Der frühere Emir des Golfstaats Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani, ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren, wie der Sitz des Emirs mitteilte. Sein Tod sei ein „großer Verlust für die Nation“, hieß es in der offiziellen Erklärung. Scheich Hamad hatte Katar fast 20 Jahre lang regiert und war der Vater des aktuellen Emirs, Tamim bin Hamad Al Thani.
Unblutiger Putsch und freiwillige Machtübergabe
Hamad bin Chalifa Al Thani, geboren 1952, übernahm die Macht 1995 durch einen unblutigen Putsch von seinem Vater. Er regierte das Land bis 2013, als er die Herrschaft freiwillig an seinen Sohn übergab – ein in der Monarchie Katars äußerst ungewöhnlicher Schritt. Während seiner Regentschaft reformierte und modernisierte Scheich Hamad den kleinen Staat am Persischen Golf erheblich und vergrößerte dessen diplomatischen Einfluss.
Erdgas, Fußball-WM und Al Jazeera
Unter seiner Führung wurde die Produktion von Erdgas massiv ausgebaut. Heute zählt Katar zu den weltweit größten Exporteuren von Flüssigerdgas. Hamad bin Chalifa Al Thani lockte zudem internationale Investitionen ins Land und war maßgeblich daran beteiligt, dass Katar 2010 den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 erhielt. Darüber hinaus gründete er den Nachrichtensender Al Jazeera, der sich zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Medien der arabischen Welt entwickelte.
Familie und Nachlass
Scheich Hamad hinterlässt drei Frauen und insgesamt 24 Kinder. Die Herrscherfamilie Al Thani hatte die Kontrolle über Katar bereits im 19. Jahrhundert übernommen. Das Land stand bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1971 unter britischem Protektorat. Der Tod des früheren Emirs markiert das Ende einer Ära tiefgreifender Veränderungen für den Golfstaat.



