Peter Kadiru (29) hat seinen Traum vom WM-Titel im Schwergewicht verloren. Der Hamburger Boxer verlor am Samstagabend in Moskau gegen Titelverteidiger Murat Gassiev (32) durch technischen K.o. in der sechsten Runde. Trainer Christian Morales warf das Handtuch, nachdem Gassiev Kadiru in der Ringecke gestellt und mit einem Schlaghagel eingedeckt hatte. Es war die zweite Niederlage in Kadirus Profikarriere.
Kurzfristige Chance ohne Vorbereitung
Kadiru war nur eine Woche vor dem Kampf als Ersatz eingesprungen. Ursprünglich sollte Gassiev gegen den Franzosen Tony Yoka (34) boxen, doch der Olympiasieger verletzte sich am Rücken. Kadiru sagte spontan zu, obwohl er keine spezifische Vorbereitung auf einen WM-Kampf hatte. Nach seinem Punktsieg am 15. Mai in Mannheim gegen Senad Gashi hatte er Urlaub gemacht und erst zwei Wochen vor dem Kampf wieder mit dem Training begonnen. Eine normale Vorbereitung auf einen WM-Kampf dauert rund zwölf Wochen. Am Mittwoch erhielt Kadiru in der russischen Botschaft in Berlin das Visum und flog mit seinem Team der Promotion „Ringside Zone“ über Istanbul nach Moskau.
Kampfverlauf: Kadiru chancenlos
Kadiru marschierte mit 116,7 Kilo Kampfgewicht in den Ring – so viel wie noch nie. Gegen den austrainierten Titelverteidiger hatte er nie eine Chance. Gassiev hatte sich akribisch auf zwölf harte Runden vorbereitet und machte nach ruhigem Beginn Druck. Kadiru war sichtlich bemüht, mit seinen Kräften hauszuhalten, ließ sich aber zu oft zurückdrängen und war mit den Ringseilen im Rücken ein leichtes Ziel. Für mehr als ein paar Offensiv-Aktionen reichte die Luft nicht.
Die einzelnen Runden im Überblick:
1. Runde: Beide Kämpfer lassen es ruhig angehen, testen den Gegner. Kadiru steht geschlossen hinter der Doppeldeckung und versucht ab und zu seinen Jab zu etablieren. Gassiev schlägt viel auf die Deckung, bringt aber ein, zwei Haken durch. Eine enge Runde.
2. Runde: Kadiru beginnt aktiver, aber die Runde geht klar an den Russen. Kadiru lässt sich schnell nach hinten ins Ringseil drängen. Gassiev versucht, die Deckung zu durchpowern. Kadiru ist zu statisch, bietet so ein leichtes Ziel.
3. Runde: Gassiev erhöht das Tempo, kommt immer wieder hart über außen durch. Wieder steht Kadiru zu passiv, haut kaum zurück. In der letzten Minute kann er sich zwar ein bisschen befreien, aber das Tempo des Titelverteidigers ist zu hoch. Kadiru atmet schwer durch den Mund.
4. Runde: Kadiru kommt aus der Ecke und lässt sich diesmal nicht nach zurückdrängen. Gassiev schlägt weiter deutlich mehr und macht Druck. Der Herausforderer antwortet mit mehreren guten Händen. Die beste Runde des Hamburgers.
5. Runde: Wieder beginnt Kadiru aktiver und hält dagegen. Dann schüttelt ihn ein Aufwärtshaken von Gassiev durch, der durch die Doppeldeckung kracht. Kadiru steht zu viel am Ringseil. 30 Sekunden kann er sich vom Druck befreien. Der Kopf will, die Beine können nicht. In der Runden-Pause pumpt Kadiru in der Ecke kräftig, wird ausgepowert.
6. Runde: Für eine Minute reicht die Power. Dann stellt Gassiev Kadiru in der Ecke und bringt knallharte Doubletten durch. Nach einem Schlaghagel wirft Trainer Christian Morales das Handtuch und bewahrt seinen Schützling vor einem schweren K.o.
Bibelvers als Motivationsspruch
Trainer Christian Morales trug beim Einmarsch in die Arena ein schwarzes T-Shirt mit einem Bibelvers aus dem Philipper-Brief: „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.“ Doch ohne richtiges Training half auch das nichts. Kadirus WM-Traum war nach der sechsten Runde vorbei.



