Invasive Ausbreitung: Hufeisennattern vor Ibiza im Meer gesichtet
Vor der Küste Ibizas ist ein ungewöhnliches Phänomen zu beobachten: Hufeisennattern, die normalerweise an Land leben, wurden dabei gesichtet, wie sie durch das Meer schwimmen. Diese Schlangenart, die auf der Baleareninsel heimisch ist, macht sich auf den Weg zu benachbarten Inseln. Der Grund dafür ist besorgniserregend: Die Tiere finden immer seltener ihre Leibspeise, die örtliche Mauereidechse.
Warum schwimmen die Schlangen ins Meer?
Die Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis) ist eine wendige Schlange, die sich normalerweise von Eidechsen und kleinen Nagetieren ernährt. Auf Ibiza ist die Mauereidechse (Podarcis pityusensis) ihre Hauptnahrungsquelle. Doch diese Eidechsenpopulation ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen, vermutlich aufgrund von Lebensraumverlust und eingeschleppten Fressfeinden. Die Schlangen, die nun hungern, suchen neue Jagdgründe und nehmen dabei auch weite Strecken durch das Meer in Kauf.
Fachleute beobachten diese Entwicklung mit Sorge. „Die Hufeisennatter ist eine invasive Art, die auf den Nachbarinseln erhebliche Schäden anrichten kann“, erklärt ein Biologe der Universität Barcelona. Die Schlangen könnten dort einheimische Arten bedrohen, insbesondere andere Eidechsenarten, die auf den Inseln endemisch sind.
Besorgniserregende Folgen für das Ökosystem
Die Ausbreitung der Hufeisennatter könnte weitreichende Konsequenzen haben. Auf den Nachbarinseln wie Formentera oder Mallorca gibt es keine natürlichen Feinde für diese Schlangen. Sie könnten sich dort rasch vermehren und die lokale Fauna dezimieren. Besonders gefährdet sind die kleinen Eidechsenpopulationen, die oft nur auf einer einzigen Insel vorkommen.
Erste Sichtungen von Hufeisennattern im Meer wurden bereits dokumentiert. Einem Forscherteam gelang es, eine Schlange beim Schwimmen zu fotografieren. „Das war ein alarmierender Moment“, so der Forscher. „Wir wussten, dass sie schwimmen können, aber nicht, dass sie so weite Strecken zurücklegen.“
Was bedeutet das für den Tourismus?
Für Urlauber auf Ibiza und den umliegenden Inseln besteht derzeit keine unmittelbare Gefahr. Die Hufeisennatter ist nicht giftig und greift Menschen nur selten an. Dennoch könnte die Präsenz von Schlangen im Meer und an Stränden zu Beunruhigung führen. Die lokalen Behörden wurden bereits informiert und prüfen Maßnahmen, um die Ausbreitung zu kontrollieren.
Experten fordern nun ein schnelles Handeln. „Wir müssen verhindern, dass sich die Hufeisennatter auf weiteren Inseln etabliert“, betont der Biologe. „Dazu gehören Monitoring-Programme und möglicherweise die gezielte Entfernung von Schlangen in kritischen Gebieten.“ Die Situation zeigt, wie empfindlich Inselökosysteme auf Veränderungen reagieren und wie schnell sich invasive Arten ausbreiten können, wenn das natürliche Gleichgewicht gestört ist.



