China stoppt Helium-Exporte: Versorgungsengpass trifft Chipindustrie
China stoppt Helium-Exporte wegen Versorgungsengpass

Das chinesische Handelsministerium und die Zollbehörde haben am Freitagabend Ortszeit einen sofortigen Exportstopp für das Edelgas Helium angekündigt. Gründe wurden in der dürren Mitteilung zunächst nicht genannt. Helium wird unter anderem zur Chipproduktion benötigt.

Hintergrund: Irankrieg beeinträchtigt Heliumproduktion in Katar

Aufgrund des Irankriegs gibt es Versorgungsengpässe, da aus Katar rund ein Drittel der weltweit produzierten Heliummenge stammt. Im März 2026 stoppte ein iranischer Drohnenangriff die Produktion am wichtigen katarischen Ras-Laffan-Terminal. China bezieht Experten zufolge mehr als die Hälfte seiner Heliumimporte aus dem Land.

Anders als bei den Exportbeschränkungen etwa für seltene Erden dürfte es sich bei dem nun erfolgten Embargo weniger um ein geopolitisches Druckmittel handeln, als vielmehr um den Versuch, die Versorgung der eigenen Industrie mit dem wichtigen Gas sicherzustellen, sagen Experten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Defensive Maßnahme zur Sicherung der heimischen Chipindustrie

Alicia Garcia-Herrero, Chefökonomin für den asiatisch-pazifischen Raum bei der französischen Investmentbank Natixis, hält den Schritt für eine „defensive Maßnahme“. Damit räume die Staatsführung „einer unterbrechungsfreien Versorgung“ heimischer Chiphersteller wie ChangXin Memory Technologies Priorität ein, sagte sie der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“.

Peking will strategisch wichtige Sektoren schützen. Das gelte insbesondere angesichts der steigenden Nachfrage nach Speicherchips durch den Boom der künstlichen Intelligenz. „Das ist klassische Ressourcensicherung für einen strategisch wichtigen Sektor“, sagte sie. Da China relativ wenig Helium exportiert, erwarten Experten nur wenig Auswirkungen der Maßnahme auf den Weltmarkt.

Chinas Abhängigkeit und Folgen des Irankriegs

Der Exportstopp macht deutlich, dass auch China in einigen Bereichen stark unter den Folgen des Irankriegs und der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus leidet. Die Staatsführung hat zwar die Abhängigkeit bei Öl und Gas von einzelnen Lieferanten durch eine starke Diversifizierung, aber auch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien reduziert. Dadurch ist das Land weniger als andere asiatische Länder von den Versorgungsengpässen betroffen.

Doch bei anderen Produkten wie Helium, aber auch Düngemitteln bekommt die Volksrepublik die Störungen in den Lieferketten zu spüren. Anders als bei anderen Rohstoffen hat China kaum Heliumreserven angelegt. Die Preise hätten sich mehr als verdoppelt, hieß es bereits im April in einem Bericht der auf China spezialisierten Analysegesellschaft Trivium. Mit dem vorläufigen Exportstopp versucht China, die Versorgung seiner Industrie sicherzustellen.

Reaktion des Industriegase-Verbands

Wie stark die chinesische Industrie davon betroffen ist, zeigt eine Reaktion des Industriegase-Verbands auf den Exportstopp. Er begrüßt den Schritt als „wichtige Maßnahme für die hochwertige Entwicklung der Helium- und verwandter Industrien“. Das Edelgas wird darin „als strategische Ressource in Schlüsselindustrien wie Halbleitern, medizinischer Magnetresonanztomografie (MRT), Glasfaserkommunikation sowie Luft- und Raumfahrt“ bezeichnet.

Zwar rechnet der Verband mit einer allmählichen Stabilisierung der Lage im Nahen Osten und einer Erholung. Dennoch zeige „die verstärkte Verwaltung der Heliumexporte, dass China im Bereich der Handelspolitik Maßnahmen ergreift, um Helium vorrangig den inländischen nachgelagerten Abnehmern bereitzustellen“, so der Verband.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration