Chinas Wirtschaft schwächelt. Mit einem offiziellen Wachstum von 4,3 Prozent im zweiten Quartal verfehlte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das von der Staatsführung ausgegebene Ziel. Lediglich die stark gestiegenen Exporte verhinderten ein noch schlechteres Ergebnis, wie Sabine Gusbeth in einem Kommentar analysiert. Doch die Exporte können die strukturellen Probleme kaum kaschieren.
Wachstum der zwei Geschwindigkeiten? Ein Trugbild
Lange war in China von einem Wachstum der zwei Geschwindigkeiten die Rede: Schnelle Zuwächse in Zukunftsbranchen wie Batterieproduktion oder Robotik und eine langsamere, aber dennoch positive Entwicklung in traditionellen Industriezweigen. Doch die Realität sieht anders aus. Viele einst wichtige Sektoren wie die Baubranche schrumpfen sogar. Ökonomen sprechen daher inzwischen von einer K-förmigen Entwicklung, bei der die Spitzenunternehmen in High-Tech-Bereichen boomen, während der Rest der Wirtschaft zurückfällt.
Zukunftsbranchen können Rückgang nicht kompensieren
Doch selbst dieses Bild täuscht. Es suggeriert, dass die Zuwächse in Zukunftssektoren den Rückgang in anderen Bereichen ausgleichen könnten. Das ist mitnichten der Fall. Die Staatsführung schmückt sich gerne mit den Erfolgen in Zukunftsbranchen, doch gesamtwirtschaftlich gesehen sind es noch zarte, wenn auch schnell wachsende, Pflänzchen. Sie können den Rückgang in den vielen traditionellen, oft beschäftigungsintensiven Industrien nicht wettmachen. Die Exporte, die derzeit boomen, verschleiern diese strukturelle Schwäche, anstatt sie zu lösen. China exportiert damit im Grunde seine Probleme – auf Kosten seiner Handelspartner und der eigenen wirtschaftlichen Stabilität.



