Die Europäische Union (EU) hat umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die von schweren Waldbränden betroffenen Regionen in Frankreich und Spanien eingeleitet. Über den EU-Katastrophenschutzmechanismus werden insgesamt 13 Flugzeuge, vier Hubschrauber, 41 Fahrzeuge und rund 130 Einsatzkräfte bereitgestellt, wie die EU-Kommission mitteilte. Beide Länder erhalten zudem Satellitenbilder des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, um die Löscharbeiten zu unterstützen. Nach Angaben der Kommission mussten wegen der Brände in beiden Ländern zusammen mehr als 300.000 Menschen ihre Häuser verlassen – eine der größten Evakuierungsaktionen in der europäischen Geschichte.
EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert
EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib betonte die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengungen: „Kein Land muss eine Katastrophe dieses Ausmaßes allein bewältigen.“ Die EU-Koordination ermögliche eine schnelle und effiziente Verteilung von Ressourcen. Die bereitgestellten Flugzeuge und Hubschrauber kommen aus mehreren Mitgliedstaaten, darunter Italien, Griechenland und Polen. Die Fahrzeuge umfassen Löschfahrzeuge, Tanklaster und Geländewagen für schwieriges Terrain. Die Einsatzkräfte sind speziell für die Bekämpfung von Vegetationsbränden ausgebildet.
Bundeswehr unterstützt mit Hubschraubern
Auch Deutschland beteiligt sich an der Hilfe: Die Bundeswehr entsendet zwei CH-53-Transporthubschrauber zur französischen Militärbasis Cazaux, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Zudem bringt ein A400M-Transportflugzeug Löschgerät und weiteres Material in die Region. Diese Unterstützung ist Teil der bilateralen Zusammenarbeit im Rahmen des EU-Mechanismus. Die Hubschrauber können bis zu 5.000 Liter Wasser abwerfen und eignen sich besonders für den Einsatz in unwegsamem Gelände.
Lage in Frankreich: 42.000 Hektar zerstört
In der Region Gironde im Südwesten Frankreichs ist das Feuer nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez zwar stabilisiert, aber noch nicht unter Kontrolle. Die Einsatz- und Rettungskräfte seien „weiterhin in vollem Umfang im Einsatz“, sagte Nuñez. Die Flammen verwüsteten dort mindestens 42.000 Hektar Land und zwangen 220.000 Menschen zur Evakuierung. Am vergangenen Sonntag wurde Touristen empfohlen, nicht in die betroffenen Gebiete zu reisen. Die Waldbrände in der Gironde hatten sich über mehrere Tage unkontrolliert ausgebreitet, bevor die Hilfsmaßnahmen griffen.
Spanien: Entscheidende Tage stehen bevor
In Spanien, insbesondere rund um Madrid, hat sich die Lage leicht verbessert, doch das Feuer wütet weiter. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska bezeichnete den Montag und Dienstag als „absolut entscheidende“ Tage für die Bekämpfung der Brände. Nach offiziellen Angaben mussten rund 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Der staatliche Wetterdienst Aemet warnt vor einer drastischen Verschärfung der Brandgefahr: Ab Dienstag steige die Gefahr fast im gesamten Land auf ein sehr hohes oder extremes Niveau. Besonders betroffen sind die Regionen Kastilien-La Mancha, Extremadura und Andalusien.
Wettervorhersage: Temperaturen bis 40 Grad
Für die kommenden Tage haben Meteorologen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius vorhergesagt. Dürre und anhaltende Hitze haben den Boden und die Vegetation in den vergangenen Wochen extrem ausgetrocknet. Die Trockenheit wird durch den ausbleibenden Regen weiter verschärft. Die EU-Kommission ruft die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten auf, Anordnungen der Behörden strikt zu befolgen und sich auf mögliche weitere Evakuierungen vorzubereiten. Die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen soll in den nächsten Tagen fortgesetzt werden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.



