Barcelona und das spanische Baskenland haben ihr Netz an Klimaschutzräumen auf jeweils über 500 Standorte ausgebaut. Diese öffentlichen Zufluchtsorte bieten kostenlose Abkühlung bei sommerlicher Hitze – ein Modell, das auch für andere europäische Städte interessant werden könnte.
Kostenlose Abkühlung in über 500 Klimaschutzräumen
Die Mittelmeermetropole Barcelona verfügt inzwischen über mehr als 500 sogenannte Klimaschutzräume, ebenso wie das Baskenland mit elf Städten und Gemeinden. Das Ziel: Im Sommer soll kaum jemand länger als zehn Minuten bis zum nächsten kühlen Ort brauchen. Dazu zählen Bibliotheken, Bürgerzentren, Parks, Museen, schattige Grünanlagen, Kulturzentren, Schulhöfe, öffentliche Schwimmbäder, Shoppingcenter und Einzelhandelsgeschäfte. Auch Apotheken gehören zum Netz. Ein Schild mit der Aufschrift „refugi climàtic“ am Eingang signalisiert, dass man sich hier in erfrischender Kühle ausruhen kann. Der Zutritt ist kostenlos, es gibt Sitzplätze und möglichst kostenlose Trinkwasserbrunnen.
Von 70 auf mehrere Hundert: Ausbau in Barcelona
Bürgermeister Jaume Collboni spricht vom „sozialen Akzent“ der Klimapolitik. Gemeint ist: Urbane Klimaanpassung soll nicht nur denen helfen, die eine gut isolierte Wohnung, eine Klimaanlage oder das Geld für eine Reise in kühlere Gegenden haben. Denn Hitze trifft zwar alle, aber nicht alle gleich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, Geringverdiener und Obdachlose. Wer in einer schlecht isolierten Wohnung oder in einem dicht bebauten Viertel mit wenig Grün lebt, bekommt hohe Temperaturen stärker zu spüren. Aus einem kleinen Pilotprojekt ist inzwischen ein weitreichendes Angebot geworden: 2020 gab es in Barcelona rund 70 solcher Orte, in diesem Sommer sind es bereits mehrere Hundert. Rund drei Viertel der Zufluchtsorte liegen in Innenräumen.
Hitzige Nächte und Todesfälle in Barcelona
Dass Barcelona sein Schutznetz ausbaut, hat einen handfesten Grund: Die Stadt heizt sich immer mehr auf. So wurden 2025 knapp 100 tropische Nächte gezählt, in denen die nächtliche Temperatur nicht unter 20 Grad sank. In 19 Nächten blieb sie sogar über 25 Grad. Nach Angaben der Stadt wurden im selben Jahr 370 Todesfälle mit der Hitze in Verbindung gebracht.
Baskenland: Strenge Kriterien für Klimaschutzräume
Auch das spanische Baskenland bereitet sich auf immer heftigere Hitzewellen vor. Die baskische Regionalregierung hat für die Klimaschutzräume Kriterien festgelegt: Ein Innenraum soll möglichst unter 26 Grad bleiben. Außen braucht es Schatten, Vegetation und Luftbewegung. Der Zugang muss kostenlos sein, auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen die Orte nutzen können. Die Idee dahinter: Neue kühle Aufenthaltszonen müssen nicht extra gebaut werden – viele geeignete Räume existieren bereits. Sie bekommen im Sommer nur eine zusätzliche Funktion.
Nationales Netz geplant, aber Schutzräume allein reichen nicht
Barcelona und das Baskenland sind damit weiter als viele andere Regionen Spaniens und Europas. Die spanische Regierung kündigte inzwischen an, ein nationales Netz von Klimaschutzräumen zu schaffen. Dafür soll es auch staatliche Subventionen geben. Doch mit Schutzräumen allein ist es nicht getan. Diese ersetzen keine Bäume, keine schattigen Straßen und keine gut gedämmten Wohnungen. Sie kühlen auch keine aufgeheizten Stadtviertel ab. Dafür braucht es mehr Grün, weniger versiegelte Flächen und eine Stadtplanung, die Sommerhitze nicht länger als Ausnahme behandelt.
Madrids Puerta del Sol: Negativbeispiel für Klimaanpassung
Wie Klimaanpassung nicht aussehen sollte, zeigt ausgerechnet der berühmteste Platz in der spanischen Landeshauptstadt Madrid. Die mit EU-Mitteln kofinanzierte Neugestaltung der Puerta del Sol im Stadtzentrum kostete rund 10,7 Millionen Euro. Entstanden ist eine weitgehend versiegelte Fläche ohne Bäume und Grünzonen. Zwar ließ das Rathaus inzwischen saisonale Sonnensegel aufstellen, doch sie beschatten nur einen kleinen Teil des Platzes.



