Infantino droht Entmachtung: Asien als Gefahr
Infantino droht Entmachtung aus Asien

Gianni Infantino (56) droht die Entmachtung aus Asien: Nur wenige Monate vor dem Fifa-Kongress in Rabat mehren sich die Anzeichen, dass seine Wiederwahl keineswegs so sicher ist wie angenommen. Die Bewerbungsfrist für das Amt des Fifa-Präsidenten endet am 18. November, die Wahl findet am 18. März 2027 in Marokko statt. Bislang ist Infantino zwar der einzige Kandidat, doch sein umstrittener Alleingang beim WM-Investoren-Plan hat ihm mächtigen Gegenwind eingebracht – und aus Asien droht nun die größte Gefahr.

Infantinos Plan gescheitert: WM-Investoren-Deal mit Trump-Clan

Der Kern des Konflikts: Infantino wollte rund 20 Prozent der kommerziellen Rechte an der WM über eine neue Fifa-Tochtergesellschaft an private Investoren verkaufen – konkret an den Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Diesen Plan hatte er ohne Absprache mit den Kontinentalverbänden vorangetrieben und sogar eine Frist bis zum 19. September gesetzt, bis zu der die 211 Mitgliedsverbände zustimmen sollten. Die Reaktion war heftig: Die 55 europäischen Nationalverbände drohten geschlossen mit einem WM-Boykott, auch die Verbände aus Asien (AFC), Nord- und Mittelamerika (Concacaf), die Europäische Klub-Vereinigung (EFC) und die internationale Spielergewerkschaft Fifpro protestierten.

Am Ende knickte Infantino ein und gab seinen Plan auf. Doch das Misstrauen bleibt groß. Kritiker werfen ihm vor, wichtige Entscheidungen im Hinterzimmer zu treffen und den Fifa-Rat zu übergehen. So hatte er auch die Aufstockung der WM 2030 auf 64 Teams ohne jede Absprache vorangetrieben und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die am 11. September vorliegen soll.

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Uefa plant Gegenstrategie – doch die Gefahr kommt aus Asien

Die Uefa will nun in Abstimmung mit den anderen Konföderationen einen Plan entwickeln, „um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Keine Option sollte ausgeschlossen werden“, wie es aus europäischen Funktionärskreisen heißt. Doch die größere Bedrohung für Infantino lauert in Asien – aus zwei Gründen.

Nasser Al-Khelaïfi: Der Gegenkandidat aus Katar

Erstens: Nasser Al-Khelaïfi (52), Präsident von Paris Saint-Germain und Boss der Europäischen Klub-Vereinigung (EFC), wird hinter den Kulissen als aussichtsreichster Gegenkandidat gehandelt. Al-Khelaïfi gilt als Gegenentwurf zum autokratischen Führungsstil Infantinos. Als EFC-Chef hat er für mehr Demokratie in der europäischen Klub-Landschaft gesorgt, obwohl sein eigener Klub PSG zu den Topvereinen gehört. Sein Vorteil: Er kennt die Bedürfnisse der Europäer im Weltfußball genau und könnte neben den 47 Stimmen aus Asien auch mit den 55 Stimmen der Uefa rechnen. Zieht die Concacaf (41 Stimmen) mit, käme er auf insgesamt 143 Stimmen – eine klare Mehrheit.

Allerdings: Aus seinem EFC-Umfeld verlautet, dass eine Kandidatur nur infrage käme, wenn er darum gebeten würde und sicher sein könne, gegen Infantino zu gewinnen. Auch Bundesliga-Bosse wie Jan-Christian Dreesen (FC Bayern), Fernando Carro (Leverkusen) und Oliver Mintzlaff (Red Bull) loben Al-Khelaïfis Geradlinigkeit und kommunikative Kompetenz – Eigenschaften, die Infantino laut Kritikern fehlen.

Saudi-Arabien: Verbündeter mit Potenzial zum Gegner

Zweitens: Saudi-Arabien. Infantino hatte sich durch seinen gescheiterten WM-Deal mit dem Trump-Clan das Verhältnis zu einem seiner engsten Verbündeten verscherzt. Die Saudis hatten ihm zuvor geholfen, als er für seine aufgeblähte Klub-WM 2025 in den USA eine Milliarde US-Dollar benötigte. Der saudische Staatsfonds investierte eine Milliarde Dollar in den Streamingdienst DAZN, der dafür die Übertragungsrechte am Turnier kaufte. Infantino hatte mehrfach betont, wie wichtig die Investitionen Saudi-Arabiens in den Fußball seien.

Nun aber, so verlautet aus europäischen Funktionärskreisen, dürfte die Entscheidung für den Trump-Clan das Verhältnis zu Kronprinz Mohammed bin Salman (40) mindestens belasten. Die Saudis könnten mit ihrer immensen Finanzkraft und ihrem Einfluss in Asien und Afrika eine mögliche Reaktion zeigen, die Folgen für Infantinos Zukunft haben könnte.

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Infantinos Fehltritte: Von Trump-Friedenspreis bis Klub-WM

Infantinos umstrittene Entscheidungen reihen sich aneinander: der erfundene Fifa-Friedenspreis für Donald Trump im Dezember 2025, der 2018 gescheiterte Versuch, die neue Klub-WM und eine globale Nations League an einen Investor aus Saudi-Arabien zu verkaufen, und die Idee einer WM alle zwei Jahre. Sein neuester Vorstoß, die WM-Rechte zu verkaufen, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nur Afrikas Verband (CAF) signalisierte Unterstützung für den Plan.

Ob Infantino diese Krise übersteht, ist fraglich. Die Uhr tickt: Bis zum 18. November können sich Gegenkandidaten melden. Al-Khelaïfi wäre der wahrscheinlichste – und gefährlichste. Und die Saudis könnten mit ihrer Reaktion das Zünglein an der Waage spielen.