missachten, sind sehr hohe Strafen erforderlich.“ Bond setzt sich seit langem gegen „ungezogene Touristen“ ein.
Besucherzahlen steigen rasant
Hauptursache für die Probleme ist der Anstieg der Besucherzahlen. Nach Angaben der Behörden kamen im Jahr 2025 rund 1,12 Millionen Menschen in das Berggebiet der Provinz Belluno – elf Prozent mehr als im Vorjahr. Nach den Olympischen Winterspielen in Cortina im Februar 2026 ist die Popularität der Bergregion weltweit rasant gestiegen. Vor allem auf stark frequentierten Routen, wie der zum Sorapis-See, kommt es regelmäßig zu Überlastungen. Die Gemeinde warnt vor gefährlichen Situationen durch Gedränge, unzureichende Ausrüstung und fehlende Erfahrung vieler Besucher.
Maßnahmen zielen auf Sensibilisierung ab
Bei den Maßnahmen geht es nach Angaben der Behörden nicht vorrangig um Strafen, sondern um die verstärkte Präsenz, um Besucher zu sensibilisieren und riskantes Verhalten frühzeitig zu verhindern. Geldbußen seien zwar möglich, stünden jedoch nicht im Vordergrund. So wird darauf hingewiesen, dass selbst organische Abfälle wie Obstschalen nicht im Wald entsorgt werden dürfen, da sie Wildtiere anlocken und deren Verhalten nachhaltig verändern können. Auch das Wildcampen bleibt verboten; wer in den Bergen übernachten möchte, soll Berghütten nutzen. Für das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt stellt die Kommune rund 20.000 Euro bereit. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte es später auf weitere touristisch stark belastete Regionen der Provinz Belluno ausgeweitet werden.



