Die japanische Regierung hat angesichts des anhaltenden Kursverfalls des Yen erneut mit einem Eingreifen am Devisenmarkt gedroht. Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte am Freitag im Parlament, Japan behalte sich das Recht vor, „entschlossene Maßnahmen“ gegen eine übermäßige Volatilität zu ergreifen.
Yen fällt auf Schmerzgrenze
Am Mittwoch war die japanische Währung erstmals seit Ende April wieder auf die Marke von 160 Yen pro Dollar gefallen. Dieser Wert gilt an den Finanzmärkten als Schmerzgrenze, ab der staatliche Interventionen als wahrscheinlich gelten. Gleichzeitig offenbarten offizielle Daten, dass die massiven Stützungskäufe der vergangenen Wochen tiefe Löcher in die Staatskasse gerissen haben.
Währungsreserven schrumpfen drastisch
Die Währungsreserven Japans sanken im Mai um 5,6 Prozent oder 77,1 Milliarden Dollar auf 1,306 Billionen Dollar, wie das Finanzministerium mitteilte. Dies ist der stärkste jemals verzeichnete Rückgang. Bereits in der Vorwoche hatten Daten gezeigt, dass Japan seit Ende April 11,7 Billionen Yen (rund 73 Milliarden Dollar) zur Stützung der Währung ausgegeben hatte. Um dies zu finanzieren, wurden offenbar in großem Umfang ausländische Wertpapiere abgestoßen: Deren Bestände schrumpften um 75,6 Milliarden auf 931,7 Milliarden Dollar.
„Es scheint, dass US-Staatsanleihen verkauft wurden, um die Marktinterventionen zu finanzieren“, sagte Tsuyoshi Ueno, Chefökonom beim NLI Research Institute. Tokio habe bereits signalisiert, dass es bereit sei, US-Papiere für solche Operationen zu verkaufen. Japan verfügt nach China über die weltweit zweitgrößten Währungsreserven.
Spekulationen als Treiber der Yen-Schwäche
Finanzministerin Katayama zufolge wird der Wechselkurs zwar von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Seit Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran im Februar seien die starken Schwankungen jedoch zu einem großen Teil auf Spekulationen zurückzuführen. Japan und die USA stünden in engem Kontakt. Gemäß einer im vergangenen September unterzeichneten gemeinsamen Erklärung habe Tokio das Recht, bei extremen Marktbewegungen einzugreifen.
Ministerpräsidentin Sanae Takaichi betonte in derselben Parlamentssitzung, der beste Weg zur Stabilisierung des Yen sei langfristig die Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit Japans durch Investitionen in Wachstumsbranchen.



