Die Militärregierung Myanmars hat erstmals seit dem Putsch vor fünfeinhalb Jahren Aufnahmen veröffentlicht, die die inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi bei einem persönlichen Treffen mit einem ausländischen Vertreter zeigen. Die Bilder entstanden bei einem Besuch des Myanmar-Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Arnaud de Baecque. Nach Angaben des Staatsfernsehens fand das Treffen am Morgen (Ortszeit) statt, der Ort wurde jedoch nicht bekannt gegeben. Die Aufnahmen zeigen die 81-jährige Suu Kyi und De Baecque in einem holzvertäfelten Raum. Wann genau das Treffen stattfand, wurde nicht mitgeteilt; lediglich der Morgen wurde als Zeitraum angegeben.
Erstes öffentlich bekanntes Treffen mit einem Ausländer seit dem Umsturz
Seit dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 ist die frühere Regierungschefin von der Außenwelt abgeschirmt. Es gab immer wieder Spekulationen über ihren Gesundheitszustand und ihren Aufenthaltsort, aber kaum verlässliche Informationen. Die Militärregierung hatte Suu Kyi zuvor über Jahre hinweg weitgehend den Kontakt zur Außenwelt verwehrt. Der nun veröffentlichte Besuch des IKRK-Vertreters ist das erste Treffen mit einem ausländischen Repräsentanten, das öffentlich wurde. Das Rote Kreuz bestätigte den Termin in einer offiziellen Mitteilung: »Der Besuch erfolgte gemäß den Standards und Verfahren des IKRK für Besuche bei Inhaftierten. Dazu gehörte auch die Gelegenheit, mit Aung San Suu Kyi unter vier Augen zu sprechen.« Weitere Details zu den Gesprächsinhalten wurden nicht genannt. Das IKRK machte auch keine Angaben zum Ort des Treffens oder zur Dauer des Gesprächs. Der Besuch des Roten Kreuzes gilt als einer der wenigen unabhängigen Kontakte Suu Kyis seit ihrer Inhaftierung.
Sohn sieht einen Hoffnungsschimmer
Suu Kyis Sohn Kim Aris zeigte sich in den sozialen Medien vorsichtig optimistisch. Der 49-Jährige schrieb auf Facebook: »Dies ist ein wichtiger erster Schritt, aber er darf nicht der letzte sein.« Er hoffe, dass der Besuch zu einem besseren humanitären Zugang, direktem Kontakt mit seiner Mutter, glaubwürdigen Informationen über ihr Wohlergehen und letztlich zu ihrer Freilassung führe.
Bereits Ende Juni hatte die Militärregierung Fotos von Suu Kyis 81. Geburtstag veröffentlicht, die sie beim Anschneiden eines Geburtstagskuchens zeigen. Auch damals blieb unklar, wo genau sich die Politikerin aufhält. Zuletzt wurde sie nach Behördenangaben Ende April aus einem Gefängnis in Hausarrest verlegt. Immer wieder hatte es Sorgen um ihre Gesundheit gegeben, unter anderem war von Herzproblemen die Rede.
Ein Leben im Zeichen des Widerstands
Aung San Suu Kyi war jahrzehntelang das Gesicht des gewaltlosen Widerstands in Myanmar. Für ihren Einsatz für Demokratie erhielt sie 1991 den Friedensnobelpreis. Bereits von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest, bevor sie nach der damaligen politischen Öffnung des Landes in die Regierung ging. Der Putsch 2021 beendete dieses Kapitel: Das Militär stürzte die demokratisch gewählte Regierung und nahm Suu Kyi fest. Später wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
Seit dem Umsturz steckt Myanmar in einer schweren Krise. Die Entmachtung der gewählten Regierung löste landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt aus. Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen die Junta prägen den Alltag der Menschen. Die humanitäre Lage ist nach Einschätzung von Hilfsorganisationen prekär.
Umstrittene Wahl und geplanter Thailand-Besuch
In diesem Jahr hat die Militärführung den Schein von Demokratie weiter aufrechterhalten: Nach einer international stark umstrittenen Wahl im Januar wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum Präsidenten erklärt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keine echte demokratische Legitimation, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht.
Die Veröffentlichung der Fotos von Aung San Suu Kyi kommt nur wenige Tage vor einem geplanten offiziellen Besuch Min Aung Hlaings im Nachbarland Thailand. Beobachter vermuten, dass die Militärjunta mit den Bildern versucht, nach außen hin Kooperationsbereitschaft und einen humanen Umgang mit der prominentesten Gefangenen zu demonstrieren. Ob dahinter eine tatsächliche politische Öffnung steht oder nur ein taktisches Manöver ist, bleibt ungewiss. Unabhängig überprüfen ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.



